Spaziergänge und weltfahren: I. Briefe aus London. II. Tagebuch aus Paris

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J.F. Hammerich, 1838 - Europe
 

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Page 108 - Was meinen Sie zu diesem Fortkommen der Menschheit aufder zukunftsvollen Eisenlinie? Werden Sie es das eiserne oder das goldene Zeitalter nennen, das mit dieser wie ein Raubthier ächzenden Maschine, unter schwarzem Rauch, Wirbelwind und umherfliegenden Steinkohlenschlacken, im Anzüge ist?
Page 108 - Diese herrliche Bahn, die bei London Bridge beginnt, ist, als Kunstwerk betrachtet, der großartigste Bau, zu dem bis jetzt diese unsere eiserne Epoche der Weltverbindung Anlaß gegeben.
Page 77 - Auf allen meinen Reisen, wo ich mit geistreichen Menschen in irgend ein Gespräch gerathen, habe ich stets große Furcht gehabt, daß Einer von der sogenannten Weltliteraturidee, die durch Goethe in die Mode gekommen, zu sprechen anfangen könnte, und meide dies Thema, zu dem man auf Reisen so leicht veranlaßt werden mag, immer mit sichtlicher Angst. Denn mir wird gar zu wunderlich dabei zu Muthe, und ich habe das nebulose Gerede darüber herzlich satt.
Page 112 - Wird sich nicht auch Paris verändern, werden nicht alle Dinge das werden, was sie nicht sind? Und was das Reisen anbetrifft, so wird durch die Eisenbahnen gewissermaßen alles Reisen aufhören, ich meine nicht blos die Romantik desselben und den Unterwegsgenuß der Natur, über deren Verlorengehen schon Andere im Voraus geklagt haben.
Page 109 - Tagen macht. Zuweilen, wenn sie so schreit und krächzt wie ein prophetischer Rabe und aus tiefen Lungen ihre gespensterhaften Dämpfe bläst, möchte ich sie fragen, ob sie Glück bringt, Freiheit, Humanität, oder Auflösung aller Dinge und den jüngsten Tag?
Page 109 - Teufels — und es ist seltsam, daß man überall, wo man rasch vorwärts kommt, zu sagen pflegt, es geht so schnell wie der Teufel! — » sind sie ein Werk dieses Geistes der Zerstörung, so täuschen wir uns auch hier in...
Page 265 - Man fasset auch nicht Most in alte Schläuche; anders die Schläuche zerreißen, und der Most wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man fasset Most in neue Schläuche, so werden sie beide miteinander behalten.
Page 101 - Phantasie wirft in rücksichtslosen Strichen hin, kugelt sich wie ein gespenstisches Thier in wunderlichen Gruppen zusammen, scheint uns geheimnißvoll anzuziehen, mit mährchenhaften Schauern zu verlocken, dann aber streckt es plötzlich riesige Krallen von sich, es umschwirrt uns mit Nachteulensittigen und Raubvögelgekrächz', die gespenstische Nacht seiner Gemälde birgt Ungeheuer in ihrem Schooße.
Page 110 - Menschheit, vielleicht nach einem kurzen Altenweibersommer, eine erstickende Massenzusammenhäufung des ganzen europäischen Lebens. Die Menschheit stirbt dann den Tod eines Fabricanten, der, in seinen vollgepfropften Waarenmagazinen eingesperrt, aus Mangel an Luftzug mitten unter seinen Reichthümern ersticken muß. Ich gestehe Ihnen, Einsiedler, was die vielgerühmte Annäherung und Circulation aller Ideen und Kräfte betrifft, so erscheint mir dieser Gedanke zuweilen nach allen Gesetzen der Natur...
Page 200 - Paris , die heilige Kaaba der modernen Weltgeschichte, zu der die um Freiheit Betenden so lange ihr Antlitz hingewendet, in ihr liegt der ursprünglich weiße Stein des Engel Gabriel, der aber schwarz geworden durch die Sünden der Menschheit! Da bewegt sich Paris, das Mährchen aus tausend und einer Nacht, von süßem Ambra und betäubendem Opium duftend, voll geheimnißreicher Lebenssymbole, jauchzend vor Lust und zerrissen von unendlichen Qualen! Da schwankt vor meinen Augen Paris, die thörichte...

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