Gnothi sauton: oder, Magazin zur Erfahrungsseelenkunde als ein Lesebuch für Gelehrte und Ungelehrte, Volume 5

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Popular passages

Page 107 - Abriß von meinem miserablen und Jammer-vollen Leben zu machen, so findest du hier ein Exempel eines Menschen, bei dem Gottes gewöhnliches und großes Haupt-Werk vom zwölften Jahre an bis ins Alter, und schier bis diese Stunde gewesen, ihn zu töten, und wieder lebendig zu machen: ihn in die Hölle, und wieder heraus zu führen [1.
Page 108 - Moosflecke saß gerade auf der vierten Ziffer der Jahreszahl. Meine Neugierde, so ängstlich sie mich auch machte, trieb mich an, vollends zu größerer Gewißheit zu gelangen; ich wollte das Moos wegkratzen — aber in diesem Augenblick...
Page 59 - ... vor. Wenn wir erst mit den feinsten Graden der Blutbewegung, die zum Anstoß einer Leidenschaft erforderlich ist, mit den innern Eigenschaften der Nerveneindrücke und dem Zusammenhange materieller Ideen mit gewissen Gemüthsbewegungen, und überhaupt mit dem physiologischen Theile der Leidenschaften bekannter seyn werden, dann werden wir das Spiel derselben und die ganze Theorie ihres Würkens wie eine Aufgabe der Experimentalphysik berechnen können, wenn uns auch dabey immer noch der Uebergang...
Page 107 - Oder die Sache noch mit mehrern Worten auszudrücken, so liesest du das Leben eines Mannes, der wegen der schrecklichen Verderbnisse, so in seiner Seelen zu finden gewesen, und gegen welche er sich nicht eifrig genug gesetzet, noch männlich genug wider solche gestritten, sich durch eigene Schuld und Saumseligkeit, und Mangel der geistlichen Wachsamkeit bald sich selbst, so zu reden, getötet, bald aber durch Gottes große und unaussprechliche...
Page 48 - Philosophie verschaffen könne. - 3) Die jetzige, allgemein werdende, ausschweifende, nervenschwächende, empfindelnde Lebensart, der ungeheure Luxus, die damit verbundene fehlerhafte frühe Erziehung und Verzärtelung unsrer Generation haben einen sichtbaren Einfluß in den Hang zur Schwärmerey und Mystik. Der zu sehr sinnlich gewordene Mensch, der keine Kraft zum Denken mehr übrig hat, der gern seine Phantasie in sanften Gefühlen wiegt, und der jede Selbstuntersuchung fliehet, weil sie ihm lästig...
Page 46 - Tagen sehr aufgehört. Unsere jungen Leute treiben nicht viel Reelles mehr, und verschwenden jetzt einen großen Theil der Zeit, welcher zu richtiger Ausbildung ihres Verstandes angewandt werden sollte, mit Lesung matter, empfindsam geschriebener Romane, die den Geist erschlaffen, und ihren Empfindungen eine schiefe, idealische Richtung geben.
Page 111 - Qual und Marter worden. Nahm ich mir etwan was zu thun vor, mit dem Vorsatz, vor Abends oder in zwey Stunden damit fertig zu werden, so fiel mir, wie ein Pfeil so schnell und wider meinen Willen ein: Und wenn ich nicht fertig werde, solle mich der Teufel holen.
Page 107 - Seelen zu finden gewesen, und gegen welche er sich nicht eifrig genug gesetzet, noch männlich genug wider solche gestritten, sich durch eigene Schuld und Saumseligkeit, und Mangel der geistlichen Wachsamkeit bald sich selbst, so zu reden, getötet, bald aber durch Gottes große und unaussprechliche Gnade wieder lebendig gemacht: sich bald in die Hölle schwerer Anfechtungen selbst hineingeführet, bald durch Gottes Erbarmen wieder heraus geführet worden...
Page 122 - Ich kunte nicht leicht ein Messer sehen, ohne dafür zu erschrecken; und wenn ich aß, so mußte ich es mit ganzer Gewalt feste halten, damit ich nicht schnelle zuführe; oder wenn die Speise zerschnitten, solche mit der Hand fassen, und in den Mund stecken. Die Feder, mit der ich schrieb, das Federmesser, womit ich die Feder besserte, die Tabaks-Pfeife, die ich in den Mund nahm, die Licht-Schere, womit ich das Licht schneuzete, den Degen den ich ansteckte, die Turm-Spitze, die ich sahe, ja den Finger,...
Page 108 - Manuskripts ausdrücklich angegeben). Es übersiel mich eine unbeschreibliche Angst, und ich sing am ganzen Leibe zu zittern und zu beben an. Nur das Jahr meines Todes war mir nicht deutlich genug, der Leichenstein war hier und da mit Moos bedeckt, und einer dieser...

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