Kriegs-Kalender für gebildete Leser aller Stände, Volume 2Edition Leipzig, 1810 - Almanacs, German |
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Popular passages
Page 15 - Schwachheit, wobey ein andrer ihn fassen könnte, zugleich offen und verschlossen, sanft und heftig, geschmeidig und hart, mild und unerbittlich, jedes zu seiner Zeit, kurz, ein Mann seyn, wie es in jedem Jahrhundert kaum Einen giebt, und dessen Genius alle andre in Respekt zu halten und zu überwältigen wüßte.
Page 196 - Uebermaß der Lust begleitet; denn schon Cicero sagt, überall werden gerade die höchsten Wollüste durch Ekel und Ueberdruß begränzt und beschlossen*). Ich weiß, Stöcklein, daß Sie an das schnelle Dahinfahren und 2« Versterben der Sudelbücher sich am wenigsten stoßen; aber haben Sie nicht Recht?
Page 201 - Kirche heraus, besonders da ihr gegenüber das Haus des Helfers (des Diakonus) zu brennen anfing. Ich bestieg die Leiter, um die guten Löschanstalten zu besehen. Aber etwas Wichtigeres zog mich an. Es kam die Helferin im höchsten Putze aus ihrem Hause heraus; sie hatte, um ihre Hände frei zu behalten und doch ihren Kleiderschrank zu retten, solchen auf einmal angezogen. Sie trug zugleich ihr Brautkleid — ihren Traueranzug - ihr...
Page 219 - Wellengelärme keine Woge hören. Wenn schon einem Philosophen im Fasse, das, wie ein griechischer Tempel, nur oben dem Himmel offen ist, die Erde und ihr Ziebinger Getobe lächerlich vorkommt, wie viel mehr zweien auf einmal, die miteinander...
Page 195 - ... ohne Scham hinein. Aber jeder mit Recht. Er konnte innerlich lächeln und, indem er seine fünf Treppen hinaufkletterte, vergnügt sagen: ,Der Rock macht nicht den Mann und die Gasse nicht den Autor; desto schlimmer, daß meine Schreibnachbarn wahre ausgemachte Narren sind.' Ebenso wird der Autor, wenn er seine Handschrift an den Dutzendhändler schickt, schalkhaft denken: ,Wenn der Narr im Ernste auf ein miserables Buch aufsieht, so hab ich ihn gewaltig geprellt; das Werk ist göttlich.
Page 170 - Gott beschert'*", nennen. wollte sie an Ort und Stelle dessen Begebenheiten und Nachkommen genauer nachgraben und so durch anhaltende Forschungen seinen beinahe unter der Erde versteinerten Stammbaum ans Licht ziehen. Ich würde dann sehen, ob der neue Peter Stöcklein wirklich, wie er vorgibt, oben dransitzt als Wipfel.
Page 178 - Theile: der erste, welcher Lagerbier hatte, begab sich zu diesem hinunter, der andere sammt den fluchenden Reisenden in die bombenfeste Kirche, und der dritte aus Handwerkern, mit zu vielen Werkzeugen «> und Kindern belastet, blieb, wo er war, nur daß er seinen alten Düngerhaufen vor dem Fenster viel näher an dasselbe schob, ja auf dasselbe als Fensterladen und Schießhausmauer; eine...
Page 198 - Kunstrichter (dies ist aber eben der Freibrief) getadelt worden zu sein, so sehr er sich auch wörtlich wiederholt, wiewohl gerade dies seine Leser verlangen und eben darauf bestehen, daß er nichts in Druck gebe als täglich bloß den Namen seiner Station, wovon er - Postmeister ist. Offenbar sprech ich von den gedruckten Städtenamen auf Briefen. Indes hat der Trödelautor doch den Anteil am Freibriefe, daß er kurz, selten und oft zu spät beurteilt wird. Wenn nämlich die Kunstrichter mit Staupbesen,...
Page 186 - Die meisten Fürsten machen es mit den Kriegern wie (nach Lichtenbergs Vorwurfe) die Astronomen mit den Sternen, welche sich mehr um die Bewegungen derselben als um deren Natur bekümmerten. - Sie glauben mit Goldkörnern den Staat fruchtbar zu besäen; Goldstaub halten sie für lebendigen Blumenstaub, der befruchtet und fortpflanzt.
Page 197 - ... Sargs geworden; viele Werke sollen ihrer Natur nach wie Kalender nicht ins Blaue hinaus leben; Tagschriften z. B. gleichen den Terzienuhren, welche desto kürzer gehen, je feiner teilend sie in die Zeit eingreifen; sie müssen - in einem deutlicheren Bilde - warm wie Eselmilch, so wie sie von dem Tiere kommt, genossen werden. Endlich sollte ich mich wundern, wenn Sie nicht mehr als einmal sich hingesetzt und folgendes erwogen hätten, daß Krüppelbücher einen besondern Freibrief genießen.


