Frühling

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Kreisende Ringe, 1896 - 92 pages
 

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Popular passages

Page 12 - Tiefer den Kopf ins Gras zurück. Nun macht mich mein begehrender, ahnender Sinn kleiner und immer kleiner, und nun bin ich winzig, ganz ganz winzig klein. Ich habe ein goldgrünes...
Page 24 - Hummeln, durch das Wispern der Gräser und Binsen, durch das heimliche, verlorene Plätschern blinkenden Gekräusels, aus den tausend Stimmen der Vögel, zwischen den rauschenden Büschen. Sie lebt in dem Gebrüll der Kühe, in den zierlichen Schwunglinien glänzender Pferdeleiber, wie sie grasen; in dem Muskelspiel ihrer prächtigen Formen, wie sie dort gemächlich schreiten, oder schnell, mit mutwilligen Sprüngen hineilen durch das hohe, blumenüberragte Gras. Sie flirrt und flimmert und wellt...
Page 27 - Nur noch eine dünne, dünne Scheide zwischen uns und einer neu erweiterten Welt neuer Wunder. Entgegen, entgegen der Klarheit hellerer Sinne Frühling! Frühling! Ewiger Frühling! Licht, das sich entflammt, hinein, hinein in ewig weichendes Dunkel ! Hier, hier, in mir, dort, irgendwo krümmt es sich in süsser, banger Werdequal in nun schlechter Hülle neuen Wundern neuer Offenbarungen entgegen.
Page 23 - Liebe küssen konnte, da wurde ihr müdes stumpfes Herz lebendig und blühte mir entgegen wie ein schöner Frühling. Und in dieser Erinnerung nun ist sie mir so rein und adlig wie die reinste Jungfrau, und blüht in Schönheit und Würde O überall, überall seh ich heimlich eine schöne, verjüngte Friedenswelt. Und ein Nahen spür ich, ein Nahen Gesang, Fröhlichkeit, unbändiges, unsterbliches Gelächter, Wein und goldenes Bechertönen, und Liebe, Liebe, Liebe! Der Länge nach lieg ich auf dem...
Page 49 - ... entgleitet. In Schlafs Prosagedicht „Zwielicht" (1896) schwankt das lyrische Ich angesichts der ungeheuren Planetenwelten zwischen panerotischer Allsympathie und Schrecken: Ich fühle das eisige, tiefschwarze Grausen der endlosen Räume. Ich sehe all die gelben Welten und höre den gräßlichen Tumult ihres Umlaufs. Jahre, Jahrzehnte, Jahrtausende und Jahrmillionen, in die Unendlichkeiten hinein, das gleiche und ewiggleiche kalte blöde Sausen ihrer Bahnen. Feuer, Wasser und Elemente, werdender...
Page 9 - Mit jedem Pulsschlag, jedem Beben meines Körpers, mit jeder Bewegung liebkose ich die weit und lustig gebreitete Welt. Und mich liebkosen die Käfer, die Blumen und Bäume, mit Summen und Blüten und Laub, mit Farben und Düften und hundert sanften Berührungen. Der leise, leise Wind durch Blätter und Gezweig liebkost mich, kühle Schatten und helle, warme Lichter, blaue Fernen und heitere Nähen, ziehende Wolken und Wellen. Zwischen einem Getreidefeld und dem Erlengebüsch eines Grabens schlendr...
Page 25 - Kind, hingegeben in Ehrfurcht, in Lust und Jubel, in Schreck, in Furcht und Grauen und mit kindlichem Vertrauen wiederkehren und immer, immer wiederkehren . . . Ich sehe in den Kelch einer Winde, in den flachen, süss duftenden Kelch einer Winde hinein.
Page 17 - Ietzt will ich. Und will ein Prophet sein: ein Seher. Die Blumen blühen, die Bäume rauschen, die Wasser plätschern, die Vögel singen, und der Himmel blaut...
Page 25 - Und ich: hingenommen in ihn, sein Wiederklang, ganz ganz sein Wiederklang für eine Minute der Verlorenheit. Suchen, Haben und Verlieren, und wieder Suchen, Halten und Verlieren. Immer wieder und wieder und immer von neuem. Das ist das Leben. Das ist alles Schicksal und aus diesem einen werden alle Leiden und Lieder. Eine Musik hör ich, nah und fern. Einen einzigen, millionenstimmigen Akkord: das ist das Lied der Kraft. Das ist die Kraft.
Page 7 - Himmel und die milchweißen Frühlingswolken hinein. Blühender Weißdorn über mir. Der frische Wind drin und Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge. In die Länge und Breite dehnen sich vor mir die Wiesen hell gegen dunkelgrüne Binsenstrecken hin zum Fluß hinunter, wogen und gleißen mit smaragdenen Wellen.

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