Der neue Tanhäuser

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Dümmler, 1871 - 99 pages
 

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Page 18 - Wicderseh' ich nun das Kreuz Meiner alten Kirche ragen, Und gedenke feuchten Blicks: Ach, es ist schon lange Jahre, Dass auch ich, ein gläubig Kind, Dort gebetet am Altare. Jeden Sonntag bin ich dort Meinem Jugendlieb begegnet, Und der gute Priester hat Uns zusammen eingesegnet. Lang ist's her! Ich hab' seitdem Weisheit dieser Welt erworben, Längst in meinem klugen Kopf Ist der liebe Gott gestorben.
Page 18 - Ich hab seitdem Weisheit dieser Welt erworben, Längst in meinem klugen Kopf Ist der liebe Gott gestorben. Wir sind selbst uns Gott genug, Lassen keinen andren gelten, Denn wir sind der Geist des Alls, Denn wir sind das Herz der Welten. In das enge Haus von Stein Wird uns keine Predigt locken, Aber deiner, frommes Lieb, Denk' ich doch beim Klang der Glocken.
Page 13 - Feil hat sie Rettig und Rapunzeln, Das alte Weib, ich seh' ihr zu, Ich sehe unter ihren Runzeln Die Schönheit, sie war schön wie du. Die Alte bläst ins Kohlenbecken, Es sprühn die Funken, und sie lacht: Die kleinen Flammengeister wecken Erinnrung mancher Liebesnacht. Sie seufzt, ihr rotes Aug wird trüber, Es zittern ihre alten Knie — O Klara, gehn wir rasch vorüber, Sonst denk' ich : Du wirst einst wie sie.
Page 3 - Land gefahren. Ich fuhr vorbei am Horselberg Und horte die Floten tonen, Durch den Bergspalt sah ich Frau Venus auch Und die lachenden, tanzenden Schonen. Doch von der Wartburg Wallen blickt' Ein bleicher Monch hernieder, Er murmelte Bibelspriiche, Uralte Sterbelieder.
Page 5 - Das Licht, das selbst Natur sich angezündet In diesem Hirn, sie blies es thöricht aus, Das ew'ge Weltenauge ist erblindet Und modert nun im morschen Bretterhaus...
Page 3 - Ein bleicher Monch hernieder, Er murmelte Bibelspriiche, Uralte Sterbelieder. Es klang ans Ohr mir ernst und mild, Es klang so wild und liistern, Dazwischen keuchte und achzte und schnob Das Dampfross mit eisernen Niistern. Ich starrte den Wolken des Dampfes...
Page v - Der neue Tanhäuser, eine in sich zusammenhängende Reihe von Gedichten, deren ungenannter Verfasser ein großes poetisches Talent besitzt und nicht nur Meister des reinen Verses und des Wohllauts ist, sondern auch durch die Tiefe der Empfindung und Glut des Ausdrucks den Leser ergreift.
Page 12 - Daß Andre dich vor mir besessen, Hab' ich an deiner Brust vergessen, Du sahst mich an so kindlich rein Der Erste glaubt' ich stets zu sein. Und immer, wenn ich wieder kam, Umhüllte dich so süße Scham, Daß ich nicht wußte, keusches Weib, War wirklich mein schon dieser Leib? So wie der Mai stets wieder mailich Warst du von neuem stets jungsräulich, Und eine bange Brautnachtsreude Entzückte täglich so uns Beide.
Page 5 - Ein schwarzer Marmor! Schnee und Regenschauer Verlöschten fast der Lettern goldnen Glanz, Den stolzen Namen : Arthur Schopenhauer— Zu Häupten lag ein welker Lorbeerkranz.
Page 68 - Jjie glocken dröhnen so dumpf vom"dome, es leuchten die lichter durch weihraucharome tieftraurig, es summen die trauergebete —• dicht nebenan klingt geig und trompete. Sie spielen auf zu üppigen tänzen, lustbunte lampen locken und glänzen —• neben das heilige haus des herrn baut häuser die teufelin Venus sich gern. Unsterbliche lust ihr im auge glänzt, ihr mund den becher des lebens kredenzt — im gotteshaus hängt gottes sohn, der tod mit blutiger dornenkron.

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