Das Buch, das wir sind: zur Poetik der "Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm"

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Königshausen & Neumann, 2004 - 375 Seiten
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Märchen sind Kindheitserinnerungen. Das waren sie nicht immer. Besonders die Arbeit der Brüder Grimm hat sie als Erinnerungen aus der Kindheit des Menschen lesbar gemacht. Die Märchen-Forschung hat die poetischen Ausarbeitungen der Brüder Grimm rekonstruiert. Kritisch wurde hierbei meist auf ein "unversehrtes" Märchen referiert und damit als Axiom wiederholt, was erst Effekt der "Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm" (KHM) ist. Erst die spezifische poetico-philologische Gestaltung des Märchenbuches lässt die "inferiore Gattung" zum anthropologischen Zeugnis, die Märchenphilologie zur unendlichen Suche nach einer "Urgestalt" werden. Jenseits der KHM gibt es keine "wahren" Märchen. Grimms Märchen sind Manifestation einer "vollen" romantischen Literatur (Blanchot). Ihr hervorstechend-ster Zug ist, wie schon Nietzsche bemerkte, ihre Selbstreferenzialität. Sie erzählen ihre eigene Verfallsgeschichte und sind im Sinne Foucaults eine Literatur, die zugleich Infragestellung und Zwillingsgestalt ihrer Philologie ist. Ihre poetische Fülle übersteigt die angestrebten positiven und wissenschaftlichen Effekte und öffnet damit die Anthologie als poetisches Großprojekt zur literarischen Moderne. Die vorliegende, dezidiert literaturwissenschaftliche Untersuchung ist auf die Poetik der Märchen-Sammlung konzentriert. Mit dekonstruktiv-distanziertem Blick werden Eigenschaften des Buches sichtbar gemacht, die von der bisherigen Forschung übersehen werden mussten. Behutsam verfolgt eine systematische Lektüre einzelne Fäden, unterschiedliche Referenzen und symbolische Aufladungen. Erstmals wird hier eine analytische Beschreibung der konstruktiven und strukturellen Bedeutung des Kontextes "romantische Literatur" für die KHM vorgelegt.
 

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Inhalt

Rahmenbildung
13
Methode
22
Die Beiträgerin
29
geistige Schriftsprache
43
Dorothea Viehmann
50
Figuren des Märchens
62
Die Vorreden
72
Bild und Rahmen
82
Sammlung
210
Wechselwirkungen
214
Der gescheidte Hans
217
Bewegung
219
Umgebung
227
Geschlecht
229
Die drei Feldscherer
236
Endreime
240

Rahmenbedingung
93
Lo cunto de Ii cunti overo
99
Bedrohung
106
Macht
112
Konstruktionen
125
Der süße Brei
158
Speise
159
Zur weisen Frau
161
Sprachgeschichte
163
Armes Kind
168
Zauberlehrling
176
In der Stadt
179
Roman Sammlung
185
Roman
186
Die innere Quelle
189
Geschichte
193
Poesie
196
Überfluss
199
Sprachwachstum
201
Schlegel vs Grimm
205
Wundermittel
244
Unheimliches
246
Recht
250
Verwendungen
254
Verbindungen
258
Eigendynamik
265
Wir
267
Wirkung
272
Ersatz
273
Krieg
275
leibliche gestalt der sprache
282
Werkzeug Sprache
285
Sprachkörper
291
Fuge
298
Der goldene Schlüssel
326
Aufräumen
334
Warten
343
Figur
349
Andere Schriften
356
Urheberrecht

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