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eines convexen Meniskus, dessen flohlseite nach dem Object gekehrt ist, mit Oeffnung von 2 Zoll, Brennweite 12 Zoll. Etwa l'/a Zoll vor der vorderen Concavseite wird das Diaphragma mit wechselnder Oeffnung angebracht, wodurch Helligkeitsweiten von Vio bis V*o Brennweiten resultiren. Der Bildwinkel reicht bis 70°, und, obwohl die Distorsion am Rande nicht völlig beseitigt ist, giebt dieser Landschaftskopf grosso und gleichmässige Lichtstärke und (nach des Künstlers Versicherung) ohne störenden centralen Lichtfleck, den man wenigstens bei den engeren Diaphragmen als merklich werdend zu befürchten Grund hätte. Die vierte Linsencornbination endlich ist ein symmetrischer Weitwinkel, ähnlich der vorhin erwähnten Drei-inch-Combination. Die Oeffnung ist l»/g Zoll, Brennweite 7 Zoll für Bildgrössen von 10 X 12 Zoll. Durch geringere Dicke und Intervalle der Componenten wird grössere Lichtstärke und Winkelweite (bis 90°) erzielt. Die Bilder sind winkeltreu, also frei von Distorsion.

Eine Anzahl anderer photographischer, hier nicht besonders zu besprechender, Vorrichtungen dienen vorzugsweise astronomischen Zwecken.

Neben den Mikroskopen, welche, wie bereits oben erwähnt worden, ansserhalb des Rahmens des vorliegenden Berichtes fallen, gehören der biologischen XVIII. Section eine reiche Sammlung von Apparaten ans der ophthalmologischen Abtheilung an, von welchen hier echliesslich noch einige aus besonderer Veranlassung zur Sprache gebracht werden mögen.

Den Uebergang hierzu bilden, wie von selbst, mehrere in die optische Section aufgenommene physiologisch optische and stereoskopische Vorrichtungen.

Neben Wh eat s tone's erstem katoptrischem und Brewster's dioptrischem Stereoskop, beide bekanntlich mit virtuellen Bildern für das binoculare Sehen, erwähnen wir Maxwell's dioptrisches Stereoskop mit reellen Bildern, deren je eines für ein Auge allein wahrnehmbar seinen Beitrag zu dem stereoskopischen Eindruck liefert, sobald der Beobachter die richtige Stellung eingenommen. Das bloss modellartig ausgeführte Instrument dürfte mit Vervollkommnungen in Nebendingen derMontirung sich der Gunst der Liebhaber nicht minder erfreuen, als die zeitherige Brewster'sche Form. Dem Apparat war eine Anzahl eigens dafür entworfener Zeichnungen in weissen Linien auf schwarzem Grunde beigegeben, Curvenund Flächen aus der höheren Geometrie darstellend. Stereoskopbilder waren ausserdem in grösserer Zahl ans Wheatstone's Nachlass von Robert Sabine, meist in Photographie sowie in Daguerreotypie, ausgestellt. Ebenso waren von Wilb. Albert in Frankfurt a. M. die instmctiven Stereoskopbilder von J. Müller, Nell, Oppel und besonders die bekannten projectivisch construirten Zeichnungen von HeBsemer ausgelegt.

Aus dem Nachlasse von R. Roberts, Civilingenienr zu Manchester, hatte das Gönnte des königl. Museums von Salford einen „Trepiskop" genannten Apparat ausgestellt, zur Verificirung der Persistenz der Gesichtseindrücke. Durch stroboskopische Einrichtung lässt sich einer etwa mit Druckschrift beklebten Scheibe eine Uotation von 100 bis über 600 Touren per Secunde ertheilen, welche dem Auge, durch die Spaltöffnungen einer grossen gleichfalls rotirenden Scheibe sehend, beim Vorübergang jeder Spalte jedesmal in gleicher Stellung dargeboten wird. Die Scheibe erscheint alsdann ruhend und macht das Lesen der Druckschrift möglich. Ein zweiter ganz ähnlicher, nur in der mechanischen Einrichtung einfacherer Apparat, von dem genannten Erfinder „Radiograph" genannt, lässt die Speichen eines mit sehr grosser Geschwindigkeit rotirenden Rades zählen. Beide Instrumente wurden bereits 1835 der British Association bei ihrer Zusammenkunft in Dublin vorgeführt. Ein von F. Pichlerin London zu ähnlichem Zwecke aus Holz gefertigter Apparat mit discontinnirlicher Bewegung zeigte einen Kranz von Kugeln mit nngleichfarbigen Hälften dem freien Auge in anscheinend constanten Phasen.

Es mögen nun von den zahlreichen ophthalmologischen, theils zur Demonstration, theils zur Messung dienlichen Apparaten hier einige eine Erwähnung finden, welche sich auf die Orientirung des Augapfels bei den rotativen Bewegungen um seinen im Schädel festen Mittelpunkt beziehen.

Die sechs Muskeln des Augapfels, welche an der Angenhöhlenwand ihre festen, an der Sklera des Bulbus ihre mobilen Ansätze finden und den Bulbns paarweise um drei, mit nahezu monokliner Anordnung sich in dem etwa 13 mm hinter dem Hornhautscheitel liegenden Centrum kreuzende, Axen drehen, dienen dazu, der optischen Axe des Auges innerhalb eines weiten Bezirkes jede beliebige Stellung oder Richtung zu geben. Bei jeder dieser Richtungen ist eine unbegrenzte Zahl von Lagen des Bulbus denkbar, welche ans der Rotation desselben um die optische Axe hervorgehen würden. Die Innorvation des kinematischen Apparates stellt indess zwischen den drei Muskelpaaren einen bestimmten mechanischen Connex her, vermöge dessen die Lage des Bulbns bei jeder Richtung seiner Sehaxe nur. eine einzige bestimmte ist (Donders' Gesetz). Mit einer zur Antlitzfläche, zu dem Schädel, sowie zu dem Winkel zwischen beiden Sehaxen in genauer Beziehung stehenden Richtung der optischen Axe, einer primären Stellung, steht jede beliebige andere secundäre Stellung, die dem Auge durch die Muskeln ertheilt werden kann, in dem Zusammenhang, dass die Lage des Augapfels in der Secundärstellung aus seiner Lage in der Primärstellung gefunden wird, wenn man sich den Bulbus aus der primären in die secundäre Lage tim eine za beiden Richtungen der optischen Axe rechtwinklige kinetische Axe gedreht denkt (Listin g'sches Gesetz). Der Antheil der einzelnen Muskeln bei Herbeiführung der Secundärstellung des Auges bemisst sich durch Zerlegung der eben gedachten Drehung um die kinetische Axe nach den drei fundamentalen oder muscularen Axen. Eine Folge dieses Gesetzes ist, dass beim Uebergang des Auges ans der Primärstellung in irgend eine secnndäre Stellung die Drehung um die Sehaxe Null ist, dagegen beim Uebergang aus einer secundären in eine andere secundäre Stellung der Bulbus eine Drehung um die Sehaxe erleidet, deren Maass seinen Ausdruck in dem sphärischen Dreieck findet, welches auf einer mit dem Auge concentrischen Kugelfläche von beliebigem Halbmesser durch die drei Stellungen der Angenaxe, der primären und den beiden secundären, bestimmt ist, wobei die Achtelkugelfläche einer Drehung um 90° entspricht. Beim binocularen Sehen kommt die Abhängigkeit der Primärstellung von dem parallactiachen Winkel der beiden Augenaxen in Betracht, ohne deren Berücksichtigung keine präcise Verification des Gesetzes erzielt wird.

Zur Veranschaulichung der im Vorstehenden in Kürze dargelegten kinematischen Verhältnisse des Auges dient der von Prof. Hermann in Zürich zur Ausstellung gebrachte Apparat, das sogenannte Blemnatotrop. Ein Modell des Angenpaares in etwa doppelter Linearvergrösserung versinnlicht durch eine dünne Messingplatte die in ihrer Neigung zum Horizont veränderbare Visnalebene, welche stets die beiden Sehaxen (Visirlinien) enthält. Vertical- und Horizontalmeridian des Auges sowie Aeqnatorialring dienen zur Einstellung beliebig cardinaler oder schiefer kinetischer Drehungsaxen. Aehnliche, zum Theil einfachere Vorrichtungen, von Ruete und von Donders vor geraumer Zeit zur Darstellung der gleichzeitigen Stellung der Visirlinien und liulhi beider Augen construirt, führen meistens den Namen Ophthalmotrop. Dia Ausstellung zeigte unter der grossen Reihe ophthalmologischer Apparate von Prof. Donders aus dessen physiologischem Institute zu Utrecht eine Vorrichtung zur Verification der Gesetze von Donders und Listing, unter Benutzung der Nachbilder von vorgängig fixirten farbigen Bändern. Zum Theil ähnlichen Zwecken dienen die Donders'schen Phaenophthalmotrope und das von Schellen in Utrecht ausgestellte Ophthalmotropometer, die sich gleichfalls unter den ophthalmologischen Apparaten auf der Ausstellung befanden.

Die optischen Hülfsmittel der Mikroskopie.

Von Dr. E. Abbe,

Professor an der Universität zu Jena.

In der Abtheilnng „Biologie" brachte die Loan-Collection im Sonth-Kensington-Museum die instrumentellen Hülfsmittel des mikroskopischen Studitims — neben denen der Physiologie und verwandter Wissenschaften — zur Darstellung. Eine stattliche Sammlung von Mikroskopen jeder Art und deren Hülfsapparaten, nicht weniger als fünf geräumige Glasbehälter füllend, bildete wohl das hervorragendste Object dieser Abtheilnng. Die Mannigfaltigkeit der hier vertretenen Instrumente konnte schon der oberflächlichen Betrachtung einen Begriff geben von dem Reichthum der Hülfsmittel, welche der Wettstreit der Optiker dem mikroskopischen Studium zur Verfügung gestellt, und damit zugleich einen Begriff von der hohen Ent wickelung und der Bedeutung, welche dieses Studium in unseren Tagen erlangt hat. Dem Sachkenner aber bot diese Ausstellung — trotz mancher Lücken und Mängel — ein so reiches Material zu eingehenden Studien, wie bisher wohl schwerlich an einem Orte schon vereinigt zu finden gewesen ist.

Der Vollständigkeit der Loan-Collection in Hinsicht auf die Vertretung aller der Länder, in welchen eine den wissenschaftlichen Bedürfnissen dienende Industrie in Blüthe steht, hat augenscheinlich das zeitliche Zusammen treffen mit der Centennial-Exposition in Philadelphia erheblichen Abbruch gethan. — England war allerdings sehr reichlich repräsentirt; denn kaum eine der bekannteren Werkstätten dieses Landes hatte die Beschickung der Ausstellung im South-KensingtonMuseum unterlassen, und zudem hatten noch wissenschaftliche Institute und Privatleute zahlreiche und werthvolle Beiträge gespendet. Auch ans Deutschland ist die Betheiligung in allen Abtheilungen eine ziemlich rege gewesen, und unter den deutschen Optikern, welche für die Mikroskopie arbeiten, fehlten von bekannteren Namen nur Merz, Schieck,

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