Ernst Schulze: nach seinen Tagebüchern und Briefen sowie nach Mittheilungen seiner Freunde geschildert

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F.A. Brockhaus, 1855 - 363 pages
 

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Page 259 - Es war ein herrlicher Cirkel, worin ein zerdrücktes Herz wol wieder ein wenig aufathmen konnte: Bunsen mit dem königlichen, herrschenden Geiste, der alle Zweige des Lebens und der Erkenntniß nur als Mittel ansah, um zu einem einzigen großen Ziele zu gelangen, der, für jeden Eindruck zu jeder Zeit empfänglich, mit unbeschreiblicher Kraft auch das Widersprechendste sich zuzueignen wußte, der mit der höchsten, zuweilen schauderhaften Klarheit das tiefste Gemüth verband und bei unaufhörlicher,...
Page 94 - In der vollen Blüte der Jugend, reizend vor vielen ihres Geschlechts, von zarter Sittsamkeit, empfänglich für alles Schöne, geistvoll, von hinreißender Lebendigkeit in ihrem ganzen Wesen, zeichnete sie sich durch ihren feinen Kunstsinn und ihre Talente aus. Im Zeichnen und Malen hatte sie es schon weit gebracht. Mit Fertigkeit und Ausdruck spielte sie das Klavier und die Harfe".
Page 165 - Entsernung als die irdische Liebe neben ihr stehen. Der Ausgang kann natürlich nicht glücklich sein, aber er soll auch das Herz nicht zerreißen. Sanft und wehmüthig soll das ganze Gedicht verhallen wie Schiller's «Ritter Toggenburg» oder «Thekla's Geisterstimme».
Page 131 - Ietzt, da ich zum ersten male liebe, da ich geliebt werde, muß ich aller Hoffnung entsagen. Es ist sehr traurig, mein Freund, wenn man sein Glück langsam und doch rettungslos dahinwelken sieht. Ein so zartes Wesen bringt die Natur gewiß nur selten hervor, und wo soll ich die Seltene sinden? Eine solche Fülle der Phantasie, mit einer solchen geistigen Reinheit und Heiligkeit verbunden, habe ich nie gefunden. Der Arzt sagt, sie hätte ohne Verstand und Gefühl bleiben müssen bis zum zwanzigsten...
Page 164 - Sie das? fragte sie mich; ich bin sest vom Gegentheil überzeugt. Sie schien auf unser Verhältniß damit zu deuten, und ich will jetzt bei mir wahr machen, was sie von sich versprach. Ich will ein Werk dichten, worin Cäciliens Charakter bis in seine kleinsten Feinheiten dargestellt werden soll.
Page 289 - ... ärmlicher Nothbehelf , weshalb uns auch gerade diese Episode, so sorgsam und mit allen Hülfsmitteln literarischer Kunst sie auch ausgeführt ist, doch gänzlich kaltläßt und uns zuletzt fast langweilig wird. [. . .] Ernst Schulze mag wol Recht haben, wenn er gelegentlich in einem Briefe äußerte: »Der Kaufmann von Venedig wird wol immer die einzige poetische Person unter dieser Menschenclasse bleiben, und es gehört auch Shakspeare's Genie dazu, um einen solchen Charakter zu erfinden.
Page 153 - Zukunft vorz'umalen, wie rein fühlte sich mein Herz, da ein so zartes Gefühl es heiligte. Wie soll ich jetzt das Leben tragen, da ich sonst nur mit Mühe die Tage trug, an denen ich sie nicht sah. O, ich will kalt, ich will gefühllos werden; ich will mich in die Grammatik und Kritik...
Page 170 - Octaven nicht schwer gefallen sevn würde. Aber die vollendeten Gesänge durch Umarbeitung in regelmäßige Stanzen umzugießen, schien ihm eine frostige Künstelei. Er behielt also, wenn gleich ungern, die metrische Freiheit bei, die er sich einmal genommen hatte.
Page 28 - Wahlverwandtschaften», dieses viel besprochene, gepriesene und getadelte Product wirst du wahrscheinlich schon gelesen haben; doch vielleicht auch nicht, weil die Weisheit jetzt zu Ungeheuern Preisen verkauft wird. Meine Meinung will ich dir kurz darüber mittheilen. Ich glaube, daß nur Goethe so etwas schreiben konnte, daß aber Goethe auch etwas Besseres hätte schreiben können. Der Stil ist noch reiner als in irgend einem Werke von Goethe, viele...
Page 345 - Welkst du, liebliche Blume, zu zart für die Stürme der Erde, Ach, so früh! dich nahm, der dich uns schenkte. zurück. Doch uns lebt dein heiliges Bild im sehnenden Herzen. Bis wir in Edens Flur himmlisch erblühend dich schau'n.

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