Gnōthi sauton: oder, Magazin zur Erfahrungsseelenkunde als ein Lesebuch für Gelehrte und Ungelehrte, Volume 4

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Popular passages

Page 23 - Andern etwas zur Arbeit gehöriges, wie gewöhnlich, gelassen in Erinnerung bringen und sagen wollte, fand ich mich unfähig, meine Gedanken durch die gehörige Zusammenfügung der Worte, nach der wahren Folge, ordentlich vorzubringen: vielmehr kam das hinterste Wort bald vorne, das mittelste bald hinten, das vorderste bald in die Mitte, und auch umgekehrt. Es war eine solche unordentliche Mischung dieser Worte, dass keiner meiner Leute, die es zwar hörten, dass ich laut sprach, weder etwas davon...
Page 96 - Dasein eines dritten Wesens denken, das wir nicht wie uns selber, oder wie eine Person, zu der wir reden, wirklich anschauend erkennen, sondern es uns nur in unsrem Ideenkreise vorstellen.
Page 17 - Indem wir aber unsre Ideen ordnen, so sollen wir den rechten Gesichtspunkt selbst erst finden - wir nehmen auf gut Glück einen an, und beschreiben aus demselben einen Zirkel - eine große Anzahl unsrer Ideen will sich nicht hineinfügen und fällt außer diesem Zirkel - wir sehen zwar einige Ordnung und Beziehung in unsern Gedanken - aber alles will sich nicht in diese Ordnung hineinziehen lassen - wir wählen daher einen ändern Gesichtspunkt, und kommen endlich durch mehrere mißlungne Versuche...
Page 1 - Es scheinet, als ob die Krankheiten der Seele schon an und für sich selbst, so wie alles Fürchterliche und Grauenvolle, am meisten die Aufmerksamkeit erregen, und sogar bei dem Schauder, den sie oft erwecken, ein gewisses geheimes Vergnügen mit einfließen lassen, das in dem Wunsche, heftig erschüttert zu werden, seinen Grund hat.
Page 7 - Die vorstellende Kraft des Wollüstigen ist zu sehr auf seinen Körper als Materie geheftet. Man lehre ihn unablässig den wunderbaren Bau und Zusammensetzung desselben,' wodurch er zu Bewegung und Eindruck fähig wird, und die Einbildungskraft des Wollüstigen wird, wenn sie nicht in hohem Grade verderbt ist, gereinigt werden.
Page 18 - Wir müssen auf die Weise selbst die Wahrheit gewissermaßen nur zufälliger Weise finden — und darin besteht das Wesen, die ewige Tendenz^ unsrer Denkkraft — den ganzen Umfang unsrer Ideen auf irgend einen Mittelpunkt zu beziehen, worin sie alle wie die Radien eines Zir20 kels sich vereinigen — diesen Mittelpunkt ausfündig zu machen, dahin ist das Streben aller denkenden Köpfe in jedem Zeitalter gegangen.
Page 19 - Mannigfaltigen einen Gegenstand herausheben, den sie zum Mittelpunkt der übrigen macht - aber sie kann sich diesen Gegenstand selber wählen - sie kann jedes Einzelne in irgendeinem Ganzen mit der Würde des Zwecks bekleiden, und dem Ganzen Beziehung darauf geben.
Page 3 - Das eigentliche Glück unsres Lebens aber hängt doch wohl davon ab, daß wir so wenig, wie möglich, neidisch, habsüchtig, eitel, träge, wollüstig, rachsüchtig usw sind; denn alles dieß sind ja Krankheiten der Seele, die uns oft mehr, wie irgend eine körperliche Krankheit, die Tage unsres Lebens verbittern...
Page 16 - ... Der Ausdruck, den er dabei verwendet, benennt einen seiner Lieblingsbegriffe, welchen er auch sonst bei vielen Gelegenheiten anzuführen nicht müde wird. Im zweiten Stück des Jahrgangs 1786 seines „Magazins zur Erfahrungsseelenkunde" hat er ihm eine eingehende Erklärung gewidmet. Dort heißt es: „Gesichtspunkt ist ein Ausdruck, dessen man sich oft bedient, ohne recht aufmerksam auf den Begriff zu seyn, welchen er bezeichnet, und welcher vielleicht einer unserer schwersten Begriffe ist.
Page 19 - Wetteifer unter allen den verschiednen denkenden Kraften auf Erden entstehen - indem immer einer noch einen bessern Gesichtspunkt als der andre findet, woraus er die Dinge betrachtet, und man auf die Weise dem eigentlichen Mittelpunkte, oder dem eigentlichen Ziel alles menschlichen Denkens immer naher kommt, ohne es vielleicht je ganz zu erreichen.

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