Deutsches Leben im 12. Jahrhundert: kulturhistorische Erläuterungen zum Nibelungenlied und zur Kudrun

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G.J. Göschen, 1899 - History - 177 pages
 

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Page 120 - echter Not" zu verkaufen oder zu töten.*) Er war der Muntwalt der Frau, der sie in allen .Rechtssachen zu vertreten hatte. Nur durch die Schlüsselgewalt unterscheidet sie sich von den Mägden. Die Raub ehe ward aber dann durch die Vertragsehe ersetzt, die das ganze Mittelalter hindurch in ihren wesentlichsten Formen bestehen blieb. Wie in heidnischer, so ist die Ehe auch in christlicher Zeit durchaus ein Geschäft zwischen dem Bräutigam und den Verwandten der Braut, wobei letztere vielfach gar...
Page 15 - II, 2 p. 110), (marc, mark) wurde ursprünglich nicht künstlich vermessen ; gewöhnlich bildet ein natürliches Verkehrshindernis, eine Wildnis oder ein Wald, eine neutrale Zone zwischen den Ländern. Erst gegen das 13. Jahrhundert werden bestimmte Schneiden festgelegt ; ein Baum mit eingeschnittener Kerbe, ein Holz- oder Steinkreuz oder Steinhaufen bezeichnen die festen Punkte der Grenzlinie, wenn diese nicht fortlaufende Gräber oder Pfade kenntlich machten".
Page 10 - Chevaliers as deus Espees, hg. von WENDELIN FOERSTER, Halle 1877, S. 134; vgl. dazu ALWIN SCHULTZ, Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger, 2.
Page 114 - Mutterbruder (öheim), der Neffe (neve), die Nichte (niftel). Die Sippe, als älteste Stamm- und Kultgenossenschaft, war auch der älteste Friedens- und Schutzverband. Dem ältesten, männlichen Sippegenossen war die Verfolgung des Totschlägers eines Gesippen zur heiligsten Pflicht gemacht, zu deren Erfüllung die anderen ihm Beistand zu leisten hatten (Blutrache). Unter dem Schutze der Sippe standen alle unwehrhaften Glieder, Kinder wie Frauen; dem ältesten Schwertmagen lag die Pflicht der Vormundschaft...
Page 147 - ... Zeit des Frühmahles nicht bestimmen; sie fällt in den Zeitraum von der frühesten Morgenstunde bis 9, ja 12 Uhr. Im Felde bestand das Frühmahl aus Brot und Wein, im Hause aus tüchtigen Fleischspeisen oder Vögeln und oft Glühwein. Zwischen die beiden Mahlzeiten ward manchmal ein kleiner Imbiss (antecenia) eingeschoben, der ungefähr zur Mittagszeit aufgetragen ward. Die Hauptmahlzeit ward gegen Abend (ungefähr 6 Uhr) eingenommen.*) Gemeinschaftliche Bezeichnung für beide Mahlzeiten ist...
Page 59 - ... häufig unterirdische Gänge und Räume, die zum Versteck dienten und geheime Ausgänge besassen. Der Zugang zu ihnen lag entweder im Berchfrit oder in den Seitenwänden des Brunnenschachtes. *) § 27. Die Tief- oder Wasserburg. Sie liegen meist auf einer Insel, z. B. die Nibelungenburg (N. 485). Oft hat man einen halbinselartigen Vorsprung des Ufers oder der Küste zur Anlage benützt, indem man die etwa vorhandene Landenge durchstach. Die in der Ebene liegenden, oft auf einem künstlichen Hügel...
Page 76 - Hefner-AIteneck). deten, bis zum Rande, der von einem eisernen oder vergoldeten Bande (rant) umschlossen war. Diese Verstärkung ist so wichtig, dass die Dichter statt schilt vielfach nur rant oder schildes rant sagen. Dieser Rand ist wie Buckel und Spangen oft kostbar verziert und mit Edelsteinen besetzt. Der von ihnen ausstrahlende Glanz wird louc (Flamme; verwandt mit Lohe) genannt (K. 617). Als die Schilde kleiner und buckellos wurden, brachte man auf ihnen Bilder an; auf dem Schilde, den Siegfried...
Page 82 - Ende und presste sie unter dem Arme an den Körper. Der tellerförmige Ansatz zum Schutze der Hand findet sich erst im Ver. lauf des 13. Jahrhunderts. Man trug die Spitze nicht immer auf dem Schafte; nur im Ernstkampfe ward sie darauf befestigt. Die Turnierlanze hatte anstatt der Eisenspitze eine Eisenscheibe, die ein wenig ausgezackt war und daher krcenlin hiess (in den Epen nicht erwähnt).

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