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der

Deutschen geologischen Gesellschaft

1. Heft (Januar, Februar, März) 1901.

Aufsätze.

L Versteinerungen der Paradoxides-Stufe
Ton La Cabitza in Sardinien und Bemer-
kungen zur Gliederung des sardischen
Cambrium.

Von Herrn J. F. Pompeckj in München.
Hierzu Tafel I.

Herr Professor Dr. Eb. Fraas hatte die Liebenswürdigkeit, mir eine Anzahl fossilführender Gesteinsstucke aas altpaläozoischen Sedimenten Sardiniens zu übergeben. Ein Theil dieser Stücke enthält mehrere für das Cambrium Sardiniens neue Formen und ergiebt zugleich einen nicht uninteressanten Beitrag zur Kenntniss der bisher recht fremdartig dastehenden cambrischen Ablagerungen der Insel Sardinien.

Bei La Cabitza, ca. 30 km östlich von Canalgrande und nur etwa 5 km südöstlich von Iglesias entfernt, stehen steil aufgerichtete und ungemein stark gefaltete, bunte Thonschiefer mit Fossilien an. Ein Theil der mir vorliegenden Handstücke ist violett bis tief weinrotb gefärbt, andere Stücke sind gelb, ockerfarben; roth und violett dürfte die ursprünglichere Färbung des Gesteins, gelb die durch Verwitterung erzeugte Farbe sein. Die Schiefer sind ziemlich mild, die gelben Stücke milder als die dunkler gefärbten.

Die unregelmässig gefältelten und gestauchten Schieferstücke beherbergen eine grosse Menge von Fossilresten. Steinkerne und Abdrücke von Trilobiten überwiegen; ziemlich tiefe, geradlinig umgrenzte Hohldrucke deuten auf Cystoideenreste, vielleicht auf

Itttochr. : D. geoL Get. 6$. 1. l

Raiidtäfelchen von Trochocystites. Andere Reste sind vollkommen unbestimmbar. Die Schalen der Trilobiten und die fraglichen Cystoideentäfelchen sind in den allermeisten Fällen zerstört, durch lichtgelbes Pulver von Eisenocker ersetzt. Nur in einem Schieferstücke sind noch Reste weisslicher, kalkiger Trilobitenschalen erbalten.

Die Trilobitenreste — Abdrücke und Steinkerne ziemlich vollständiger Individuen, einzelner Kopfschilder. Bruchstücke einzelner Segmente — sind alle stark deformirt, nach verschiedenen Richtungen verquetscht und verzerrt. Trotzdem lassen die meisten Stücke sich ganz gut bestimmen.

Die vorhandenen Trilobitenreste vertheilen sich auf drei Gattungen: Paradoxides, Conor.oryplte und Ptychopnrin.

Paradosrides Brongniaht.

Paradoxides mediterraneus n. sp.

Taf. I, Fig. l — 3.

1898. Paradoxides mgulosn» 3. Hergeron, Massif ancien1), S. 386, t. 2, f. 5—7.

Wenn die vorliegenden Paradoxidcs-Resie in Folge von Verquetschungen und Stauchungen auch schlecht erhalten sind, so lassen sie doch die Zugehörigkeit zu der von Bergeron beschriebenen Art aus Süd-Frankreich erkennen. Anscheinend liegen breitere und schmälere Formen vor. so weit sich das eben noch bei dem Erhaltungszustande der Stücke constatiren lässt.

Die unvollständig erhaltenen Kopfschilder, deren Länge etwa V's der Gesammtläuge des ganzen Thieres beträgt, zeigen grosse, halbkreisförmige, weit gegen den Hinterrand zurückreichende Palpebralloben. schmale, freie Wangen, welche in sehr lange, schmale Wangenhörner Auslaufen; die Wangenhörner reichen hier mindestens bis zum 8. Rumpfsegmente.

Der Rumpf wird von 18 Segmenten zusammengesetzt. Die Pleuren sind bei der breiteren Form säbelförmig, bei der schlankeren Form gekrümmt dolchförmig ausgezogen. Der innere Pleurentheil ist diagonal gefurcht, schmäler als der äussere Pleurentheil. Die Pleurenenden der drei letzten Segmente ragen nicht über den Hinterrand des Pygidiums hinaus; sie reichen meistens ebenso weit, nach hinten wie das Hinterende des Pygidiums.

Das Pygidium ist länglich sechsseitig. Der Hinterrand ist eingebogen, seitlich in kurze, breite Ecken ausgezogen. Die

') fitude geologique du niassif ancien situ*1 au Sud du Plateau central. Ann. sc. giol., XXII, No. 1.

Rhachis ist bei den sardischen Formen etwas kürzer als die halbe Länge des Schwanzschildes. Zwei vordere Segmente sind au! der Rbachis undeutlich erhalten.

Vergleichende Bemerkungen: Die langen Wangenliörner, die Zahl und Form der Rumpfsegmente, die Form des Scbwanzschildes lassen keinen Zweifel daran, dass diese sardische Paradoxides-Form mit Bergeron's P. rugulosus übereinstimmt, von welchem mir Stücke von Coulouma vorliegen. Von Paradoxides rugulosus Corda, wie ihn Barrande') aus dem Cambrium Böhmens beschrieb, muss diese Form allerdings getrennt werden, wenn sie auch zweifelsohne der Eitgulosus-Gruppe angehört. P. ritffidosus besitzt noch bei einer Länge von 55 mm nur 16 Rumpfsegmente, während unsere Form bei gleicher Länge und auch bei grösseren Stücken 18 Segmente aufweist. Bei Par. rugulosus ist der innere, gefurchte Pleureutheil verhält nissmässig breiter, er nimmt dort etwas mehr als die halbe Pleurenbreite ein.

Par. mediterraneus, wie die in Süd-Frankreich und auf Sardinien vorkommende Form der Ituffulosus-Gruppe heissen möge, zeigt in der Form der Schwanzscbilder manche Variationen. Neben Pygidien wie Tat'. I, Fig. 3, welche ganz ähnlich sind wie die auch bei dem böhmischen Par. rugulosus vorkommenden Schwanzschilder2), kommen andere vor, welche durch die tiefere Einbuchtung am Hinterrande3) und länger ausgezogene Hinterecken lebhaft an den ebenfalls der ßwgulosus-Gruppe zugebörenden P. brachyrhachis Linnarss. 4) erinnern. Die Rhachis ist bei dieser skandinavischen Art ebenso wie bei P. ntyttlosiis aus Böhmen breiter, massiger als bei P. mediterraneus, ferner ist der Randsaam vor der Glabella bei P. brachyrhachis schmäler als bei P. mediterraneus, die Palpebralloben sind kleiner und der innere gefurchte Pleurentheil der Rumpfsegmente ist dort breiter als bei unserer Form.

Eine ebenfalls der JtuguloMS-Grufpe angehörende Form mit 18 Rumpfsegmenten und sehr langen Wangenstacheln beschrieb Ch. BARROis5) als Par. Barrandei von Vega de Rivadeo und Pont Radical (Asturien). Die langen Diagonalfurchen der Pleuren und das in 2 gerundete Endlappen auslaufende Pygidium trennen

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diese spanische Art von der unserigen. Im Pleurenbau ist eine andere spanische Art, Pur. Pradoanus S. Bahr.'), dem Par. mediterraneus sehr ähnlich, unterscheidet sich aber durch das nach hinten stark verschmälertc, gerade abgestumpfte oder zugespitzte Pygidium von P. mediterraneus.

Es wäre noch hervorzuheben, dass Par. eteminicus MatThbw*( aus dem Cambrium von St. Jobn, New-Brunswick, sehr grosse Aehnlichkeit mit P. mediterraneus {ruyulosus Bergebon) besitzt, so dass MATTHEw3) wohl Recht hat, wenn er die beiden Arten als vicariirende gegenüberstellt. Die Zahl der Rumpfsegmente von P. eteminicus ist nicht bekannt; die Wangen stacheln sind dort erheblich kürzer, die Rhachis des Pygidiums ist breiter als bei P. mediterraneus.

Conocoryphe Cord A.

Conocoryphe Heberti Mitn.-chalm. et J. Berg.
Taf. I, Fig. 4, 5, 6, 7.

1860. Cottocephalites Kidzeri J. Barr. in Cabiano De Prado, De Verneuil et Barrandk'), Faune primordiale dans la cbaine cautabrique, S. 627, t. 8, f. 1 — 5.

1882. Conocephaliten Sulseri Ch. Baiirois, Recherches sur les terrain anciens des Asturieg et de la Galice, 8. 171.

1889. Conocoryphe Heberti Mun.-chalm. et J. Berg, in J. BergeRom, Massif ancicn, 8. 334, t. 3, f. 3, 4.

Von mehreren Individuen verschiedener Grosse liegen Steinkerne und Abdrücke von Kopfschildern z. Tb. mit daran hängenden Rumpfsegmenten, ferner ein Rumpf mit zugehörigem Pygidium vor. Obwohl alle Stücke durch Verdrückung stark gelittet] haben, ist ihre Zugehörigkeit zu der von J. Bergeron aus der Montagne Noire Süd-Frankreichs beschriebenen Art doch sicher festzustellen. Wie in Süd-Frankreich, so erreichte auch hier in Sardinien die Art ganz respectable Grossen: Kopfschilder von 20—25 mm Länge liegen vor.

Der Beschreibung bei Bekgeron sind nur wenige Details hinzuzufügen (z. Th. unter Zuhilfenahme südfranzösischer Stücke, welche mir von Coulouma vorliegen).

Das Kopfschild ist mit groben, rundlichen, ziemlich dicht

') Casiano De Prado, De Vernueil et J. Barrande, Sur l'existence de la faune primordiale dans la chaine eantabrique. Bull. Bog. gt^ol. de France, (2), XVII, S. 526, t. 6, f. 1—6.

f) Illustrations of thc Fauna of the St. John Group. Transact. R. Soc. Canada, I, 1882, 1883, Sect. IV, S. 92, t 9, f. l—15; t 10, f. 16—19.

») Canadian Record, 1891, IV, S. 260.

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