Grundzüge der griechischen Etymologie

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Teubner, 1869 - Greek language - 767 pages
 

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Popular passages

Page 91 - Dies kann nicht zufällig sein. Gewiss blieb dieselbe Vorstellung mit denselben Lauten deshalb durch alle Jahrtausende verbunden, weil für das Gefühl der Völker zwischen beiden ein inneres Band bestand, das heis'st, weil für sie ein Trieb vorhanden war diese Vorstellung gerade mit diesen Lauten auszudrücken.
Page 46 - Wurzeln sind zwar Abstractionen, aber daraus folgt keineswegs, dass sie nicht wirklich wären; sie sind nur nicht für sich wirklich. Wohl aber liegen sie halbbewusst den verschiedenen aus ihnen hervorgegangenen Formen zum Grunde, so gut wie die aus den Wurzeln gebildeten Stämme den Formen, die wieder aus ihnen entspringen.
Page 55 - Der Weg durch den Mundcanal ist der Luft versperrt, aber der durch die Nase steht ihr offen. Dies sind die Laute, welche ich Resonanten nenne und die man sonst auch als Nasales oder Semivocales zu bezeichnen pflegt.
Page 107 - Dass die Sprache durch und durch voll Metaphern steckt, welche auch über die schlichteste Redeweise einen poetischen Hauch ausbreiten, ist unverkennbar.
Page 95 - Betrachten wir die Wurzel als den einer ganzen Wortfamilie gemeinsamen Grundstoff, so muss ihre Bedeutung allerdings allgemeiner, di unbestimmter erscheinen als die jedes einzelnen daraus hervorgebildeten Wortes: zunächst formell; dann aber auch materiell, weil Form und Materie sich nicht absolut trennen lassen, und durch die formelle Beschränkung auch der Inhalt selbst ein anderer wird.
Page 95 - Gegentheil für den Ausdruck von etwas ganz Individuellem und Besonderem halten. Sie ist allgemeiner, vager als jedes daraus entwickelte Wort; und doch ihrem ursprünglichen Inhalte nach individueller, sinnlich anschaulicher, unmittelbar lebendiger. Der Fortgang ist also in der Regel von dem Einzelnen der sinnlichen Wahrnehmung zum mehr oder minder Allgemeinen der Anschauung und Vorstellung, und von diesem zurück zum Besonderen'.
Page 86 - Lautaffektionen näher zu beleuchten. Es versteht sich dabei von selbst, daß wir weder die eine noch die andere Lautbewegung für zufällig halten, sondern von der Ansicht ausgehen, daß Gesetze wie die ganze Sprache so auch diese lautliche Seite durchdringen.
Page 81 - Träten in der Sprachgeschichte wirklich so erhebliche sporadische Verirrungen und völlig krankhafte unberechenbare Lautentstellungen ein, wie sie von manchen Gelehrten mit Zuversicht angenommen werden, so müssten wir in der That auf alles Etymologisiren verzichten. Denn nur das Gesetzmassige und innerlich Zusammenhängende lässt sich wissenschaftlich erforschen, das Willkürliche höchstens errathen, nie erschliessen
Page 389 - ... den germanischen Sprachen aus jenem Zusammenhange, der zwischen sämmtlichen Lauten einer Sprache in der Art stattfindet, dass sich diese wechselseitig compensiren. Die einmal eingetretene Verwandlung eines dh in d trieb auch das ursprüngliche d aus seiner Stellung, so dass das alte d zu t ward, und endlich das neue t wieder das schon längst vorhandene alt überlieferte zu th verschob.
Page 86 - Schluß — man dürfe für jedes p im Griechischen auch gelegentlich x erwarten. Jedes verständige wissenschaftliche Verfahren beruht gerade auf der Unterscheidung der Regel von der Ausnahme, und eben deshalb führen wir hier eine vollständige Trennung zwischen den beiden Arten der Lautveränderung durch. Im zweiten Buche dieser Schrift soll die Regel in ihrer weitgreifenden Wirkung, soll also das Verbleiben und die zum Gesetz gewordene Veränderung der indogermanischen Laute in griechischer Sprache...

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