Bd. 1-2. Rodion Raskolnikoff (Schuld und Sühne)

Front Cover
 

What people are saying - Write a review

We haven't found any reviews in the usual places.

Other editions - View all

Common terms and phrases

Popular passages

Page 576 - Denn sonst: ,Dummkopf' und ,Lakai' — nun, sag doch selbst, was sind denn das für Worte?" „Indem ich dich schimpfe — schimpfe ich mich selbst!" sagte Iwan und lachte wieder kurz auf. „Du bist ich, ich selbst, bloß mit einer anderen Fratze. Du sprichst genau das, was ich schon bei mir denke . . . und bist überhaupt nicht imstande, mir etwas Neues zu sagen!
Page 593 - Glauben an mich haft, tröpfelte ich dir jetzt eine gehörige Portion Unglauben ein, indem ich dir diese Anekdote erzählte. Ich lenke dich jetzt zwischen Glauben und Unglauben abwechselnd hin und her, und verfolge dabei natürlich meinen besonderen Zweck. Wie gesagt: eine neue Methode. Denn sobald du endgültig jeden Glauben an mich verloren haben wirst, wirst du sofort anfangen mir ins Gesicht zu versichern, daß ich kein Traum sei, sondern wirklich eristiere.
Page 577 - Hier, hicnicdcn, wenn ich zeitweilig wieder einmal zu euch übersiedle, fließt mein Leben dahin, als ob es nun auch was Wirkliches wäre, und das ist es gerade, was mir am meisten gefällt. Denn ich selbst leide doch auch, ganz so wie du, unter dem Phantastischen, und darum liebe ich euren irdischen Realismus. Hier bei euch ist alles bezeichnet, alles ist festgesetzt, hier gibt es Formeln, hier gibt es Geometrie, bei uns aber sind immer nur irgendwelche unbestimmte Gleichungen! Hier gehe ich umher...
Page 812 - Wie soll da der Jüngling nicht ernster darüber nachdenken und sich nicht unwillkürlich fragen : , Ja, hat er mich denn geliebt, als er mich zeugte?' Und er wundert sich selbst immer mehr darüber. ,Hat er mich denn um meinetwillen erzeugt? Er kannte mich doch gar nicht, er hat ja nicht einmal gewußt, welch eines Geschlechtes ich sein würde, er hat vielleicht überhaupt nicht an mich gedacht, in jenem Augenblick der Leidenschaft, die vielleicht nur vom Wein herrührte . . . Warum nun soll ich...
Page 472 - Monaten einen neuen Menschen in mir entdeckt, ein neuer Mensch ist in mir auferstanden! Dieser Mensch war immer in mir verborgen, doch es wäre mir nie zum Bewußtsein gekommen, daß ich ihn in mir trug, wenn Gott nicht dieses Gewitter geschickt hätte. Unheimlich ist das Leben! Aber was liegt daran, daß ich zwanzig Iahre lang dort in sibirischen Erzgruben mit dem Hammer klopfen werde, — das schreckt mich jetzt nicht mehr.
Page 298 - ... sie doch arm sind, abgebrannt, Brot haben sie kein Stückchen mehr; sie bitten für den abgebrannten Ort.« „Nein, nein," ruft Mitjä, als verstehe er noch immer nicht, „aber so sag mir doch: Warum stehen so die abgebrannten Mütter, warum sind sie arm, warum ist das Kindichen arm, warum ist die Steppe so nackt, warum umarmen Sie sich nicht, warum küssen Sie sich nicht, warum singen sie nicht fröhliche Lieder, warum sind sie so schwarz geworden von dem schwarzen Elend, warum wird das Kindichen...
Page 473 - Bergwerken bevorsteht, eröffnet ihm in demselben Augenblick die Scheußlichkeit und Nichtigkeit des gottlosen Menschenbildes, indem in seinem Herzen die inbrünstigste und echteste Gottesliebe erwacht. ..Wie werde ich denn dort unter der Erde ohne Gott leben? Rakitin lügt: Wenn man Gott von der Erde vertreibt, so werden wir ihn dort unter der Erde willkommen heißen. Für einen unterirdischen Zwangsarbeiter ist es unmöglich, ohne Gott auszukommen, unmöglicher als für einen Nichtzwangsarbeiter...
Page 601 - Hat die Menschheit sich erst einmal ganz und gar, das heißt, ausnahmslos von Gott losgesagt (und ich glaube daran, daß diese Periode, als Parallele zu den geologischen Perioden, eintreten wird), so wird die frühere Weltanschauung, und vor allem die ganze frühere Sittlichkeit — ohne jede Menschenfresserei ganz von selbst fallen und dem Neuen Platz machen. Di...
Page 603 - Gott gibt es kein Gesetz! Wohin Gott sich stellt — dort ist der Platz schon Gottes. Wohin ich mich stellen werde, dort wird sofort der erste Platz sein. Alles ist erlaubt!, und damit — Punktum. Das alles ist ja sehr nett; nur fragt es sich, sollte man meinen, wozu er, wenn er nun einmal gaunern will, — wozu er da noch die Sanktion der Wahrheit haben will?
Page 495 - Du hast dich beschuldigt und hast dir gesagt, daß der Mörder kein anderer sein könne als du. Aber nicht du hast ihn erschlagen, da irrst du dich, nicht du bist der Mörder, hörst du mich, nicht du! Mich hat Gott gesandt dir das zu sagen.

Bibliographic information