Philosophisch-kritische streifzüge von N. Lorm [pseud.].

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Mitscher & Roestell, 1873 - 240 pages
 

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Popular passages

Page 193 - Sonst sagen Sie mir von Ihrer Berlinischen Freiheit zu denken und zu schreiben ja nichts. Sie reduziert sich einzig und allein auf die Freiheit, gegen die Religion so viel Sottisen zu Markte zu bringen, als man will.
Page 193 - Lassen Sie es aber doch einmal einen in Berlin versuchen, über andere Dinge so frei zu schreiben, als Sonnenfels in Wien geschrieben hat; lassen Sie es ihn versuchen, dem vornehmen Hofpöbel so die Wahrheit zu sagen, als dieser sie ihm gesagt hat; lassen Sie einen in Berlin auftreten, der für die Rechte der Untertanen, der gegen Aussaugung und Despotismus seine Stimme erheben wollte...
Page 187 - Wie vor einem Blitz erleuchteten sich uns alle Folgen dieses herrlichen Gedankens, alle bisherige anleitende und urteilende Kritik ward wie ein abgetragener Rock weggeworfen...
Page 103 - Jean Paul ist wohlbeleibt, hat ein volles, gutgeordnetes Gesicht, kleine, feuervoll sprühende und dann wieder gutmütig matte Augen, einen freundlichen, auch im Schweigen leise bewegten Mund. Seine Sprache ist schnell, fast eilig und daher bisweilen etwas stolpernd, nicht ohne einigen Dialekt, der mir schwer zu bezeichnen wäre, aber ein Gemisch von fränkischem und sächsischem sein mag, natürlich doch ganz in der Gewalt der Schriftsprache festgehalten. Ich mußte ihm zuvörderst alles erzählen,...
Page 103 - Blättern in der Hand, die man mir als zum Hesperus gehörig insgeheim bezeichnete. Dies Persönliche und manches Literarische, das sich damit verflechten mußte, regte ihn außerordentlich an, und er hatte bald mehr zu sagen als zu vernehmen. Seine Rede war durchaus liebenswürdig und gutmütig, immer gehaltvoll, aber in ganz schlichtem Ton und Ausdruck. Wiewohl ich es schon wußte, daß sein Witz und Humor nur seiner Schreibfeder angehöre und er nicht leicht ein Zettelchen schreibt, ohne daß...
Page 193 - Wien mag sein, wie es will, der deutschen Literatur verspreche ich doch immer noch mehr Glück als in Eurem französierten Berlin.
Page 213 - ... dem Scharfrichter des Individualismus, dem Fanatiker des gesunden Menschenverstandes, veranstaltet wurde. Es schien, das schauerliche Verhängnis, welches Kleist von Stufe zu Stufe in die Gruft hinabgedrängt hatte, wäre noch fünfzig Jahre nach seinem Tode nicht versöhnt gewesen, sondern hätte sich jetzt abermals der Werke des Unglücklichen bemächtigt, um auch diese dem sicheren Untergang zu weihen. Denn die bisherige Nichtbeachtung im großen und ganzen konnte ihnen nicht so verderblich...
Page 173 - Stile, geschrieben. Zu diesem Uebellaute, der hauptsächlich im Mangel des (auch in der Prosa nicht wohl zu entbehrenden) Rhythmus besteht, hat nebenher auch der unmäßige Gebrauch willkürlich gebildeter Stammwörter beygetragen, wozu diesen Schriftsteller sein Ueberfluß an zuströmenden Vergleichungen der heterogensten Dinge, und sein Hang zu bizarren Anspielungen auf entfernt liegende Aehnlichkeiten von jeher zu verleiten pflegte.
Page 173 - Der berühmte Verfasser hat bekanntlich viele wohlgedachte Bücher, aber alle in einem ziemlich übellautenden Style geschrieben. Zu diesem Uebellaute, der hauptsächlich im Mangel des (auch in der...
Page 34 - Kant und Dove. Durch alles dies „soll der heranwachsenden Generation der Naturforscher das ihnen eingeimpfte Vorurtheil gegen alles, was Philosophie heisst, genommen, und ihnen ebenfalls inductiv der verloren gegangene Glaube an die Fruchtbarkeit und Notwendigkeit einer rationellen philosophischen Ausbildung auch für die Fortschritte der Naturwissenschaften wieder an's Herz gelegt werden", damit dieselben wieder befähigt werden, der gegenwärtig überhand nehmenden empirischen Zersplitterung...

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