Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert: Bd.] Nachtrag, enthaltend die Töne und das alpha-betische Verzeichniss

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Rochus Freiherr von Liliencron
F. C. W. Vogel, 1869 - Ballads, German
 

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Page 9 - Wie denn überhaupt aller Volksgesang bis zu einem gewissen Grade immer nur ein Reflex der Kunstmusik seiner oder einer früheren Zeit ist. Aus sich selbst heraus schafft sich der , Volksgeist' ebensowenig eine eigene Kunst der Musik, wie er sich seine eigene Kunst der Malerei oder Skulptur schafft.
Page 1 - Jährt), sind dagegen Wort und Weise nur zwei von einander untrennbare Seiten desselben Kunstwertes, die erst gemeinsam mit einander ein Lied bilden. Lieder zum bloßen Lesen gab es noch nicht, und lein Dichter ließ ein Lied ausgehen, ohne daß er ihm entweder in einer neuen oder einer von einem älteren Liede entlehnten Melodie auch die Form seines Lebens und Wirkens mit auf den Weg gab.
Page 90 - Was wollen wir singen und heben an? das best das wir gelernet han, ein newes lied zu singen; wir singen von einem edelman, der heißt Schmid von der Linden.
Page 9 - Lied wart vor Kaiser und Königen wie beim ländlichen Tanz, dasselbe von und vor Fürst und Oberst wie von und vor dem letzten Landsknecht, dasselbe von den kunstreichsten Meistern des Satzes oder des Spieles wie vom Burschen in der Schenke, ja endlich dasselbe in den geweihten Räumen der Kirche wie auf dem Markt gesungen, Derselbe Styl, dieselbe Kunstregel beherrscht das Ganze.
Page 1 - Liliencron) und dass der Dichter es dem Zufalle überlässt, ob sein Lied auch eine Melodie und welche Melodie es erhalte, greift in Deutschland nicht vor der Opitzischen Zeit um sich. Bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts sind dagegen Wort und Weise nur zwei von einander untrennbare Seiten desselben Kunstwerkes, die erst gemeinsam miteinander ein Lied bilden. Lieder zum blossen Lesen gab es nicht, und kein Dichter liess ein Lied ausgehen, ohne dass er ihm entweder in...
Page 9 - Gegensah dieser Art fassen. Die Kunst, welche in Kirche und Schule gelehrt und geübt ward, war dieselbe, bei der auch die fahrenden Sänger und Spieler, die Minne- und Meistersänger in die Schule gingen: es war dieselbe Kunst, die sich auf hundert Wegen unter allem Volk verbreitete und die auch der rein voltsmätzigen Musit ihre Regeln gab und ihre Bahnen vorzeichnete.
Page 9 - Aus sich selbst heraus schafft sich der ,Volksgeist' ebensowenig eine eigene Kunst der Musik, wie er sich seine eigene Kunst der Malerei oder Skulptur schafft. Wohl aber spricht sich in den Formen der anderswo erwachsenen Kunst, indem er sie vor allem gern der schulmäßigen Künstlichkeit entkleidet, seine eigene Art zu denken und zu empfinden aus.
Page 10 - Instrumentalmusik als Stoff, den Virtuosen als Unterlage ihrer Kunst und Kunststücke; es war aber auch hoch und edel genug, um die Kirche mit einem neuen und herrlichen Gemeinbegesang auszustatten.
Page 9 - Vollsnielodicn zeigen auch ihrerseits genau die gleiche Natur, ruhen, was Tonalität und Rhythmus betrifft, genau auf denselben Grundlagen, wie die Musik der Schule. Ein Kunstlied im heutigen...
Page 1 - Vortheil, denn durch die Beziehung auf das ältere Lied vermochten sie gleich mit der ersten Zeile ihres neuen Liedes gewisse bestimmt gerichtete Empfindungen im Hörer anklingen zu lassen. Das Ver» hältniß des neuen zum älteren Liede kann dabei ebensowohl in einer Aehnlichtcit als etwa in einem witzigen Gegensatz bestehen.

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