Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen: sprachgeschichtlich angeordnet, Volume 3

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Vandenhoeck & Rupprecht, 1874 - Indo-European languages
 

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Page 7 - Ähnlich hatte bereits Fick in seinem Vergleichenden Wörterbuch der indogermanischen Sprachen erklärt: „Auch in den Einzelsprachen lehnt sich manches, was wir voreilig für schallnachahmend zu nehmen geneigt sind, an vollbegriffliche Wurzeln an. Der Deutsche glaubt leicht, in hop, hop hop den Schall des aufstampfenden Pferdehufs zu hören, in Wahrheit aber gehört es zum Verb ags.
Page 10 - Verbal -Wurzeln in aller Schärfe festzuhalten, ja mit dieser Scheidung beginnt erst die wahrhaft menschliche Rede und die Möglichkeit ihrer Weiterentwickelung. Hier ist zunächst eine Irrung zu beseitigen, die aus der ganz verkehrten, aber einmal üblich gewordenen Bezeichnung der ersten Klasse von Elementen entstehen könnte. Man nennt sie Pronomina, Fürwörter, in der sonderbaren Gerber, die Spruche und daa Erkennen.
Page 11 - ... Annahme, als habe es einmal in den Uranfängen der indog. Sprachentwickelung eine Zeit gegeben, wo die Sprache zur Nominalbildung noch unfähig, blofs aus Verbalwurzeln oder Urverben bestanden hätte. Allein eine Sprache, welche blofs Handlungen und Zustände ausgedrückt hätte, ohne das Vermögen, den Träger dieser Handlungen als solchen zu bezeichnen, verdient gar nicht diesen Namen, weil sie nicht mehr der, wenn auch noch so rohe und einfache Ausdruck des menschlichen Denkens ist. Denn das...
Page 11 - ... zu zerlegen, den Träger der Handlung von dieser zu scheiden und wieder mit ihr zu verbinden, und da wir von einem allmählichen Werden der Vernunft — als reiner Kraft — durchaus keine Kunde haben, dürfen wir auch sagen, diese Fähigkeit des Sonderns und Verknüpfens hat bereits dem Bewufstsein des ersten Menschen eingewohnt. Ihren lautlichen Ausdruck fand diese Sonderung in der gesonderten aber gleichzeitigen Schöpfung von Lauten, von denen die einen das reine Subjekt, die andern die von...
Page 10 - ... umgekehrt die Nomina die um den Verbalbegriff gemehrten und verstärkten Vertreter der Pronomina genannt werden könnten, während die sogenannten Pronomina den Nominalbegriff rein, ohne die verbale Beimischung und Erweiterung zeigen. Indem wir so der ältesten Sprache neben dem Urverb (Verbalwurzel) ein gleich ursprüngliches Nomen (die Pronominalwurzel) zuschreiben, setzen wir uns allerdings in Widerspruch mit der beliebten Annahme, als habe es einmal in den Uranfängen der indog. Sprachentwickelung...
Page 11 - ... Ausdruck des menschlichen Denkens ist. Denn das auf dem Selbstbewufstsein basierende Denken beginnt mit der Fähigkeit, irgend eine Wahrnehmung in ihre zwei Grundbestandteile zu zerlegen, den Träger der Handlung von dieser zu scheiden und wieder mit ihr zu verbinden, und da wir von einem allmählichen Werden der Vernunft — als reiner Kraft — durchaus keine Kunde haben, dürfen wir auch sagen, diese Fähigkeit des Sonderns und Verknüpfens hat bereits dem Bewufstsein des ersten Menschen eingewohnt....
Page 11 - ... Handlungen als solchen zu bezeichnen, verdient gar nicht diesen Namen, weil sie nicht mehr der, wenn auch noch so rohe und einfache Ausdruck des menschlichen Denkens ist. Denn das auf dem Selbstbewufstsein basierende Denken beginnt mit der Fähigkeit, irgend eine Wahrnehmung in ihre zwei Grundbestandteile zu zerlegen, den Träger der Handlung von dieser zu scheiden und wieder mit ihr zu verbinden, und da wir von einem allmählichen Werden der Vernunft — als reiner Kraft — durchaus keine Kunde...
Page 8 - ... auch in dieser Beziehung blos Sanskrit, und er nimmt sich nicht die Mühe, in unserem Wald und bei unserem Volk und den Kindern herumzuhören, wo einfach jedes Thier, das einen charakteristischen Schrei hat, nach ihm benannt wird. JGR.) Dass aber über diese paar Fälle hinaus die Schallnachahmung einen irgendwie erheblichen Beitrag zur Sprachbildung geliefert, ist auf Grund der Erkenntniss der ältesten Sprachzustände unbedingt in Abrede zu stellen...
Page 10 - Voraussetzung , dafs sie für sich selbst keine Geltung hätten, nur als Vertreter von anderen Namen, also solchen, die aus Verben erwachsen sind, zu fungieren hätten. Ein Augenblick Nachdenken aber genügt, gerade in ihnen die echten alten Urnomina zu erkennen, so dafs umgekehrt die Nomina die um den Verbalbegriff gemehrten und verstärkten Vertreter der Pronomina genannt werden könnten, während die sogenannten Pronomina den Nominalbegriff rein, ohne die verbale Beimischung und Erweiterung zeigen....
Page 6 - Nachahmung, welche wirkliche täuschende Gleichheit des Tones erstrebt, wird benutzt für die Sprachzwecke, so wenig wie der rohe Schrei der Empfindung; wie dieser wird er erst in die Laute der Menschenrede umgesetzt und dann wie ein anderes Element zur Bildung von Nomen und Verben usw verwendet.

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