Das Geschichtswerk des Thukydides

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F. Cohen, 1919 - Greece - 364 pages
 

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Page 92 - ... Zahl der attischen Monate richtig ist und ob ihre Angabe 'die Symmetrie' stört, nur verwirrt und von der Hauptfrage ablenkt. Die Hauptsache ist die Gesamtformulierung. Da sagt nun ein so scharfer und feiner Interpret wie Schwartz1) 'die Datierung sei gestellt 1) auf den dreißigjährigen Frieden, 2) das Jahr der argivischen Herapriesterin, 3) den spartanischen Ephoren, 4) den attischen Archonten. Ich brauche das so wenig zu widerlegen wie ich (unter Hinweis auf antike Datierungsmöglichkeiten)...
Page 94 - formell unvollkommenen und sachlich irreführenden Verzahnung der flotei' dsuTix« mit den KoQxvQaixa : 'zunächst ist die Zeitangabe 56, l : 57, l >sofort danach« oder >sofort nach der Seeschlacht bei Korkyra« nicht an einen eindeutig bestimmten Punkt, sondern etwas unklar an >die folgenden Zwistigkeiten der Athener mit den Peloponnesiern<, bei der Wiederholung an >die von Athen gegen Potidaea getroffenen Maßregeln« geknüpft usf.'. Gerade weil Schwartz nicht nur ein scharfsinniger, sondern...
Page 12 - Ganze zusammengehalten durch einen äufserst dürftigen Kitt. Wenn sich nun herausstellt, dafs sich in jenem Kitte, der die einzelnen Teile verbindet, eine falsche Zeitrechnung findet, wahrlich, dann freue ich mich für Thukydides, dafs objektive Kriterien den Beweis für das ermöglichen, was als subjektiven Glauben mir wenigstens schon seit zehn Jahren das künstlerische Empfinden eingegeben hatte.
Page 105 - Sie sticht zunächst dadurch hervor, daß sie von Thukydides so ausdrücklich wie es nur irgend möglich war, als Fiktion eingeführt wird". « ZBH Kaletsch, Historia VII 1958, 5 Anm. •• Ed. Meyer, Forschungen zur alten Geschichte II, Halle 1899, 475 f. «' V. Floigl, Cyrus und Herodot, Lpz. 1881, 44 f. EF Weidner, Die Könige von Assyrien, Lpz. 1921, 6. 21. 38. 39,4. 57 f.
Page 7 - ... musste neu aufgenommen und fruchtbar gemacht, durfte aber nicht gänzlich preisgegeben oder durch den Einfall ersetzt werden, dass Thukydides ja wohl schon früh den Plan gefasst haben könne, auch den sizilischen und dekeleischen Krieg zu erzählen, aber in einem besonderen Werke. Für Thukydides war die Geschichte des Krieges den er erlebte, spätestens nach seiner Verbannung der Inhalt seines Lebens geworden, den er so wenig teilen konnte wie sein Leben selbst.
Page 10 - Schlüsse will ich, um ganz ehrlich zu sein, nicht unterlassen ausdrücklich anzuerkennen, dass die Auffassung des Sachverhaltes, welche im Vorstehenden zu begründen versucht worden ist, allerdings vortrefflich zu derjenigen Vorstellung von der Entstehung der überlieferten Fassung des ersten Teiles des Thukydideischen Geschichtswerkes stimmt, welche ich für die richtige halte und nach welcher dieser Teil (bis 5, 20 einschliesslich) geraume Zeit vor dem Ende des Krieges entworfen worden ist, nach...
Page 150 - ... die Katastrophe erst recht das Oberwasser erhalten haben. Dem greisen Geschichtschreiber, dem auch bei und nach der Heimkehr das Athen immer noch vor Augen stand, das er vor 20 Jahren verlassen hatte, erschien dies Treiben eines völlig veränderten Geschlechts wie ein mutloser Verrat an den grossen Zeiten, die er selbst noch gesehen und erlebt hatte. Aus dieser bitteren Stimmung heraus hielt er einer trüben und dunklen Gegenwart ein Bild der attischen Demokratie vor, wie es ihm jetzt, am lichten...
Page 250 - Ursache, die als die wirkliche angeführt werden muss, und für die sie das Wort gebraucht, mit dem die ionische Physik und Medizin den wissenschaftlichen Kausalitätsbegriff ausdrückt, und den Rechtsgründen, die bei den Verhandlungen von den Parteien, im letzten Stadium nur noch zum Schein, vorgebracht werden.
Page 3 - Prooimion 6 des ersten Buches, und schreibt dieses, die beiden folgenden und auch noch die erste Hälfte des vierten, ehe er den späteren Krieg kennen konnte. Den in seiner Darstellung bedächtig fortrückenden Geschichtschreiber überholte der Gang der Dinge.
Page 170 - Ganzen gebracht wird; es bleibt eine missglückte Anmerkung, deren — wahrscheinlich polemische — Veranlassung nicht mehr zu erraten ist. l) So weit man aber auch die Bewunderung treiben mag, sie darf sich nicht dazu versteigen, in dem Thukydides der Archaeologie einen Vorläufer der modernen historischen Kritik zu sehen. Er untersucht nirgendwo die Überlieferung auf ihre Entstehung und die Bedingungen ihres Werdens, sondern nimmt sie als etwas Gegebenes und misst sie an rational konstruierten...

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