Geschichte der antiken Naturwissenschaft und Philosophie, Volume 5, Issue 1

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Popular passages

Page 135 - ... oft gefährliche Begierde nach dem Neuen, seine Begabung zu schöpferischer Gestaltung. Hier ist es denn zuerst dahin gekommen, daß reife Männer die Selbständigkeit ihres Urteils nicht nur den im engeren Sinne praktischen, sondern auch theoretischen Fragen1 zuwandten und sich über Welt und Leben nicht mehr nach dem mythologischen Schema, sondern durch eigne Überlegung und Betrachtung eine Vorstellung bildeten. Gleichwohl wachsen diese neuen Bestrebungen, die zur Wissenschaft führen, aus...
Page 249 - Philosophus" geblieben. Geworden aber ist er dazu nicht als einsamer Denker, sondern als Haupt seiner Schule. Der hervorstechendste Zug in seiner intellektuellen Persönlichkeit ist die organisatorische Souveränität, mit der er den Stoff verteilte, die Probleme sonderte und formulierte, die gesamte wissenschaftliche Arbeit ordnete und gliederte. Diese Methodisierung der wissenschaftlichen Thätigkeit ist seine grösste Leistung.
Page 116 - Denkens bis in ihre letzten Konsequenzen nachgehen, ist in hervorragender Weise dazu geeignet, die sachliche und psychologische Notwendigkeit klarzulegen, mit welcher nicht nur die philosophischen Probleme, sondern auch die sich in der Geschichte stetig wiederholenden Richtungen ihrer Lösungsversuche entspringen. Auch dem allgemeinen Entwicklungsgange der antiken Philosophie darf man eine typische Bedeutung insofern zuschreiben, als dieselbe die stets sich wiederholende Tragödie des nach absolutem...
Page 135 - Vorstellungskreise hervor; und damit erweist sich auch die Wissenschaft als eines der Organe, welche aus dem ursprünglich religiösen Gesamtleben der menschlichen Gesellschaft heraus differenziert worden sind. Die beginnende Wissenschaft behandelt dieselben Probleme wie die mythologische Phantasie: der Unterschied zwischen beiden liegt nicht im Gegenstande, sondern in der Form der Fragestellung und der Art der Lösung. Die Wissenschaft beginnt da, wo an die Stelle historischer Neugier ein begriffliches...
Page 320 - Wesen hinaus (entxeiva rfjs ovai'ag) der ewige Urheber aller Dinge, in seiner ganzen Fülle aber von keiner Kreatur erkennbar ist. Sein wesentliches Merkmal ist die absolute Kausalität seines Willens: er ist nicht ohne zu schaffen, und seine schöpferische Thätigkeit ist deshalb ebenso ewig, wie er selbst. Seiner eignen Unveränderlichkeit halber jedoch, kann sich diese Erzeugung nicht direkt auf die wechselnden Einzeldinge beziehen, sondern nur auf die ewige Offenbarung seines eigenen Wesens,...
Page 322 - Gegensatz zum Christentum — zu einer systematischen Theologie des Polytheismus; er zieht sich endlich, nachdem er damit gescheitert ist, auf eine scholastische Rekapitulation der gesamten griechischen Philosophie zurück. Man bezeichnet diese Phasen als die alexandrinische, die syrische und die atheniensische Schule und knüpft sie an die drei Hauptvertreter Plotinos, Jamblichos und Proklos.
Page 238 - Guten gebracht wird. ]n dieser restlosen Unterstellung des gesamten individuellen Lebens unter den Zweck des Ganzen besteht der spezifische Charakter der platonischen Ethik und zugleich ihre weit über die griechische Wirklichkeit hinausgreifende Tendenz. Der beginnenden Auflösung der hellenischen Kultur hält der Philosoph ein Idealbild staatlicher Gemeinsamkeit entgegen, das niemals wirklich gewesen war und das erst wirklich werden konnte, als der platonische Gedanke, dass alles Erdenleben Sinn...
Page 298 - Die Mangelhaftigkeit der wissenschaftlichen Vorbildung Epikurs zeigt sich in der Unsicherheit seiner Ausdrucksweise und an der geringen Schärfe seiner Beweisführung; sie kommt aber auch in seiner Missachtung aller rein theoretischen Beschäftigungen zu Tage. Er hat kein Verständnis für wissenschaftliche Untersuchungen, welche keinen Nutzen abwerfen: Mathematik, Geschichte, spezielle Naturforschung sind ihm verschlossen. Die Lustlehre, welche er Ethik nennt, absorbiert eigentlich seine ganze Philosophie:...