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b) Dnlcin.

Das Dulcin oder Paraphenetolkarbamid, C2 H5 O . C6 H4 . NH . CO . NH2, hat bisher eine geringere Verbreitung als das Saccharin gefunden. Das Dulcin stellt ein weisses Pulver dar, welches in kaltem Wasser schwer, in heissem Wasser leichter löslich ist; von Aether und Chloroform wird es gleichfalls gelöst. In Petroläther ist es fast unlöslich, löslich aber in einem Gemisch von Aether und Petroläther. Dulcin schmilzt bei 173° und zersetzt sich zum grossen Theil bei stärkerem Erhitzen; es ist also nicht ganz unzersetzt sublimirbar. Dulcin ist etwa 400 mal süsser als Rohrzucker. Zur Erkennung des Dulcins können neben dem süssen Geschmack die folgenden Reaktionen dienen:

a) Wird Dulcin mit wenig Wasser in einem Reagensglas suspendirt, dazu eine salpetersäurefreie Lösung von Merkurinitrat (5—8 Tropfen) gegeben, und dann 8—10 Minuten im siedenden Wasserbade erhitzt, so tritt eine schwach violette Färbung auf, die auf Zusatz geringer Mengen von Bleisuperoxyd an Stärke zunimmt1).

b) Wird Dulcin mit 3—4 Tropfen Phenol und koncentrirter Schwefelsäure kurze Zeit erhitzt, sodann mit Wasser verdünnt und Ammoniakflüssigkeit hinzugefügt, so zeigt sich an der Berührungsstelle der beiden sich nicht sofort mischenden Flüssigkeiten eine blaue Zone2).

c) Wird Dulcin mit wässriger Natronlauge gemischt der Destillation unterworfen, so geht mit den Wasserdämpfen Phenetidin über, das durch Erhitzen mit Eisessig in Acetphenetidid oder Phenacetin übergeführt und als solches erkannt werden kann.

Um das Dulcin aus den damit gesüssten Nahrungs- und Genussmitteln zu gewinnen, kann man diese mit Chloroform ausziehen oder ausschütteln und das Dulcin nach dem Verdunsten des Lösungsmittels durch eine der oben bezeichneten Reaktionen nachweisen.

c) Glucin.

ucin, ein bisher nur wenig benutzter Süssstoff, ist das Natriumsalz eines Gemisches einer Mono- und Disulfosäure einer Verbindung, welche die Zusammensetzung C19 H16 N4 haben soll.

Das Glucin des Handels ist ein hellbräunliches Pulver, in heissem Wasser leicht löslich. Aus der wässerigen Lösung scheiden andere Säuren ein Gemisch der Sulfosäuren ab. In Aether und Chloroform ist Glucin unlöslich. Ueber 250° zersetzt es sich, ohne zu schmelzen, auch im Vakuum erhitzt, zersetzt es sich. Glucin soll 300mal so süss als Rohrzucker sein. Wird Glucin in verdünnter Salzsäure gelöst, zu dieser Lösung unter Abkühlen eine Natriumnitritlösung gesetzt, und die so gewonnene Lösung

1) Jorissen, Journ. de pharm. de Liège, 3. Art 2.

2) Berlinerblau und Thoms, Pharm. Centralhalle 1893, S. 280 u. 550.

mit einer alkalischen Lösung von a-Naphtol versetzt, so entsteht eine rothe Färbung, mit Resorcin oder mit Salicylsäure, gleichfalls in alkalischer Lösung, eine hellgelbe Färbung.

Anhaltpunkte für die Beurtheilung der mit künstlichen

Süssstoffen gesüssten Nahrungs- und Genussmittel. Durch das Gesetz voт 6. Juli 1898 ist es verboten, künstliche Süssstoffe bei der gewerbsmässigen Herstellung von Bier, Wein oder weinähnlichen Getränken, von Fruchtsäften, Konserven und Likören, sowie von Zucker- oder Stärkesirupen zu verwenden, und Nahrungs- und Genussmittel der vorgedachten Art, welchen künstliche Süssstoffe zugesetzt sind, zu verkaufen oder feilzuhalten. Andere unter Verwendung künstlicher Süssstoffe hergestellte Nahrungs- und Genussmittel dürfen nur unter einer diese Verwendung erkennbar machenden Bezeichnung verkauft oder feilgehalten werden.

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