Geschichte der deutschen Polenlitteratur, Volume 1

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Niemeyer, 1900 - German literature - 298 pages
 

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Page 239 - Ich stelle mich höher als die gewöhnlichen platten moralischen Politiker; ich spreche es geradezu aus : Kein König hält Wort, kann es nicht halten, muß stets den gebieterischen Umständen nachgeben; die Polen wären doch untergegangen, mußten nach ihrer ganzen verwirrten Sinnesweise untergehen; sollte Preußen mit leeren Händen dabei ausgehen, während Rußland und Österreich Zugriffen ? Für uns arme Philister ist die entgegengesetzte Handlungsweise Pflicht, nicht für die Mächtigen der...
Page 114 - Stufe mit anderm europäischen Pöbel hinaufsteigen würde, wenn man auch desfalls die weisesten Maßregeln ergriff, wozu bis jetzt auch nicht der mindeste Anschein ist. Die niedrige...
Page 113 - Das eigentliche Volk, ich meine jene Millionen Lastvieh in Menschengestalt, die hier schlechterdings von allen Vorrechten der Menschheit ausgeschlossen sind und nicht zur Nation gerechnet werden, ohnerachtet sie den größten Haufen ausmachen, — das Volk ist nunmehr wirklich durch die langgewohnte Sklaverei zu einem Grad der Thierheit und Fühllosigkeit, der unbeschreiblichsten Faulheit und stockdummen Unwissenheit herabgesunken...
Page 146 - Der dir schon eine Locke nahm. Und du Säumetest noch, dich zu ermannen, dich Klug zu einen .' Du säumst, kleinlich im Eigennutz, Statt des polnischen Reichstags, Dich zu ordnen, ein mächtig Volk? Soll dein Name verwehn?
Page 145 - Deine Nachbarin sieh, Polen, wie mächtig einst Und wie stolz! o sie kniet, ehren- und schmuckberaubt Mit zerrissenem Busen Vor drei Mächtigen und verstummt. Ach, es halfen ihr nicht ihre Magnaten, nicht Ihre Edeln, es half keiner der Namen ihr, Die aus tapferer Vorzeit Ewig glänzen am Sterngezelt. Und nun, wende den Blick! Schau die zerfallenen Trümmer, welche man sonst Burge der Freiheit hieß, Unzerstörbare Nester!
Page 276 - Gedichtes trägt die pleonastische Ergänzung: Unvollständig. Höchstwahrscheinlich beabsichtigte Werner, auf die ältere Geschichte Polens zurückzugreifen, worauf sowohl Inhalt als auch Beginn der ersten Strophe hinweisen: Doch sieh! die Nebelschleier theilen sich. Den Horizont deckt blutig rothe Helle, Der Vorwelt Bild versinkt und fürchterlich Erscheint die Gegenwart an ihrer Stelle. Aus kompositorischen Rücksichten mag er es unterlassen haben. Die Entstehungszeit dürfte — seiner Frische...
Page 146 - Name verwehn? willst du zertheilet auch Knien vor Fremden? Und ist keiner der Väter dir, Dir dein eigenes Herz nicht, Deine Sprache nicht alles werth! Sprich, mit welcher? o sprich, welcher begehrtest du Sie zu tauschen? dein Herz, soll es des Galliers, Des Kosaken, Kalmucken Pulsschlag frohnen?
Page 279 - Des Würgers nicht — zerstreut der Sklaven Heere - Und siegt — und durch die große That belohnt, Verschmäht er stolz des Purpurs eitle Ehre. Mit seinen polnischen Freunden bangt er um dessen Los: O ew'ger Gott! mein endlicher Verstand Sinkt in den Staub vor deiner Weisheit nieder; Kosziusko stirbt! Mit ihnen zittert er um das Los Polonias, das Durch fremdes Gold und durch Verrath besiegt — Und starr in dumpfen Schlummer eingewiegt. Er spornt sie zum Kampf an und fordert sie auf, das Joch...
Page 79 - Da irrt Polonia Mit fliegendem Haare, Mit jammerbleichem Gesichte; Ringt über dem Haupte Die Hände. Große Tropfen Hangen am Auge, das bricht Und langsam starrt - und stirbt. Doch sie stirbt nicht! Versagt ist ihr des Todes Trost. Sie fährt auf, schwankt und sinkt Nieder an der Felsenwand Und schreit: Ach, meine Kinder, Wo seid ihr? Ausgesät In fremdes Volk und hilflos. O Sobieski*, großer Sohn. Wo bist du? schau herab! Hörst du nicht am Arme Deines tapfern Volks die Fessel rasseln? Siehst...
Page 109 - Unter allen Nationen in Europa haben die Polen allein die Unwissenheit und Barbarei so weit getrieben, in ihren Leibeigenen beinahe die letzte Spur der Denkkraft zu vertilgen; dafür aber tragen sie selbst die härteste Strafe...

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