Die griechische und lateinische Literatur und Sprache

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Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff
B. G. Teubner, 1907 - Greek language - 494 pages
 

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Popular passages

Page 159 - Daß aber dieser Jude, dieser Christ griechisch denkt und schreibt, für alle Welt und doch zunächst für die Brüder, die er anredet, daß dieses Griechisch mit gar keiner Schule, gar keinem Vorbilde etwas zu tun hat, sondern unbeholfen in überstürztem Gesprudel direkt aus dem Herzen strömt und doch eben Griechisch ist, kein übersetztes Aramäisch (wie die Sprüche Jesu), macht ihn zu einem Klassiker des Hellenismus.
Page 51 - Ich las hernach den Ion des Euripides abermals zu neuer Erbauung und Belehrung. Mich wunderts denn doch, daß die Aristokratie der Philologen seine Vorzüge nicht begreift, indem sie ihn mit herkömmlicher Vornehmigkeit seinen Vorgängern subordiniert, berechtigt durch den Hanswurst Aristophanes.
Page 477 - Der Mensch, welcher kein Latein versteht, gleicht einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet: sein Horizont ist äußerst beschränkt: nur das Nächste sieht er deutlich, wenige Schritte darüber hinaus verliert es sich ins Unbestimmte.
Page i - DIE KULTUR DER GEGENWART IHRE ENTWICKLUNG UND IHRE ZIELE HERAUSGEGEBEN VON PAUL HINNEBERG DIE KULTUR DER GEGENWART TEIL I ABTEILUNG III, i DIE ORIENTALISCHEN RELIGIONEN VON EDV.
Page 28 - Zwischen Mann und Weib kennt jene Zeit nur fleischliche Liebe; auf diesem Grunde mag in der Ehe ein herzliches Vertrauensverhältnis oft genug erblühen, das die Griechen dann Freundschaft nennen. Dagegen der Zug von Seele zu Seele findet sich nur in dem Verkehre zwischen den Angehörigen desselben Geschlechtes; oft genug ist er tief und echt auch bei den Männern, obwohl da der allgemeinen Sitte gemäss die fleischliche Sinnlichkeit nirgend ganz fehlen kann.
Page 10 - Von einem Charakter des Homerischen Achilleus oder Odysseus zu reden, ist natürlich überhaupt eine Torheit, da ja verschiedene Dichter dieselben Helden verschieden auffassen; wie in jeder Hinsicht, so auch hier verschließt der Wahn der Einheit den Zugang zu dem Schönsten, was die Epen enthalten"?
Page 279 - In Byzanz ist der Zusammenhang mit dem Altertum, den schon das Fortleben des Staates sicherte, niemals gründlich abgebrochen worden, und das kulturelle Ackerland hat niemals so lange brach gelegen wie im Westen; daher sind die antiken Samenkörner hier nicht so üppig in die Halme geschossen wie in Italien, wo sie auf einen frischen jungfräulichen Boden fielen. Dazu kommt, daß die Antike in Byzanz gerade durch die ununterbrochene Tradition, die seit dem 9. Jahrhundert einen neuen Aufschwung nahm,...
Page 278 - Die Liebe zu Athen, deß Ruhm einst weit erscholl. Schrieb dieses nieder, doch mit Wolken spielt sie nur, Und kühlt an Schatten ihrer Sehnsucht heiße Glut.
Page 159 - Reden der Apostelgeschichte gehen ihn nichts an. Gewiß ist der Hellenismus eine Vorbedingung für ihn; er liest nur die griechische Bibel, denkt also auch griechisch. Gewiß vollstreckt er unbewußt das Testament Alexanders, indem er das Evangelium zu den Hellenen bringt; aber er ist aus ganzem Holze geschnitzt, er ist Jude, wie Jesus ein Jude ist. Daß aber dieser Jude, dieser Christ griechisch denkt und schreibt, für alle Welt und doch zunächst für die...
Page 196 - Kein größerer Kontrast als diese stille selige Seele in dem Mord und Brand, der über die Welt tobt, dem Hexensabbat all der neuen Götter, und der schellenlauten Torheit der Rhetorik. In dieser Welt war auch für die Seele des Hellenentumes keine Stätte mehr; aber sie hatte Gott geschaut; die Zeit konnte und kann ihr nichts mehr anhaben.

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