Erlebnisse aus der pfälzischen erhebung im mai und juni 1849

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Literarische anstalt, 1849 - 88 pages
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Page 6 - Bedenklichsten, den zähesten Zweifler voranschieben mußte. Ich erinnere mich von allen Seelenzuständen jener verhängnisvollen Tage noch am deutlichsten der peinlichen Verlegenheit, welche jene Frage, von deren Beantwortung alles abhing, in uns erzeugte. Ich war stets der Meinung - und habe bei vielen Gelegenheiten danach gehandelt -, daß nichts bedächtiger erwogen sein wolle als der Entschluß, das Signal zu einer Erhebung zu geben. Das Volk ist gleich bereit, seine Haut zu Markt zu tragen,...
Page 6 - Eine Volkserhebung konnte in Deutschland nur gelingen, wenn am politischen Himmel ein Zeichen erschien, das von selbst, durch seine bloße Erscheinung, allen stämmen mit gleichem Erfolg zurief: „Jetzt ist es Zeit!
Page 7 - Vewegung in Rheinbayern, die Aufforderung zur Hilfe von dort, das Volk war Feuer und Flamme, und — es war nicht länger zu zaudern — im Vertrauen, daß man überall in Deutschland im selben Moment denselben tausendfach gebotenen Ent» schluß fassen werde, mußte das verhängnisvolle Wort über die Lippen.
Page 7 - Exil verfallen. Außerdem bringt natürlich jede Niederlage noch hinter jenen Zustand zurück, der selber schon als unerträglich zur Erhebung aufgefordert hatte. Ich habe mir viele, viele Male seit dem trostlosen Ausgang dieser letzten Bewegung...
Page 7 - Revolutionserrungenschaften war der offene Krieg angekündigt, die höchste Gefahr war leibhaftig da. Es fragte sich: hat das Wagnis eines Kampfes Aussicht auf Gelingen? und die Antwort lautete: Ja, wenn ganz Deutschland sich beteiligt. — Und wird es sich beteiligen? Das war die inhaltsschwere Frage.
Page 24 - Pfalz mchts weniger nachgeredet werden kann, als irgend eine Spur von Hochnäsigkeit. In Baden sah man nicht viel mehr oder größere Talente, aber schon bedeutend gewichtigere Mienen. Von einer Regelung der Geschäfte nach Zeitabschnitten und Personen war keine Rede. So lange der Landesausschuß bestand, war nicht einmal der Form nach eine Ordnung eingeführt.
Page 7 - Bewilligung der Erhebung in Rheinhessen gegeben wurde? Und dann suchte ich mir, so gut es heute noch geht, die Stimmung jener Tage zu vergegenwärtigen. Es war nicht Hoffnung, es war nicht Ekstase, überhaupt kein leidenschaftlicher Zustand, in dem wir uns befanden. Mit einem Herzen voll Unruhe, aber mit dem klaren Bewußtsein eines unvermeidlichen »Muß« entschlossen wir uns zum äußersten Schritt.
Page 6 - Ein solches Zeichen mußte, wenn je etwas, das offene Fehdewort der Fürsten gegen die Nationalversammlung und die Aufforderung der letzteren an das Volk sein. Das war die große Frage: Wird ganz Deutschland sich erheben? Das war es, was den Bedenklichsten, den zähesten Zweifler voranschieben mußte.
Page 25 - Iustizminifler über die Auslagen für die Atzung von drei eingebrachten Gefangenen aufzuklären. Eine Viertelstunde lang bildete die Stockhausatzung die Tagesordnung des Ministerrathes. So kamen tausend Dinge vor. Dabei liefen die einzelnen Regierungsmitglieder jeden Augenblick weg, um irgend ein kleines Geschäft, das in ihr Departement schlug, außerhalb zu besorgen. Ich und viele Andere haben sie hundertmal angefleht, sie möchten doch jeder in einem...
Page 18 - Man gab sich noch den neu angekommeneu Absagebrief Dufours herum, über dessen Entscheidung man unbegreiflicherweise bis zu jenem Augenblick noch gezweifelt hatte, während man in ganz Deutschland über das ihm gemachte Angebot gelacht und in der Schweiz es für eine Ironie gehalten hatte » '). M Bekanntlich wurde b;ild danach üut'our wieder zum eidgenössischen (jeneral ernannt, worüber er seilist sagt (s.

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