Über Grenzen zwischen juristischer und soziologischer Methode: Vortrag gehalten in der Soziologischen Gesellschaft zu Wien

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Mohr, 1911 - Law - 64 pages
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Page 7 - Daß wir etwas sollen, läßt sich, wenn es logisch erwiesen werden soll, immer nur durch Zurückführung auf ein andres als sicher vorausgesetztes Sollen erweisen ; an sich betrachtet, ist es eine Urtatsache, über die wir vielleicht psychologisch, aber nicht mehr logisch hinausfragen können18.
Page 7 - Die Frage nach dem Warum eines konkreten Sollens kann logisch immer wieder nur zu einem Sollen führen, wie die Frage nach dem Warum eines Seins immer nur ein Sein zur Antwort erhält.
Page 54 - Mensch" zu sein, besonders zu bezeichnen. Die Zurechnung, der die einzelne normgemäße oder normwidrige Handlung oder Unterlassung nur Durchgangspunkte sind, sucht sich — figürlich gesprochen — im Innern des Menschen einen Endpunkt: Diese, im Innern des Menschen gedachte, als Endpunkt der Zurechnung fungierende Konstruktion — und nichts anderes — ist es, was die Terminologie der Ethik und Jurisprudenz als „Wille
Page 57 - Wenn man sagt, daß das Gesetz den Willen des Staates enthält, so bedeutet das nichts anderes, als daß es die Tatbestände feststellt, die als Handlungen des Staates zu gelten haben, die der Staat will, dh die dem Staate und nicht den physisch Handelnden — die um dieses Umstandes willen „Organe
Page 31 - Es wird der Wille erklärt, daß eine rechtliche Wirkung eintreten solle und die Rechtsordnung läßt diese rechtliche Wirkung deswegen eintreten, weil sie von dem Urheber des Rechtsgeschäfts gewollt ist.
Page 43 - ... nicht bezweifeln darf, daß der Zoologe oder der Psychologe bei seinen Untersuchungen mit seinen spezifischen Erkenntnismethoden auf keine Weise zu einem Schuld begriff gelangt; wenn feststeht, daß von Schuld nur in Beziehung auf Normen die Rede sein kann, zum Wesen der Schuld die Normverletzung, wie zum Verdienst die Normerfüllung gehört, dann wird die Behauptung nicht mehr paradox erscheinen, daß es mit dem rein normativen Charakter des Schuldbegriffes methodologisch unvereinbar ist, sein...
Page 6 - Das Sollen ist ein Denkmodus wie das Futurum und das Präteritum, oder wie der Konjunktiv und der Optativ; durch die Form des Imperativs hat die Sprache diesem Verhalten Ausdruck gegeben. Auch findet die Bestimmung des Inhalts für das Sollen auf ganz so mannigfaltige Weise statt, wie für das Sein. Wie durch all die oben angeführten Kriterien immer die eine Form des Seins den Vorstellungen zugesprochen...
Page 13 - Gewalt, vielmehr muß hier, wie in allen Fällen, wo von normativen Disziplinen gesprochen wird, der fragliche Terminus in einer abgeleiteten Bedeutung gebraucht sein. Er kann nicht eine besondere Art des Wollens, er muß eine bestimmte Form des Denkens, eine eigenartige Betrachtungsweise kennzeichnen, die sich von der anderer Wissenschaften durch ihre spezifische Richtung unterscheidet und die darum eine normative genannt werden darf, weil sie nicht, wie z. B. die Naturwissenschaft, der Welt des...
Page 54 - Wille" bezeichnet. Die Lokalisierung des Zurechnungsendpunktes „Wille" muß keineswegs notwendig in das Innere des „Menschen" erfolgen; die ethisch-juristische Einheit der Person muß durchaus nicht immer mit der zoologisch-psychologischen zusammenfallen. Es muß mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß es ganz im Belieben der Norm liegt, auch etwas anderem als dem Einzelmenschen die Personen- oder Willensqualität zu verleihen...
Page 7 - Sein überhaupt kann nicht bewiesen, sondern nur erlebt und gefühlt werden, und darum lässt es sich nie aus blossen Begriffen deduziren, sondern nur aus solchen, in welche irgendwo das Sein schon aufgenommen ist. Das Sollen verhält sich in gleicher Weise. Dass wir etwas sollen, lässt sich, wenn es logisch erwiesen werden soll, immer nur durch Zurückführung auf ein andres als sicher...

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