Jean Paul's sämmtliche Werke: in vier Bänden, Volume 1

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Baudry's, 1843
 

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Page 411 - Sonnen umzogen und hattest keine Schwere mehr; aber uns Alumnen der Natur fallen nie acht solche Wochen zu, nicht eine, kaum ein ganzer Tag, wo der Himmel über und in uns sein reines Blau mit nichts bemalt als mit Abend- und Morgenrot - wo wir über das Leben wegfliegen und alles uns hebt wie ein freudiger Traum...
Page 419 - Ameisen und nagender Räupchen ist, indes du tief unter allen diesen mit unverrücktem Haupte auf deinen Hobelspänen liegst und keine liebkosende Sonne durch deine Bretter und deine mit Leinwand zugeleimten Augen bricht - wohl dir, daß ich dann sagen kann: „Als er noch das Leben hatte, genoß er's fröhlicher wie wir alle.
Page 427 - Komm, liebe müde Seele, die du etwas zu vergessen hast, entweder einen trüben Tag oder ein überwölktes Jahr, oder einen Menschen, der dich kränkt, oder einen, der dich liebt, oder eine entlaubte Jugend, oder ein ganzes schweres Leben; und du, gedrückter Geist, für den die Gegenwart eine Wunde und die Vergangenheit eine Narbe ist, komm in meinen Abendstern und erquicke dich mit seinem kleinen Schimmer, aber schließe, wenn dir die poetische Täuschung flüchtige süße Schmerzen gibt, daraus;...
Page 259 - Der Kleine bebte vor Freude und 20 Angst. Die Flöte tönet fort - sie gehen den Nachtgang der Himmelleiter hinauf — zwei ängstliche Herzen zerbrechen mit ihren Schlägen beinahe die Brust - der Genius stoßet die Pforte auf, hinter der die Welt steht — und hebt sein Kind in die Erde und unter den Himmel hinaus Nun schlagen die hohen Wogen des lebendigen Meers über Gustav zusammen - mit stockendem Atem, mit erdrücktem Auge, mit überschütteter Seele steht er vor dem unübersehlichen Angesicht...
Page 405 - Auenthal, und ich glaube nicht, daß einer vom Pfarrer oder von seiner Gemeinde verklagt wurde. Allemal acht oder neun Jahre nach der Hochzeit versahen Wuz und Sohn das Amt mit Verstand - unser Maria Wuz dozierte unter seinem Vater schon in der Woche das ABC, in der er das Buchstabieren erlernte, das nichts taugt.
Page 405 - was weißt du unten in deinem Stuhl, wie prächtig es einem oben ist, zumal unter dem Kanzelliede?" Wir könnens leicht in seinen altern Jahren erfragen, wie er in seinen Flegeljahren war. Im Dezember von jenen ließ er allemal das Licht eine Stunde später bringen, weil er in dieser Stunde seine Kindheit — jeden Tag nahm er einen andern Tag vor — rekapitulierte.
Page 259 - Auge sich auf den weißen Flügeln eines Sommervogels tragen ließ, der ungehört und einsam über bunte Blumen wogte und ans breite grüne Blatt sich wie eine Ohrrose versilbernd hing : so fing der Himmel an zu brennen, der entflohenen Nacht loderte der nachschleifende Saum ihres Mantels weg, und auf dem Rand der Erde lag, wie eine vom göttlichen Throne niedergesunkene Krone Gottes, die Sonne.
Page 411 - Unter dem Kaffee schnitt er sich, außer den Semmeln, die Federn zur Messiade, die er damals, die drei letzten Gesänge ausgenommen, gar aussang. Seine größte Sorgfalt verwandte er darauf, daß er die epischen Federn falsch schnitt, entweder wie Pfähle oder ohne Spalt oder mit einem zweiten Extraspalt, der...
Page 417 - Mutter", sagt' er zu seiner Frau, „betracht' doch, wie dein Mann hier (im Schreibbuch) und wie er dort (in seinem kalligraphischen Meisterstück von einem Lehnbrief, den er an die Wand genagelt) geschrieben: ich fress' mich aber noch vor Liebe, Mutter!
Page 410 - Daher dacht' er die Melioration seines Vaters nachzumachen und wollte von der Sekundanerbank auf den Lehrstuhl rutschen. Der Kirchenpatron, Herr von Ebern, drängte sich zwischen beide Gerüste und hielt seinen ausgedienten Koch an der Hand, um ihn in ein Amt einzusetzen, dem er gewachsen war, weil es in diesem ebensogut wie in seinem vorigen Spanferkel*) tot zu peitschen und zu appretieren, obwohl nicht zu essen gab. Ich hab...

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