Wilhelm Meisters Wanderjahre: Wilhelm Meisters Wanderjahre

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Basse, 1823
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Page 36 - Freund, seine Priesterin, sein Diener dem Stande wie der Zeit nach so rein charakterlos, daß ich nicht wüßte, was uns im Lesen stören sollte, wenn wir mit den bloß außerwesentlichen Veränderungen alle Personen umtauften, und die Scene in die neueste Zeit, etwa nach Weimar, setzten. Nicht zufrieden aber, in dieser Charakterlosigkeit die...
Page 36 - ... Veränderungen alle Personen umtauften, und die Scene in die neueste Zeit, etwa nach Weimar, setzten. Nicht zufrieden aber, in dieser Charakterlosigkeit die neudeutsche Untreue zu repräsentiren, ist er es auch vornämlich, der das alte, deutsche Familienheiligthum mit seinen Gelübden zu profaniren sucht. Fast alle seine Werke sind darauf angelegt, den Werth der Jungfräulichkeit und der Ehe seinen Lesern zweifelhaft zu machen. Wo er nur kann, sucht er die Unmöglichkeit, den ehelichen Schwur...
Page 34 - Göthen eben beschuldige ich mehr als alle Andere, daß er das eigentlich deutsche Wesen verkennt, daß er nur Repräsentant der schlechten, formlosen zügellosen neuern Zeit, nicht aber des deutschen ursprünglichen Sinnes sey. Was Treue sey, das hat er nie begriffen; selbst sein Götz bricht das ritterliche Wort, und alle seine Helden haben weder äußerlich noch innerlich etwas, das sie mit germanischer Treue heilig fest hielten. Wer von ihnen gesagt hat, daß irgend einer von allen Charakter...
Page 35 - ... keinen; denn er verwechselt die kenntliche Abzeichnung eines haltlosen Gemüthes mit seinem innern, festen Kern. Und nicht bloß den Personen, nein es fehlt auch allen Ständen in seinen Schriften an der durch das Gelübde bezeichneten Grundform. Nur das treu- und ehrlose Zwitterleben, das die Ungebundenheit führt, versteht er mit lebendigen Farben zu malen; das ist der Reiz, der seine ersten Werke, den Götz...
Page 35 - ... auch allen Ständen in seinen Schriften an der durch das Gelübde bezeichneten Grundform. Nur das treu- und ehrlose Zwitterleben, das die Ungebundenheit führt, versteht er mit lebendigen Farben zu malen; das ist der Reiz, der seine ersten Werke, den Götz und Werther, wie seine letzten, seine Schauspiele wie seine Lieder, seine Biographie, wie seine Romane dem Kitzel der Entarteten so wunderbar macht.
Page 55 - Heloise scheint dazu den, Anstoß gegeben zu haben, Wieland war einer seiner ersten Nachfolger; doch zeigt er wenigstens noch eine ironische Mißbilligung. Göthe aber hat es übernommen, die Sache der römischen Liebe gegen die deutsche, der 56 . Herzenßschwäche gegen die Treue als ein geschickter Anwalt
Page 37 - Personen fleißiger bearbeitet, keine mehr zu empfehlen gefucht, als eben die Mädchen, die das innere Gelübde der vollsten Jungfräulichkeit, und die Frauen, die »^ das Heiligthum der Ehe nicht kennen. Gerade die Ottilien sind es, die er kanonisirt, gerade die Klärchen, welche die Glorie umgibt, gerade die Bajaderen, welche der Gott zu sich emporhebt.
Page 251 - Handle so, daß die Marime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne! oder: Handle so, als ob die Marime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte! Man mag de...
Page 260 - Aber er war für jetzt zufrieden, die Unabhängigkeit der Kunst erkannt zu haben und betrachtete es als eine wichtige Lehre, die er sich tief einprägte, daß die Poesie der Moral weder entgegen arbeiten, noch sich unterordnen müsse.
Page 35 - Treue sey, das hat er nie begriffen; selbst sein Götz bricht das ritterliche Wort, und alle seine Helden haben weder äußerlich noch innerlich etwas, das sie mit germanischer Treue heilig fest hielten. Wer von ihnen gesagt hat, daß irgend einer von allen Charakter habe, der hat zuverlässig selbst keinen; denn er verwechselt die kenntliche Abzeichnung eines haltlosen Gemüthes mit seinem innern, festen Kern, tlnd nicht bloß den Personen, nein es fehlt auch allen Ständen in seinen Schriften an...

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