Deutsche Weisen

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Page 96 - ... hinter mir im Morgendämmer sich das Gemäuer der Stadt verlor, und selbst das Pochen der Eisenhämmer traf nur gedämpft noch an mein Ohr. Doch dehnte sich immer weiter und weiter vor meinen Blicken der sonnige Gau, und jauchzend auf tönender Himmelsleiter schwang sich die Lerche ins Ätherblau.
Page 41 - Jüngst sah ich den Wind, Das himmlische Kind, Als ich träumend im Walde gelegen, Und hinter ihm schritt Mit trippelndem Tritt Sein Bruder, der Sommerregen. In den Wipfeln da ging's Nach rechts und nach links, Als wiegte der Wind sich im Bettchen; Und sein Brüderchen sang: Di Binke di Bank Und schlüpfte von Blättchen zu Blättchen.
Page 91 - Dann mußt ich ihr auf tausend liebe Fragen Berichten von den fernen Schweizerhöhn, Wie silberkuppig dort die Gletscher ragen Und die Lawine löst der grause Föhn; Und wie ich südwärts dann hinabgezogen In's schöne Land, wo die Orange glänzt, Und wo die Adria mit ihren Wogen Venedigs schimmernde Paläste kränzt. Der deutsche Wein lieh meinen Worten Flügel, Mein Auge glühte, meine Rede floß Und leicht getragen ohne Zaum und Zügel Sprang sie dahin wie ein beschwingtes Roß. „Und doch...
Page 92 - Ziel oon dieser trauten Stätte, Die Liebe mir geboten, Trank und Schmaus, Und dennoch war's, als schlöss mich eine Kette An dieses waldesstille Försterhaus. Stumm sann ich nach. — Ich wußte nichts zu sagen, Stand auf vom Tisch und von dem lieben Mahl, 'Als mich, wie mit geheimnißvollem fragen, Aus ihren Augen traf ein lichter Strahl. Und zögernd frug sie: „Wollt Ihr wirklich gehen? Im Hans ist Platz genug, ich bitt' Euch, weilt, Und wandert morgen erst von uuiern Höhen Mit meinem Vater,...
Page 196 - Vas volk des Perikles hat ausgerungen Und längst erblindete sein Ehrenschild, Homers und Pindars leier ist verklungen Und ach, zermalmt des Phidias Götterbild: Doch ob auch die Akropolis zerfallen, Der Geist von Hellas lebt noch in uns allen. Denn er allein hat mit Titanenkräften In alter Zeit den festen Grund gelegt, Der über sich auf vrächtgen säulenschäften Der Ewigkeit gewaltgen Tempel trägt. wohl sieht man volk auf volk dran weiter bauen, Doch wird ihn je die welt vollendet schauen?
Page 89 - Am offnen Tag, ihr böser, junger Mann! Ich war das Thal hinab in's Dorf gegangen Um Salz und Brot für unser kleines Haus, Der Vater zog schon bei dem ersten Prangen Des Frühroths auf sein Tagewerk hinaus. Doch tretet ein, gönnt euch ein Ruhestündchen, Ihr seid gewiß recht müd' und wandermatt! Kommt, nehmt vorlieb mit dem, was unser Spindchen An Speis' und Trauk für euren Gaumen hat!
Page 92 - Und plötzlich war's, als zog' es mich von dannen, Rasch griff ich Wanderränzchen, Hut und Stab Und wandte mich — denn ein Paar Thränen rannen Ganz heimlich aus den Augen mir herab: „Ich kann ja nicht und darf nicht länger bleiben, Muß morgen noch an meinen Heimathrhein, Vielleicht, wenn wieder Buch' und Birke treiben, Kehr' ich noch einmal hier im Forsthaus ein.
Page 94 - Heut hatt' ich hier mich, morgen dort gebettet, Wie's grade meiner Wanderlust gesiel. Und nun schien mir des Wanderns schönes Leben Ein Gang vom Paradies ins Ungefähr, Ein planlos Irren und ein blindes Streben Und eine Fahrt auf ödem weitem Meer. Und wie ich schritt und wie des Waldes Bäume Aufrauschten in des Abends dnftgem Wehn, Versank ich stumm in wunderbare Träume, Sah Bilder wie ich sie noch nie gesehn.
Page 205 - Sprossen, die zertrümmert sind aus jener gotterbauten Himmelsleiter? Die Sonne glüht, und kühlend weht der Wind, und unaufhaltsam rollt das Rad sich weiter. Die leuchtend kreisen durch das dunkle All, erhaben groß ist noch die Zahl der Welten; und kommt allnächtlich eme auch zum Fall, was kann dem Meere wohl ein Tropfen gelten?
Page 89 - Flieht nur, flieht!" Da hört ich plötzlich durch's Gezweig erklingen Gar heller Stimme fröhlichen Gesang, Und gleich darauf sah ich durch's Buschwerk springen Ein blühend Mädchen, fchlehenäugig, schlank.

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