Wanderjahre in Italien, Volume 2

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F. A. Brockhaus, 1920
 

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Popular passages

Page 228 - Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll. Netzt' ihm den nackten Fuß; Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll. Wie bei der Liebsten Gruß. Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm; Da war's um ihn geschehn: Halb zog sie ihn, halb sank er hin. Und ward nicht mehr gesehn.
Page 217 - Augustus war groß und glücklich, weil er seine Herrschaft errungen hatte; seine Nachfolger waren elend, weil sie nichts zu erstreben hatten. Auf einmal in den Besitz eines schon längst eroberten Weltreichs gesetzt, wußten sie nicht, womit sie ihre Tage hinbringen sollten, denn auch der Genuß des Herrschens wird unerträglich, wenn ihn nicht Mühe würzt und Entbehrung unterbricht.
Page 228 - ... heimgegangen sind bis auf Eichendorff und bis auf Heine, den letzten verwunschenen Prinzen dieser Dichterschule. Wir wollen denn als Grabesspender aus dem blauen Feuerwasser von Capri einen Weiheguß auf die Gräber jener toten Dichter gießen. Denn von dieser Grotte haben sie alle geträumt, und wahrlich, es konnte der Preis ihrer Auffindung auch nur einem Maler und Dichter zukommen, aus der Zeit derer, welche die blaue Wunderblume der Poesie suchten bei den Undinen in der Tiefe, bei der Frau...
Page 217 - Körpers ist •wollüstig, ja weiblich zu nennen. Dies moralische Ungeheuer war, wie Cäsar Borgia zu seiner Zeit, der schönste Mann unter den Lebenden, von allen Kaisern Roms übertrifft ihn nur Augustus an klassischer Schönheit. Man vergißt den Kopf des Tiberius nicht mehr, wenn man ihn einmal gesehen hat; man erwartet, das verzerrte Antlitz eines Dämons zu erblicken und ist überrascht von der Feinheit seiner Züge, die einem Sardanapal so wohl entsprechen würden. Nur im Alter zieht sich...
Page 228 - Zeit derer, welche die blaue Wunderblume der Poesie suchten bei den Undinen in der Tiefe, bei der Frau Venus im Berge und in den unterirdischen Grotten der Isis. Sie waren alle liebenswürdige kleine und große Kinder, Knaben mit dem Wunderhorn. Ihr Hoherpriester Novalis sieht aus wie ein schöner, bleicher Knabe, der sich in das lange Predigergewand seines toten Urgroßvaters gesteckt hat und mystische Weisheit redet, von der niemand weiß, wie das Kind dazu gekommen sei. Ihre Muse aber ist eine...
Page 180 - Und so reizte mich dies klassisch geformte Eiland immerdar durch seine Gestalt, durch seine Einsamkeit und die düsteren Erinnerungen an jenen Kaiser Roms. An einem Sonntag, es war die heiterste Frühe, stiegen wir in Sorrento in die Barke und ließen uns nach Capri hinüberrudern. Das Meer war so still wie der Himmel, und alles in weiter Ferne in träumerischem Duft verloren; aber Capri stand vor uns groß und ernst, klippenstarr und felszackengepanzert, in der melancholischen Wildheit seiner Berge...
Page 23 - Mönche gelebt hatten, weiße Lilien, die im Leben fromme Nonnen gewesen waren, wilde Rosen, Lorbeersträucher, Mastix, hohe Farren, die Klematiswinde und der Brombeerstrauch, die roten Fuchsschwänze, die wie verzauberte Sarazenen aussehen, die phantastische Kaperblume in den Ritzen der Mauern, der duftige Goldlack, die Myrte und die würzige Menthe, ganz von Gold starrender Ginster, und nun der dunkle Efeu, der alle Trümmer überwallt, der über die Mauern sich ergießt in grünen Kaskaden, ^-...
Page 229 - Ia, ich glaube wohl, daß Tiberius hier badete und unter den schönen Mädchen seines Harems umherschwamm, wie Sueton erzählt. In dieser wollüstig strömenden Phosphorglut glühten dann die Mädchenleiber wie strahlende Leiber von Meerfeien, und nicht hat hier Sirenengesang und Flötenspiel gefehlt, um solches Bad zu einem unsagbaren Wollustspiel zu machen. Ich sah auf einer griechischen Vase eine Sirene gemalt, ein wunderliebliches Wesen, das hebt beide lilienweiße Arme auf, kichert und schlägt...
Page 227 - Fouque, an Arnim, an Brentano, die nun alle heimgegangen sind bis auf Eichendorff und bis auf Heine, den letzten verwunschenen Prinzen dieser Dichterschule. Wir wollen denn als Grabesspender aus dem blauen Feuerwasser von Capri einen Weiheguß auf die Gräber jener toten Dichter gießen. Denn von dieser Grotte haben sie alle geträumt, und wahrlich, es konnte der Preis ihrer Auffindung auch nur einem Maler und Dichter zukommen, aus der Zeit derer, welche die blaue Wunderblume der Poesie suchten bei...
Page 180 - Einen ganzen Sommermonat lebte ich auf dem Eiland Capri und genoß die Fülle zaubervoller Einsamkeit des Meers. Nun möchte ich auch diese märchenhaften Erscheinungen festhalten; aber ihre Schönheit, ihre Stille und Heimlichkeit ist mit Worten kaum zu sagen. Jean Paul hat Capri mit einer Sphinx verglichen; mir kam die schöne Insel, wenn ich sie vom Festland betrachtete, wie ein antiker Sarkophag vor, dessen Seiten schlangenhaarige Eumeniden schmükken; darinnen aber liegt Tiberius.

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