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den zu verzeichnen hat, sind auch in den übrigen Staaten des deutschen Reiches an maassgebender Stelle von den Zweigcomites gemacht worden.

Aber wenn es dem Herausgeber dieser Berichte eine angenehme Pflicht ist, die umfassende Förderung zu rühmen, welche den Bemühungen des Centralcomites allseitig aus dieser werkthätigen Theilnahme der deutschen Behörden erwachsen ist, so darf er andererseits nicht unerwähnt lassen, wie erwünscht sich die Beziehungen des Centralcomites auch zu der englischenCommission gestaltet haben. Waren auch für diese Beziehungen in der Initiative, welche die fürstlichen Protectoren dieser Angelegenheit ergriffen hatten, bereits die unzweifelhaftesten Garantien gegeben, so musste dem Centralcomite gleichwohl das huldvollst mitgetheilte Schreiben, welches der Herzog von Richmond und Gordon, in seiner Eigenschaft als Lord-Präsident des englischen Erziehungsrathes, an den Kronprinzen des deutschen Reiches gerichtet hat, in hohem Grade willkommen sein, insofern es erst durch dieses Schreiben mit der englischen Regierung in eine geregelte amtliche Beziehung eintrat. Den in diesem Schreiben gegebenen Andeutungen entsprechend hat sich denn auch der geschäftliche Verkehr des deutschen Centralcomites mit der euglischen Commission entwickelt. Das Comite kann nicht genug die grossen und liberalen Auffassungen rühmen, welche der Lord-Präsident, sowie der VicePräsident des Erziehungsrathes ViscountSandon bei allen wichtigen Entscheidungen bethätigt haben. Nicht mindere Anerkennung muss aber auch der Thätigkeit des Directors des SouthKensington-Museums gezollt werden. Die unverwüstliche Energie Sir Cunliffe Owen's, seine erfinderische Geschäftskenntniss und die unermüdliche Bereitwilligkeit, mit der er allzeitig den Wünschen und Bedürfnissen des Comites zuvorgekommen ist, haben nicht wenig dazu beigetragen, die rasche Entwickelung der Angelegenheit in Deutschland zu fördern.

Sir Cunliffe hatte mit praktischem Blicke alsbald erkannt, dass das bekannte englische Sprichwort, Time is money, in dem vorliegenden Falle umgedreht werden musste, insofern die bereits unwiederbringlich verlorene Zeit nur durch ein Opfer an Geld ersetzt werden konnte. Der sehr erhebliche Credit, welchen er zu dem Ende dem Centralcomite zur Verfügung stellte, ist denn auch im Sinne dieser Auffassung nahezu erschöpft worden.

Eine Sorge, welche schwer auf dem Centralcomite lastete, war die Verantwortlichkeit für die Rückerstattung in unversehrtem Zustand höchst werthvoller, in manchen Fällen geradezu unersetzbarer Objecte, welche es den Ausstellern gegenüber übernehmen musste. Wie leicht konnte ein kostbarer Apparat selbst bei sorgfältigster Verpackung auf dem weiten Transporte beschädigt werden? Auch dieser Sorge wurde das Comite zum grossen Theil durch die Bereitwilligkeit enthoben, mit welcher sich der Director des South-Kensington-Museums Namens der englischen Commission verpflichtete, für jedwede Schädigung und alle Verluste einzutreten. Noch grössere Beruhigung gewährte es, dass der Transport der werthvollen Objecte in einer Weise bewerkstelligt wurde, welche die Gefahr einer Schädigung nahezu ausschloss. Zu dem Ende hatte Sir Cunliffe Owen eigens für den Zweck solcher Transporte gebaute grosse Wagen (vans) von London nach Berlin gehen lassen, welche von geschulten Beamten dös Museums begleitet waren. Diese Wagen wurden in Berlin verladen und verschlossen, um alsdann, ohne dass sie irgendwie — selbst nicht an der Grenze — geöffnet zu werden brauchten, mittelst Eisenbahn und Dampf boot bis in die Halle des South-Kensiiigton-Museums befördert zu werden, wo sie von denselben Beamten, welche die Ladung besorgt hatten, abgepackt wurden. Dieser Verseudungsweise ist es zu danken, dass kaum irgend einer der zahlreichen, oft sehr zerbrechlichen Apparate irgend welchen erheblichen Schaden erlitten hat. Um eine sachgemässe Aufstellung der Apparate zu sichern, hatte das Centralcomite überdies Herrn Dr. Rudolf Biedermann, der ihm bereits als Secretair umfassende Dienste geleistet hatte, sowie Herrn W. Kirchner und endlich Herrn Dr. Voit als Delegirte nach London entsendet. Die beiden crsteren sind zur Ueberwachung der deutschen Apparate während der Dauer der Ausstellung in London verblieben. Das Centralcomite ist den Genannten für die Sorgfalt, mit welcher sie sich der ihnen anvertrauten Aufgabe entledigt haben, zu bestem Danke verpflichtet

Es bleibt dem Herausgeber jetzt nur noch übrig, über die Erfolge, welche das Centralcomite erzielt hat, kurz zu berichten. Wenn man bedenkt, dass kaum mehr als zwei Monate zur Verfügung standen, um in Deutschland die Beschickung der Ausstellung zu organisiren, wenn man ferner erwägt, dass, wie bereits oben erwähnt wurde, in Folge sei es der Betheiligung an der erst jüngst vollendeten Wiener, sei es der Vorbereitung für die demnächst beginnende Ausstellung in Philadelphia, nur geringe Neigung zu neuen Anstrengungen vorhanden war, so lag die Befürchtung nahe, dass die Betheiligung an der internationalen Ausstellung wissenschaftlicher Apparate in London eine sehr massige, wenn nicht gar eine sehr lückenhafte sein werde. Diese Befürchtung ist eine ganz und gar unbegründete gewesen. Dank der hewundernswerthen Thätigkeit, welche die Mehrzahl der Zweigcomites entfaltet hat, ist unser Vaterland bei diesem Wettkampfe mit den übrigen Nationen ruhmvoll in die Schranken getreten.

In der folgenden Tabelle ist die Zahl der Aussteller sowohl als der Gegenstände verzeichnet, welche aus dem deutschen Reiche in einer jeden der 19 schliesslich adoptirten Gruppen in London zur Ausstellung gekommen sind.

Gruppe

Anzahl

der Aussteller

Anzahl der ausgestellten Gegenstände

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Arithmetik 6

Geometrie 13

Maasse 59

Kinematik, Statik, Dynamik 10

Molecularphysik 23

Schall 10

Licht 35

Wärme 19

Magnetismus 10

Elektricität 32

Astronomie 25

Angewandte Mechanik 13

Chemie 32

Meteorologie 18

Geographie 29

Geologie, Bergbau 22

Mineralogie, Krystallographic .... 19

Physiologie 54

Unterrichtssammlungeu 5

Summa 434

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Aus dieser Tabelle erhellt, dass in den verschiedenen Gruppen zusammengenommen niöht weniger als 434 Aussteller vertreten waren, da aber vielfach dieselben Aussteller zu mehreren Gruppen beigetragen haben, so zeigt es sich, dass in Wirklichkeit die kleinere Anzahl von 311 die Ausstellung beschickt hat. Der von den Ausstellern beanspruchte Raum betrug:

109 Quadratmeter — Bodenfläche.

442 „ — Repositorien auf Tischen und in Schränken.

299 „ — Wandfläche.

Zur besseren Würdigung der in obiger Tabelle gegebenen Ausstellerzahl mag hier bemerkt werden, dass auf der Wiener Weltausstellung , für welche die Vorbereitungen, von einer wohl organisirten mit reichen Mitteln ausgestatteten Reichscommission geleitet, ebensoviele Jahre in Anspruch nahmen, als dem Centralcomite Monate zur Verfügung standen, das deutsche Reich durch 127 Aussteller wissenschaftlicher Apparate vertreten war. Angesichts dieser Erfahrungen darf die Zahl derjenigen, welche dem Aufrufe des Comites Folge geleistet haben, eine sehr befriedigende genannt werden.

Aber auch, was Mannichfaltigkeit und Interesse der Ausstellungsgegenstände anlangt, durfte sich die" deutsche Beschickung der internationalen Ausstellung derjenigen anderer Nationen würdig zur Seite stellen. Was von Deutschland gesendet wurde, war, abgesehen von den zahlreichen, historisch merkwürdigen Instrumenten, welche sich aus den verschiedensten Gegenden zusammengefunden hatten, eine Auswahl der besten wissenschaftlichen Apparate, welche in unserem Vaterlande hergestellt werden. Sämmth'che zur Ausstellung gelangten Objecte sind vor ihrer Annahme einer Prüfung von Seiten Delegirter des Centralcomites oder der Zweigcomites unterworfen worden. Gerade dieser letztere Umstand verdient ganz besonders betont zu werden, da in der That bei der Beschickung der Londoner Ausstellung wissenschaftlicher Apparate zum ersten Male einem Principe volle Rechnung getragen worden ist, welches, obschon in anderen Ländern längst anerkannt, gleichwohl in Deutschland bei den Vorbereitungen für frühere internationale Ausstellungen nicht umfassend zur Geltung gekommen ist.

Noch musste es das Gentralcomite als seine Aufgabe erkennen, für eine Beurtheilung der in London angehäuften Wissenschaftliehen Schätze von sachkundiger Seite, sowie für eine auf dieser Beurtheilung fassende systematische Berichterstattung nach Kräften Sorge zu tragen. Es lag dem deutschen Comite kein bestimmtes Programm vor für die Behandlung, welche die englische Commissioii dieser wichtigen Frage angedeihen zu lassen beabsichtigte. Welche Form diese aber auch annehmen mochte, im deutschen Interesse war es jedenfalls gelegen, wenn eine Anzahl berufener Männer mit der Aufgabe betraut wurde, die Ausstellung in London, sobald sie vollständig geworden war, zu studiren und die Ergebnisse dieser Studien in einem eingehenden Berichte niederzulegen. Nur durch einen solchen Bericht, welcher sowohl für die Techniker, als auch für die Jünger der Wissenschaft eine reiche Quelle der Belehrung zu werden versprach, konnten die grossen Opfer, welche die Aussteller der Sache gebracht hatten, den Interessen unseres Vaterlandes in vollem Umfange dienstbar werden. Wohl ist im Schoosse des Comites die Frage aufgetaucht, ob es nicht selber eine derartige Berichterstattung in die Hand nehmen solle; allein eine reifliche Erwägung seiner Stellung zu dem Unternehmen musste es zu einer verneinenden Beantwortung dieser Frage führen. Den Mitgliedern des Comites würde die Unbefangenheit gefehlt haben, mit welcher neue Kräfte an die Aufgabe herantraten. Unser Vaterland ist reich an solchen Kräften und es kam nur darauf an, sie zu einer gemeinschaftlichen Wirksamkeit zu vereinigen. Hier musste, nach der Ansicht des Comites, der Staat die Hand bieten.

Als der erste Impuls zur Beschickung der wissenschaftlichen Ausstellung gegeben wurde, zu einer Zeit, als es zweifelhaft erschien, welchön Anklang der Aufruf zur Betheiligung finden werde, konnte sich das Centralcomite nicht für berechtigt halten, staatliche Unterstützung in irgend welcher Weise zu beanspruchen. Angesichts der vollendeten Thatsachen aber schien es angezeigt, für die Zuendeführung seines Werkes die Mitwirkung des Staates zu erbitten.

Diese Bitte desCentralcomites ist nun in ebenso bereitwilliger wie umfassender Weise gewährt worden. Auf ein an S. Excellenz den Königl. Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten Herrn Dr. Falk in dem angedeuteten Sinne gerichtetes Gesuch erhielt das Comite alsbald den Bescheid, dass er selbst sowohl wie auch S. Excellenz der Königl. Minister des Handels und der Gewerbe Herr Dr. Achenbach gerne bereit sei, eine Anzahl wissenschaftlicher Berichterstatter nach London

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