Briefe von Fritz Reuter an seinen Vater: aus der Schüler-, Studenten- und Festungszeit (1827 bis 1841)

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Page 165 - Dich und gib ihn außer Lisetten keinem zur Durchsicht; ich hoffe, er soll einst Dir ein Zeugnis sein, daß Du einen Sohn hast, der das, was er will, durchsetzen wird. Warum ich diesen Weg einschlage, kann ich Dir nicht hinlänglich auseinandersetzen, es ist genug, wenn ich Dir sage, wäre ich noch etwas länger auf meiner Stube geblieben, so wäre dies alles nicht vorgekommen. Dein letzter, so sehr liebevoller Brief traf mich in trauriger Stimmung, und in demselben Augenblicke, wo ich heiße Tränen...
Page 60 - Den politischen Gefangenen im Inquisitoriat zu M. fehlt es an den drei notwendigsten Lebensbedingungen, an frischer Luft, an Licht und an Wärme; auch ist das Trinkwasser, da es Flußwasser von unterhalb der Stadt ist, nicht zu genießen.
Page 71 - Herrgott erlösten uns dunnmals ut unsere Vual, un ik will den Herrn Kriminaldirektor Dambach dat nich anreken, eben so as ik awer sine annern Quälereien, de hei in den Unnersäukungsarrest gegen mi utäuwt hett, ok en dicken strich maken will^ äwer in eine Hinsicht fall hei mi Red...
Page 27 - Geburtstage alles Mögliche zu seiner Verherrlichung aufgesucht. Der eine sagte: Es ist Iakobitag; der andere: An diesem Tage hört der Kuckuck auf zu rufen; der dritte sagte: Heute geht bei uns die Jagd an; der vierte: Heute ziehen bei uns die Dienstleute um; der fünfte: Heute wird bei uns das Korn angemäht; der sechste, und der war dein gehorsamer Sohn, sagte: Heute kocht meine Schwester Lisette Schöpsenfleisch und Weißkohl, worüber denn weidlich gelacht wurde; als ich aber die Erklärung...
Page 130 - Lieblingsbeschäftigung gewesen; aber die Jurisprudenz ist mir fürchterlich dürr vorgekommen, ist mir bis jetzt nur als eine Wissenschaft vorgekommen, die in manchen Punkten, und zwar in ihren Hauptpunkten, gegen die gesunde Vernunft verstößt.
Page 183 - Wäre es das erstemal, daß ich in einer so fürchterlichen Lage zu diesem Betäubungsmittel gegriffen hätte, so wollte ich nichts dazu sagen, aber seit 7 Jahren gewohnt, stets dazu zu M H«KCI, Bd.
Page 164 - ... trösten und beruhigen wird. Ich habe wiederum zuviel Wein getrunken und bin krank gewesen, doch durchaus nicht bedeutend und mehr von Erkältung herrührend. Du kannst jetzt mit mir nach Deinem Gefallen verfahren, ich werde nicht murren, wie ich auch nicht murre gegen das Verfahren des Obristleutnants, das, wie die Welt sagt, auf Anstiften von Tante gegen mich vorgenommen ist; man hat mich hier öffentlich zum . . . gestempelt und eine darauf abzweckende Ordre erlassen. Du siehst, meine Strafe...
Page 63 - ... für die Gerechtigkeit meiner Strafen gegeben hat, sind so vague, daß man darin nicht einmal erwähnt hat, warum ich als Ausländer mit den Inländern gleich angesehen werden muß; aber lasse dies; ich denke so: Besser wie diese Inländer bin ich gewiß nicht, und deshalb kann ich kein besseres Los erwarten, diese Verhaftung und Strafe wird vielleicht dazu dienen, mich zu einem nützlicheren Mitgliede der menschlichen Gesellschaft zu machen, als ich sonst vielleicht geworden wäre ; des Herrn...
Page 100 - Dezember 1838 Mein lieber Vater, herzlichen Dank für Deinen letzten Brief, den Deine Liebe an meinem Geburtstage verfaßt hat und ihn daher so reich mit Geschenken und Bewilligungen ausgestattet hat. Auch hier ist meiner von manchen Seiten gedacht worden: mein Freund Vogler hat mir Deinen Lieblings-Schriftsteller (Seumes sämtliche Werke) geschenkt; Schulze die Kaiserlieder von Gaudy und Witte eine schöne Mappe für die Aufbewahrung von Zeichnungen.
Page 157 - Kurz alle Annehmlichkeiten, die ich hier gehabt habe, habe ich mir sauer durch Aufopferung meiner Zeit, meiner Neigungen, durch Einschmiegen in die Launen und Denkweise eines höchst launenhaften Hauses und durch meine kleinen Talente verdienen müssen, was für mich höchst abspannend und langweilig gewesen ist, und deshalb mag ich meine jetzige Lage, wo ich durchaus für mich lebe, durchaus nicht mit der früheren vertauschen- August ist hier gewesen, hat mir das alte Ioch wieder aufdringen wollen,...

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