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Dr. H. Marschner: ,, Verloren.“ – ,,Hinaus in die Welt.“ – „Der Seemann.“ Gedichte von Wolfg. Müller, für eine tiefe Stimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 123. Dresden, bei W. Paul. Pr. No. 1. 12% Ngr. No. 2. 15 Ngr. No. 3. 17% Ngr. Es werden uns hier drei Gesänge geboten, die sämmtlich das Streben des trefflichen Componisten nach Characteristik beurkunden. Die geistvollen, oft wahrhaft ergreifenden Dichtungen sind mit Ernst und Wärme aufgefasst, und meist recht prägnant wiedergegeben. – Sind die drei Compositionen auch nicht von gleichem Werthe, so erregen sie doch, jede in ihrer Weise, ein nicht gewöhnliches Interesse und sind sehr geeignet, dem Componisten neue Freunde zu werben. No. 1. Verloren. Die gut gedachte Einleitung deutet recht bezeichnend die aufgeregte, ruhelose Stimmung des Sängers an. Dass der Componist die declamatorisch Ä Melodie durch den Begleitungsbass verstärken ässt, während die rechte Hand die Harmonie zu führen hat, finden wir vollkommen angemessen; vielleicht würde jedoch ein früheres Abbrechen dieser Begleitungsart noch wirksamer gewesen sein. Auch wäre dem achtzeiligen, ganz gleichen Rhythmus wohl eine Steigerung oder Nüancirung vortheilhaft gewesen, zumal da, nach einem kurzen Zwischenspiel, derselbe Rhythmus mit ganz gleicher Betonung wiederkehrt. Ungemein wohlthuend ist nach dem schmerzvollen, durch scharf distonirende Begleitung noch verstärkten Ausrufe, und überhaupt nach der schwermüthigen Färbung des Ganzen, die milde, lief empfundene Stelle: „0 könnt' ich nur einmal sehen die tiefen, frommen Augen!“ Eben so schön declamirt als harmonisch eindringend behandelt, erscheint dieser Satz so naturgetreu und besänftigend, dass man fast wünscht, es hätte dem Componisten gefallen mögen, auch dem nahen Schlusse diesen versöhnenden Character zu geben (was sich psychologisch recht wohl vertheidigen liesse), statt, wie er es nun vorgezogen hat, durch ein wehmüthiges Nachspiel, im Sinne der Einleitung, den Horizont wieder zu verdüstern. Bedeutsam tritt indess dabei noch die geschickt verwebte Erinnerung an die erste declamatorische Stelle des Gesanges hervor: „Ich ruh' nicht in den Nächten ! “ – ein kleiner, aber recht künstlerischer Zug.

No. 2. „Hinaus in die Welt!“ Nach Auffassung, Form und Bewältigung des Stoffes bei Weitem das beste Stück dieser Trilogie. – Dieser kecke, fast übermüthige Cosmopolit, der da laut verkündet: Ich baue kein Haus, ich säe kein Feld, Meine Wohnung ist rings die unendliche Welt! Ich pflanze keine Reben, ich presse keinen Wein – Der schäumende Becher ist mein , ist mein ! dieser ,,schnellflüchtige Gast der Minute,“ wie er sich selbst bezeichnet, tritt wahrhaft lebendig in Tönen vor uns hin. Sein fast zu rauhes Verschmähen der Heimath und die beinahe frivole Art, wie er von Freundschaft und Liebe denkt, hat der Componist, wenn auch nur in leisen Zügen, doch wohlthuend gemildert. In dieser Be

ziehung tritt vortheilhaft die Stelle hervor, wo bei den

Worten: „Durchstreif' ich im hellen, goldsonnigen Strahle“ die gesteigerte und doch so milde Begleitung mit dem fast erwünschten Ruhepuncte, selbst wie ein freundlicher Strahl, den Weg des kecken Gesellen erhellt. Dieselbe Genüge empfindet man, wo der Componist sinnig und wirksam die Worte wiederholt: ,, Fahr' wohl, Bruderherz!“ Das Ganze bildet im kleinen Raume ein treffliches Characterstück von rascher, glücklicher Conception und consequent festgehaltener, ansprechender Form. –

Das dritte Characterbild dieser Sammlung: ,,Der Seemann,“ ist, dem Raume nach, das ausführlichste, auch unverkennbar mit sinnigem Ernste erfasst und mit rühmlicher Ausdauer durchgeführt, und doch steht es an glücklicher Auffassung, wie an concentrirter Wirkung dem vorhergehenden weit nach. Die Schilderung der Scene, auf der sich die Dichtung bewegt, ist wirksam und ohne jenen stereotypen Wellenschlag der Begleitung im kurzen Vorspiel angedeutet, und eine fortwährend interessante Begleitung hebt und trägt auch die erste Strophe des Gesanges, in welcher der Seemann das „blaue, unendliche Meer begrüsst.“ Dann aber geht das Gedicht und mit ihm die Composition in's Breite und Weite und das Interesse ermattet. Wir verkennen in dieser oft recht schwunghaften Ausführung das Streben nach Characteristik eben so wenig, als einzelne treffende, geniale Züge, aber die rechte, warme Theilnahme wird dadurch nicht angeregt. Man fühlt sich erst dann behaglich, als die Anfangsstrophe wieder eintritt, welche,

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Dresden, im August. Es ist seit meinem Letzten von hier nichts Erhebliches zu berichten, als dass im Concert im Palais des grossen Gartens am 9. d. M. Beethoven's B dur-Symphonie unter Direction des Herrn CM. Reissiger von der königl. Capelle ausgezeichnet präcis ausgeführt wurde. Moriani sang dann eine Arie aus Anna Bolena von Donizetti mit vielem Beifall, und Rossini's Stabat mater (hier noch neu) machte den Beschluss, ohne sonderlichen Eindruck hervorzubringen. Dem. Walther aus Brünn hat als Agathe im Freischützen und Lucrezia Borgia mit Beifall Gastrollen gegeben; ihre MezzosoÄ ist klangvoll, die Methode jedoch nicht die este. Signor Zucconi, bisher bei der italienischen Oper der Königsstädtischen Bühne in Berlin, hat hier den Belisario und Alfonso in der Lucrezia Borgia mit Beifall gesungen, obgleich das häufige Tremuliren seiner übrigens starken Baritonstimme anfangs auffiel. Signor Zezi ist auf unbestimmten Urlaub, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit, nach Italien abgereist. Noch immer werden die drei Opern : Lucia di Lammermoor, Lucrezia Borgia und Belisario bis zum Ueberdruss wiederholt, da Moriani's Repertoir fast ganz auf Donizetti beschränkt ist. – Die deutsche Oper feiert gänzlich. Der Freischütz und Fra Diavolo wurden nur mittelmässig gegeben, da besonders Tichatschek und Dettmer vermisst werden. – Im grossen Garten fand ein recht gutes Extraconcert unter Leitung des MD. Hartung. Statt, in welchem Spohr's historische Symphonie und Lindpaintner's kriegerische Jubel-Ouverture gut ausgeführt wurden. J. P. S.

Leipzig. Am 13. August, Nachmittags 4 Uhr, gab unser C. F. Becker in der hiesigen Nicolaikirche zum Besten des Taubstummen-Instituts ein Orgelconcert. Das Programm bestand aus folgenden Stücken: Präludium für zwei Manuale und Pedal von J. S. Bach, gespielt von Becker; Fuge (Gdur) von Krebs, gespielt von demselben; Trio über den Choral : Meinen Jesum lass ich nicht von Becker, gespielt von Fräul. Louise Ave-Lallemant; Adagio von Becker, gespielt von ihm selbst; freie Veränderungen über einen Choral, von demselben; Fuge von Eberlin, gespielt von Fräul. Lallemant; Trio über den Choral: Meine Seele erhebt den Herrn von J. S. Bach, gespielt von Becker; Adagio für Flöte und Orgel von Letzterem, vorgetragen von ihm und Herrn Kammermusikus C. G. Belcke; sechsstimmiges Ricercare über das königliche Thema von J. S. Bach, gespielt von Becker und Fräul. Lallemant. – Ueber den Vortrag des Concertgebers selbst etwas zu sagen, wäre überflüssig; es genügt die Bemerkung, dass er auch hier seine längst und überall anerkannte Meisterschaft bewährte; unter solchen Händen wird das königliche Instrument stets den tiefen Eindruck machen, welchen es auch diesmal auf das zahlreich versammelte Publicum hervorbrachte. . Namentlich schien das gemüthlich schöne Adagio für Flöte und Orgel allgemein anzusprechen; Herr Belcke trug seine Partie mit jener edlen einfachen Weise vor, welche der Würde des Ortes wie der Composition entsprach. Ein besonderes Interesse gewährte die Erscheinung des Fräul. Lallemant, einer zu schönen Hoffnungen berechtigenden Schülerin des Concertgebers. In dem Becker'schen Trio zeigte die talentvolle junge Dame die Weichheit, welche dies treffliche Tonstück erheischt; in der Eberlin'schen Fuge und dem Bach'schen Ricercare eine Kraft, wie man sie bei dem zarten Geschlecht kaum erwarten dürfte. In der tüchtigen Schule eines solchen Lehrers wird sich Fräul. Lallemant gewiss einen ehrenvollen Platz unter den Künstlern zu erringen wissen. Dem Meister aber sei für den wahrhaft erbaulichen Kunstgenuss, den er durch sein Concert allen Zuhörern bereitet hat, der herzlichste Dank dargebracht! –6.

Weimar, im Juli 1843. Vom 18. Februar d. J. an bis zum Schluss der Vorstellungen am 18. Juni fanden im grossherzogl. Hoftheater folgende Aufführungen Statt: Fanchon, Freischütz, Oberon, Zauberflöte, Flucht, zwei Mal, Mary, Max und Michel, Chevalier von St. Georj Diamant des Geisterkönigs, zwei Mal, Götz von erlichingen, Lenore, Rückkehr in's Dörfchen, Verschwender, Waise und Mörder, Heimliche Heirath, Liebestrank, zwei Mal, Romeo und Julie, Tochter des ReÄ drei Mal, Brauer von Preston, Feensee, Fra iavolo, Johann von Paris, Zampa. Neu waren die Tochter des Regiments, und die Flucht. – Die Flucht, nach dem Französischen frei bearbeitet von Herrn von Pless, componirt von dem sehr talentvollen noch ziemlich jungen braven Violinisten der Ä Capelle Herrn Stör, erhielt ziemlichen eifall. Das Sujet ist nicht übel, interessirt aber doch nicht genug. Das mag wohl die Hauptursache sein, warum die frische, lebendige, melodiöse und zuweilen brillante Musik nicht grössere Wirkung machte. – Die Tochter des Regiments ist schon auf zu vielen Theatern in Deutschland gegeben, als dass es noch an der Zeit wäre, Viel darüber zu sagen. Es genügt zu bemerken, dass auch hier die leichte, heitere Musik, in der neben vielem leichtfertig Gearbeiteten doch auch recht wackere Sätze vorkommen, sehr ansprach. Lässt es sich an dem Textbuch tadeln, dass es nicht nur leichtfertig, sondern geradezu liederlich gearbeitet ist, und manche sich von selbst darbietende interessante Situationen nicht benutzt, dagegen andere gleichgiltige, völlig fremde gewaltsam

herbeigezogen sind, ohne dass man die Ursache deutlich einzusehen vermag, so ist doch auch Eines an ihm zu loben, das sich nur von wenigen neuen französischen Opern sagen lässt, nämlich: es kommt einmal zur Abwechselung gar nichts Obscönes in der Oper vor. Das ist um so mehr lobpreisend hervorzuheben, da es mehrere französische neue Operndichter geradezu darauf anzulegen scheinen, die schöne Gelegenheit, ihre trefflichen Lehren vor vielen Tausenden auskramen und durch Hilfe der Scenerie, lebendigen Handlung und Musik um so eindringlicher zu machen, recht mit Fleiss benutzen, um Religion lächerlich, Sittlichkeit als Kleinkrämerei, und Fürsten als verächtlich oder hassenswerth darzustellen. Wem diese Behauptung hart und schroff erscheint, der vergleiche nur z. # die Opern: Der Gott und die Bajadère, der Postillon von Lonjumeau, das eherne Pferd – hier und da auch: der Brauer von Preston, der Feensee – Robert der Teufel, und die Hugenotten. – Wenn in einem Buche solche Schändlichkeiten vorgetragen würden, als in diesen Opern, so wäre es wenigstens zweifelhaft, ob es die Censur passirte; ein Buch aber muss schon viel Ruf haben, wenn es Zehntausend lesen sollen, da hingegen eine Oper, die gefällt, leicht von Hunderttausend und oft mehrere Male besucht wird. Unterliegen Operntexte gar keiner Censur? Hofconcerte gab es nur einige wenige und von fremden Künstlern hörten wir nur den uns schon bekannten ausgezeichneten Clarinettisten Herrn Bärmann aus München. – Im März gab das Militärhoboistencorps zwei Concerte für die Armen im Erzgebirge und für die Abgebrannten in Buttstädt, die zahlreich besucht waren und verdienten Beifall fanden. Hervorzuheben waren zwei Männergesänge, ausgeführt von dem Unteroffiziersängercorps, ein Ä von Beriot, brav gespielt von Herrn Hemmann, und ein sehr brav von Herrn Spriner aus Frankfurt a. M. geblasenes Bassethornconcert. – m April gab die öÄs ihr erstes Concert, in dem Beethoven's Cmoll-Symphonie und Haydn's AbschiedSymphonie (die hier nur Wenigen bekannt war) und mehrere Gesänge von den Sängern des Theaters sehr gut ausgeführt wurden. Das meiste Interesse nahm jedoch, und mit vollem Recht, der junge Violinvirtuos Herr Bazzini aus Mailand in Anspruch, der dreimal spielte. Dem Lobe, das ihm von andern Orten her schon in diesen Blättern gespendet wurde, stimmen wir vollkommen bei. – Die berühmte Sängerin Mad. Hasselt - Barth, die sich einige Tage bei ihrem Onkel, der hier lebt, aufhielt, sang nicht öffentlich, veranstaltete jedoch eine musikalische Abendunterhaltung im Concertsaale des Stadthauses, zu dem sie nahe an 200 Musiker und Dilettanten einlud. Referent, durch Unwohlsein verhindert, der freundlichen Einladung zu folgen, hörte von Allen, die dort waren, Stimme, Ausdruck, Gewandtheit u. s. w. nur loben, ja von mehreren enthusiastisch loben, von Einzelnen doch aber auch bescheidene Zweifel in den Geschmack der zuweilen angewandten neumodigen carikirten Art des Vortrags, die grelle Contraste liebt, da und dort Alles auf die Spitze stellt und selbst Zittern der Stimme als Ausdrucksmittel nicht verschmäht. – Die berühmten Quartettspieler Gebrüder Müller und den grossen Harfenisten Parish- Alvars, die sich fast gleichzeitig einige Tage hier aufhielten, bekamen wir leider nicht zu hören, da die Theaterverhältnisse ihnen keine bequemen Abende zu Concerten frei liessen. – Von neuen Opern für den Herbst ist noch nichts mit Sicherheit zu melden.

Erfurt. Concertbericht vom 1. März bis letzten Mai. Das fünfte Familienconcert des Erfurter Musikvereins brachte die heitere, neckende B dur-Symphonie des ewigjungen Haydn, ein Potpourri für Violine von Spohr (Herr Fuckel), Gesänge von Spohr und Hrebs, und Beethoven's tiefergreifende Musik zu Egmont. Mosengeil's Gedicht, das manchen begründeten Tadel erfahren, das aber nichts destoweniger an vielen Stellen von grosser Wirkung ist, wurde von dem herzogl. Coburgischen Hofschauspieler Herrn v. Hawaczinski vortrefflich gesprochen. Die musikalische Ausführung war ebenfalls befriedigend. In Beziehung auf die Zusammenstellung des Programms hätte es wohl angemessen sein dürfen, das Concert, dessen zweiter Theil uns jenes hochernste Drama vor die Seele führen sollte, etwas anders auszustatten, und namentlich durch eine Symphonie ernstern Characters beginnen zu lassen. – Das sechste Concert (am Charfreitage) füllte Graun’s ,,Tod Jesu“ aus. – Einen seltenen, langersehnten Genuss bot das siebente, in welchem die Gebrüder Müller aus Braunschweig drei Quartetten von Haydn, Mozart und Beethoven in weltbekannter Weise vortrugen. Den tiefsten und allgemeinsten Eindruck machte Haydn's wunderschönes Quartett in B dur. Die Beigaben des Concerts, zwei Lieder für eine Sopranstimme mit Begleitung eines Männerchores von F. Hiller („Lebenslust“ und „Die Lerchen“) sprachen sehr an. Die Sopranpartie wurde von einer jungen Dilettantin mit frischer Stimme, anzuerkennender Fertigkeit und mit jener wohlthuenden Natürlichkeit gesungen, die der Vortrag eines Liedes erheischt. – Der Saal war gefüllt, jedoch weniger, als zu erwarten stand. – In den drei Soiréen der Herren Dietrich, Habermann und Ritter wurden, als hier noch nicht öffentlich gehört, vorgetragen: Trio (Op. 11), Sonate (Op. 5 und 26) und Sextett für Blasinstrumente von Beethoven, Quarteut von Weber, Trio (Op. 99) von Fr. Schubert. Die letzte Soirée am 22. März deutete durch das von Goethe's Freunde Zelter so einzig componirte Lied: ,,Ueber allen Gipfeln ist Ruh,“ dem der erste Satz von Beethoven's Sonate, Op. 101, voranging, auf den Sterbetag des deutschen Dichterfürsten hin. – Herr Dietrich erregte in einigen Compositionen von Romberg und Dotzauer durch sein Spiel, das immer mehr an Character und Sicherheit gewinnt, so wie der Clarinettist Herr Knoch besonders durch seinen schönen Ton die beifälligste Theilnahme. – In einer Privat-Musik-Aufführung in der hiesigen Kaufmanns-Kirche wurden unter Leitung des Organisten Ritter vorzugsweise Gesänge aus Händels Oratorien gesungen. – Nur zwei reisende Künstler Herr Bazzini und Fräul. Wetterhahn gaben in dem angeführten Zeit

raume Concerte; Berichterstatter war ihnen beizuwohnen verhindert. – A. G. R.

Halle. Der academische Künstler Herr J. Grüneberg hierselbst, dessen Vater bekanntlich der Erfinder des „Piano-droit“ ist, hat im Anfange dieses Jahres einen Cabinetflügel gebaut, in welchem der sogenannte Leistenkasten durch ein eisernes Gerippe ersetzt worden ist. Auf den Wunsch des Herrn Ä nahm ich das Instrument in den letzten Tagen des April in Augenschein; ich fand ein Gehäuse von Holz, der bisherigen Flügelform ganz ähnlich, doch war das Innere, wo sonst Stimmstock, Anhängeplatte, Resonanzboden, hölzerne und eiserne Verspreizungen u. dergl. befindlich – ganz leer. Alle Theile, welche zur Befestigung und Spannung der Saiten dienen, bestanden aus massivem Eisen und bildeten mit dem hölzernen Resonanzboden und der Dämpfung ein isolirtes Ganzes. Dieses eiserne Gerippe mit Saitenbezug, Dämpfung und dem hölzernen Resonanzboden wurde in das Gehäuse hineingelegt, die Claviatur sammt Mechanismus in gewöhnlicher Weise eingeschoben und das Instrument so vollständig fertig. Die Vortheile dieses neu construirlen Pianoforte sind so augenfällig und man nichfach, dass ihr Einfluss auf den bisherigen Pianofortebau wohl schwerlich ausbleiben wird; es sei mir erlaubt, wenigstens einige hervorzuheben. Reparaturen am Resonanzboden, wenn sie hier überhaupt vorkommen können, sind in ganz kurzer Zeit und mit viel weniger Kosten, als bisher, zu bewerkstelligen, da der Resonanzboden in einigen Stunden weggenommen und wieder angeschraubt werden kann, ohne den Saitenbezug in irgend einer Weise zu verletzen. Durch die Trennung des eigentlichen Pianofortekörpers vom Gehäuse ist es ferner möglich, denselben Tonkörper für verschiedene Gehäuse zu benutzen. – Da der Resonanzboden von unten ganz frei liegt, so wird auch mit der Zeit eine vollständige Theorie für den Bau der Resonanzböden gewonnen werden können. Die Einflüsse der Temperatur auf den Saitenbezug und das eiserne Gerippe sind jedenfalls gleichmässiger, die Stimmung ist somit haltbarer, als bei dem bisherigen hölzernen Kastenbaue. Aus dieser einfachen Darlegung ergibt sich zuleich die Abweichung von der bisherigen Pianoforteonstruction. Erreicht der strebsame Ä in seinem neu-construirten Pianoforte die Klangschönheit der besten Instrumente mit gewöhnlichem Leistenkasten, so zweifle ich nicht, dass seine sinnreichen Veränderungen im Pianofortebaue auch als wirkliche Verbesserungen allgemeine Anerkennung finden werden. G. Nauenburg.

Frühlingsopern u. s. w. in Italien.

Königreich Beider Sizilien.

Palermo. (Teatro Carolino.) Die im vorigen Berichte hinsichtlich der noch zu gebenden neuen Oper Sara, ovvero la pazza della Scozia, vom Neapolitaner Grafen Gabrielli, ausgesprochene Prophezeihung ist eingetroffen. Besagte, am 30. März, also Ä im Frühjahr in die Scene gegangene Oper fand zwar theilweise von Freunden Beifall, Maestro und Sänger wurden nach dem ersten Act hervorgerufen, allein Alles zusammen gleicht so ziemlich den übrigen vom Grafen componirten zwölf Opern und ungefähr zwanzig Balleten, deren Musik stets zur Armenclasse gehört. Auswärtige Zeitschriften, mitunter deutsche, von einigen inländischen verführt, haben sogleich und ohne Weiteres nach einer langen Posaune egriffen und die glänzende Aufnahme der Sara in die elt hineingeschmettert. Das so eben Berichtete und das noch Folgende mögen hinfüro jenen Posaunen zum Sordino dienen. Die eigentliche Aufnahme in der ersten Vorstellung war: Ouverture = kalt, Introduction = lau, Cavatine der Manzocchi (Titelrolle) blos die Cabalette applaudirt nebst Hervorrufen der Sänger und des Maestro Dasselbe gilt von der Cavatine des Ivanoff (Evano) und dem Duette zwischen der Manzocchi und Bassisten Intom (Douglas), der Cabalette wegen. Finale, eiskalt. Zweiter Act, Silenzio perfettomit untermischtem Zischen. Am 5. April hatte die Manzocchi ihr Benefiz mit Pacini's Saffo, und am 8. April endigte die Stagione Ä eine Confusion in den heutigen Witterungs- und heatralstagioni!) mit dem ersten Acte der Maria d'Inghilterra, ebenfalls von Pacini, und den beiden letzten Acten seiner Saffo. Später wurden die Vorstellungen ersterer Oper fortgesetzt, und die Campobello (eigentlich Baronesse Felicita Kransnopolsha Gottesmann, Tochter eines pensionirten polnisch-österreichischen Hnsarenrittmeisters) sang die Titelrolle mit Beifall. Und so endigte die Impresa des Fürsten von Cutö, die glänzendste, die Siciliens Hauptstadt in ihren Annalen aufzuweisen hat, und die bekanntlich mit vorigem October begann und im April endigte. Einige Aeusserungen der hiesigen Zeitschrift l'Occhio (das Auge) bei Pacini's Abreise im vorigen Carneval mögen hier nachträglich Platz finden. In einem sehr langen Artikel über seine Maria d'Inghilterra heisst es unter Anderm : ,, Lebe wohl, Johann Pacini, ein Lebewohl gibt Dir Dein gerührtes Vaterland (er ist bekanntlich in Bellini's Vaterstadt geboren), nur allzukurz durch Deine Gegenwart erfreut, stolz auf einen so grossen Sohn ! Mit Bellini schien das musikalische Genie erloschen, doch mit Dir, o Pacini, ist es wieder erwacht; in die Wunder seines Gesanges eingeweiht (ispirandoti ne' portenti del canto di lui), hast du die italienische Melodie vor jedem barbarischen Einfall (barbara invasione) unverletzt bewahrt. Die Saffo, die Fidanzata haben Deinen Namen unter die erhabensten, mit welchem die Ausländer deine Stirne zieren (!), erhoben. Sicilien, gross wegen des Ruhms seiner Söhne, ist stolz, Dich unter ihnen zu zählen u. s. w.“ Chieti. dante's Emma d'Antiochia hat die Parepa und der brave Bassist Luigi Rinaldini so sehr gefallen, dass sie bereits für künftigen Frühling 1844 engagirt wurden. Tenor Nerozzi und die Comprimaria Bianchini befriedigten Beide: Neapel. Mit drei neuen Opern – und was will ein solch Ternarium heutzutage sagen! – war die diesÄ Frühlingsstagione ungewöhnlich mager und blass. er Vorstellungen auf den beiden königl. Theatern wa

In Bellini's Beatrice di Tenda und Merca-"

ren weniger als sonst; von den älteren Opern gab man

Donizettis Lucia di Lammermoor und Ajo nell' imbarazzo, Mercadante's Giuramento, Coppola's Nina und Pacini's Saffo. In der Nina debütirte die Dabedeilhe mit einer voce velata und mässigem Beifall. Glänzend war das erste hiesige Auftreten der Goldberg im Juni im benannten Giuramento und in Pacini's Saffo, bei welcher Gelegenheit eine Neapolitaner Zeitschrift folgende Beschreibung von ihr gibt: Jung, schön, Theatralfigur, sprechende Miene, edle Haltung, elegante Manieren und etwas einförmige Action, tiefes Fühlen wenn sie sich beeifert, ziemlich umfangreicher Mezzosopran, sehr stark in einigen hohen, regelmässig in den mittlern, schön in den tiefen Chorden, gute Schule, wenig Geläufigkeit, ziemlich gute Aussprache. Ihr zur Seite sangen die Tenore Basadonna, Fraschini und der hier beliebte Bassist Coletti; die Altistin Taglioni befriedigte nicht. In der neuen und ersten Oper del Maestro Vincenzo Battista, Anna la Prie betitelt, mit einigen modern hübschen Dingerchen, wurden mehrere Stücke, besonders die Gruiz beklatscht, Tamberlik und Benventano öfters applaudirt; überhaupt gefiel die Oper mehr in der Folge. Ä zweite neue Oper: Il Ravvedimento, Buch von Salvatore Camerano und Musik von seinem Bruder Luigi, gefiel weit weniger. Die Musik ist schreckbar lärmend und hat beinahe gar nichts Bemerkenswerthes aufzuweisen. In dieser zweiten Oper des Maestro (seine erste hiess bekantlich I Ciarlatani) wurde bekanntlich um die Wette geschrieen; Fraschini schrie noch mehr als ihm Camerano vorgeschrieben. Eine noch zu gebende Operette: Una Scena artistica wurde, wegen Anspielung auf Impresarj, suspendirt. Auf dem Teatro Fondo wurden mitunter mechanische Spiele gegeben. Das Teatro Nuovo hatte von den älteren Opern: Giuramento (mit der Vilmot, Gualdi, Labocetta), Chiara di Rosenberg, Gemma di Vergy, Scomessa, Lotteria di Vienna, am Meisten die Villana Contessa, worin die Barcelona mit hübscher Figur, einer gewissen Grace und ziemlichem Beifall debütirte. In der Chiara erhielt eine Schinardi (Titelrolle) Aufmunterung, Labocetta sang gut, Fioravanti und Casaccia sind bekannt. Die neue Oper Il Morto e il Vivo, del Maestro Ant. Brancaccio, worin die Vilmot, die Luciani, Tenor Zoboli und Casaccia wirkten, machte Fiasco. Mad. Bishop, die mit Herrn Bochsa auch in den hiesigen königl. Theatern zwei Academieen mit Beifall gegeben, wurde auf 2% Monat engagirt auf denselben zu singen. Sie debütirte bereits nicht sehr glücklich in der Sonnambula, deren Stücke sie ohnehin in den Academien vorträgt; der hier beliebte, schon bis zu Ende Fasten 1848 engagirte Tenor Fraschini trug zu jenem Nichtgelingen seinen Theil bei. Die Bishop singt auch nächsten Herbst und Carneval auf den Theatern Valle und Apollo zu Rom. Die beiden königl. Theater S. Carlo und Fondo wurden auf fernere vier Jahre (von Ostern 1844 angefangen bis zu Ende. Fasten 1848) an ihren dermaligen Impresario Edouard Guillaume mit einer jährlichen Beisteuer von ungefähr 50,000 Ducati (etwas über 80,000 Augsb. Gulden) verpachtet. Die Tadolini wurde auf zwei

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