Sagen, märchen, schwänke und gebräuche aus Stadt und Stift Hildesheim

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G. H. Wigand, 1854
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Page 9 - Was hast du mit dem Gelde gemacht?« fuhr ihn der Teufel an. — "Schau Teufel dieses Kreuz« rief der Schuster aufspringend und ihm das silberne Kreuz entgegenhaltend. Da zerschlug der Teufel bitter und böse ein Fach Fenster und fuhr fluchend und stinkend davon. — Der Schuster aber lachte ins Fäustchen, ließ sein Kreuz wieder einschmelzen und war von nun an ein steinreicher Mann.
Page 5 - Jungfer; ich will auch all mein Gut und Leben Gott geloben. Kaum hatte sie dieses Gelübde gethan, als sie in weiter Ferne eine Glocke hörte; die rief ihr zu: Kehre wieder! Kehre wieder! Kehre wieder! Da lief die Jungfer, Gott dankend, den heiligen Tönen entgegen, und je weiter sie vorwärts drang, desto deutlicher hörte sie die Glocke, bis sie aus dem dunkeln Walde kam, und die schönen Felder und Gärten der Stadt zu ihren Füßen lagen. Da war es gerade acht Uhr Abends; doch das Fräulein mochte...
Page iii - Die volkssage will aber mit keuscher hand gelesen und gebrochen sein. wer sie hart angreift, dem wird sie die blätter krümmen und ihren eigensten duft vorenthalten...
Page 41 - Maße immer zu laufen und zu verkaufen, damit es ihr dereinst nicht gehe wie ihm. Darauf verschwand der Mann und die Frau hatte vor Schrecken beinahe den Tod. Am andern Morgen fiel ihr erster Blick auf den Tisch, auf welchen ihr unseliger Mann die Elle geworfen hatte. Aber es war keine Elle zu sehen, statt dessen sah die Kaufmannsfrau eine ellenlange Ritze im Tische, als ob sie hineingebrannt wäre; dieselbe Ritze ging auch unterm...
Page 40 - Dat is de Garen mate. Daran hat ein geiziger Kaufmann Schuld, der einen großen Garnhanhandel hatte und die Leute übervorteilte. Kaufte er den armen Leuten ab, so konnte er das Maß nicht groß genug kriegen; verkaufte er aber, so verkürzte er das richtige Maß. Als...
Page 4 - Hildesheimer Walde halten, der damals noch bis dicht an die Stadt ging. Eines Tages ging das Fräulein wieder in den Wald und suchte die große Linde auf, unter welcher ihr Bräutigam tagtäglich saß und auf sie wartete. Doch der Mensch denkt und Gott lenkt! Sie war noch nicht bei dem Baume angekommen, als es pechrabenschwarz heraufzog, und ein Sturmwetter losbrach, als ob der böse Feind sein Wesen triebe. Als nun die halb zu Tode geängstigte und durchnäßte Jungfer endlich bei dem Baume ankam,...
Page 7 - Mann, du sollst mich doch nicht länger im Schlafe stören ! hob einen Stein auf und warf ihn nach dem häßlichen Vogel. Da flog der Rabe mit lautem Gekrächze davon, und der Mann legte sich wieder zum Schlafen nieder. Kaum aber hatte er ein Auge zugedrückt, da rief es wieder hinter ihm: Hoho, hoho! Der Mann fuhr auf und griff wieder nach einem Stein, aber da war kein Rabe zu sehen; die heißen Sonnenstrahlen schienen so matt durch das von keinem Lüftchen bewegte Laub, und es wurde recht grausig...
Page 5 - Die Glocke selbst aber ward geweiht und in dem St. Lamberti-Kirchthurm aufgehängt. Damit nun die Glocke künftig auch andern verirrten Wanderern recht von Nutzen sein könnte, so machte es die verständige Jungfer fest, daß sie in den kurzen Tagen von Michaelis bis Ostern eine ganze Stunde und zwar abends von Acht bis Neun geläutet werden sollte.
Page 4 - Reichtum der hohen Herrschaften gelockt, sondern verlobte sich heimlich mit einem schönen und braven jungen Ritter, der bei einem der Fürsten, welche die Jungfer gern haben wollten, in Diensten stand. Da hätte es nun dem Ritter schlimm gehen können, wenn der Fürst gemerkt hätte, daß sein Dienstmann der Jungfer lieber war als er. Darum mußten die Liebenden ihre Zusammenkünfte ganz heimlich in dem großen, dunklen Hildesheimer Walde halten, der damals noch bis dicht an die Stadt ging.
Page 67 - Mensch wußte, wie es dahin gekommen war. Nun mußte meine Mutter das Bett wieder zurecht machen, die kluge Frau legte den Jungen wieder hinein, und von der Stunde an war er ganz still und schrie nur noch, wenn er etwas haben wollte. Jetzt wollen wir die Hexe, die dem Kinde den Schlaf nimmt, bald heraus haben, sagte die kluge Frau, ließ von meiner Mutter...

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