Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der Schönen Wissenschaften, Volume 8, Issue 2

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Page 185 - Er trägt die Fesseln seines Zeitalters, dem er sein Buch zum Geschenke darbeut: er steht in seinem Jahrhundert, wie ein Baum in dem Erdreich, in das er sich gewurzelt, aus welchem er Säfte ziehet, mit welchem er seine Gliedmaßen der Entstehung decket. Je mehr er sich um seine Welt verdient machen will, desto mehr muß er sich nach ihr bequemen, und in ihre Denkart dringen, um sie zu bilden.
Page 176 - Eine Menschenseele ist ein Individuum im Reiche der Geister: sie empfindet nach einzelner Bildung, und denket nach der Stärke ihrer geistigen Organen. Durch die Erziehung haben diese eine gewisse eigne, entweder gute oder widrige Richtung bekommen, nach der Lage von Umständen, die da bildeten, oder mißbildeten.
Page 179 - Toten müßte er urteilen: und doch gehört nicht fast ein kleiner Grad von verliebter Schwärmerei dazu, seinen Mann so sehr der Phantasie einzuprägen, daß man sein Bild nachher, wie aus dem Kopf, entwerfen kann? Und soll dies Bild aus dem Kopf entworfen werden, wie leicht können alsdenn aus der Kammer des Herzens Säfte heraufwallen, um es zu tuschen und auszumalen? Es wird in unserm Geist gepräget, und siehe da!
Page 185 - ... bequemen, und in ihre Denkart dringen, um sie zu bilden. Ja da er selbst nach diesem Geschmacke geformt ist: und sich die erste Form nie ganz zurückbilden läßt: so muß ein jeder großer Schriftsteller die Muttermale seiner Zeit an sich tragen: Du kunstrichterischer Tor! der du sie ihm rauben willt: du nimmst ihm Züge seiner Eigenheit, Stücke seiner Schönheit, Narben seiner Verdienste.
Page 184 - Kind des Geistes aufzunehmen, und dort ein Dürftiger mit Hülle und Fülle zu versorgen stehet?« — Ich rede durch Bilder, die wie ein übel zusammen geordnetes Gemisch vorkommen müssen: wenn ich aber offenbar spräche, so hätte ich über meine Obliegenheit mir selbst zu viel zu verantworten. Am meisten...
Page 60 - Da liege so lange, bis ich dich wieder aufsetze", sagte Sidney zu seiner Brille und warf sie unmutig vor sich auf den Tisch, da sie seinen verdunkelten Augen nicht mehr die Dienste leisten wollte, die er vielleicht mit Unrecht von ihr forderte. In dem Augenblick trat sein Bedienter herein und meldete ihm eine Dame, deren I^ame nicht viel zur Sache 25 tut, wenn sie auch Gertrud*) geheißen hätte.
Page 638 - Alexander Griechenlands oder Nordens , wie sehr seine Leidenschaft Krieg und Geräusch der Waffen seine Wollust war , ist je mit so ungestümem Feuer von « Schlacht zu Schlacht, von Siege zu Siege geeilt , als dieser so gefürchtete , schreckliche, — friedliebende Weise, der, weil er alles ist, was er will, auch das in der Vollkommenheit war, was er nur aus Notwendigkeit wollte; das, was mit den natürlichen Neigungen seines Herzens vielleicht am meisten streitet : ein Feldherr. Denn betrachte...
Page 184 - ... gibt seiner Denkart Schranken und Umriß, jedem Leser aber einen Knäuel zu eignen Betrachtungen in die Hände. Der Schriftsteller hat alles getan, wenn er diese Eigenheit nur mit verstohlnem Wink...
Page 638 - Spur oder Verdacht eines wilden, kriegerischen Geistes? Blickt nicht vielmehr überall ein sanfter, zärtlicher, oft bis zum Weichen zärtlicher Charakter hervor? Jene Entfernung von allen geräuschvollen, lärmenden Ergötzungen, wie die der Jagd sind ; jene Sprache, die er nicht bloß als Sprache der Höfe aus Gewohnheit, die er aus Wohlgefallen, au...
Page 228 - Leidenschaften räsonnirt, sie selbst aber niemals gefühlt zu haben; daher es ihm denn so schwer wird, ihre ächte Sprache zu reden.

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