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akkordirten f,',r die Richten, welche wir forderten. Man stzte uns aber ausser dem Verlangten noch Fische, Geflügel und Gebakenes vor, und schon ergoßen wir uns in das Lob unsres Wirths, als man uns die Rechnung brachte, in welcher jedes Gericht, welches man ausser dem Geforderten aufgestellt hatte, zu Z« 8«1äi per tests ") angesezt war. Als wir protestiren wollten, und uns auf unfern Akkord beriefen, fo antwortete man uns: die Herren hatten nur nichts von diesen Gerichten essen dürfen, so würden sie auch nicht mehr zu bezahlen haben. Wir sahen wohl, daß dagegen nicht viel einzuwenden war, und trösteten uns damit, daß es die lezte italienische Prellerei war.

Wir wollen heute noch nach Lugano; vorher aber die Villa Pliniana besuchen, welche nicht ferne von Como an dem See liegt. Eine Kutsche soll uns auf den Abend am Ufer erwarten, welche uns fo schnell als möglich nach Caps di Lago bringt, wo wir uns auf dem See von Lugano einschiffen werden, um in der Nacht die Ueberfarth zu machen.

*) 3« Svldi für jeden Kopf. (Ein mailänd. Solds betrögt etwas über l i/z deutsche Kreujer.

Lugano, den s. Sept.,

gestern Nachmittag um zwei Uhr fuhren wir nach der Villa Pliniana ab, wo wir nach einer guten Stunde anlangten. Hier soll der Lieblingsaufenthalt des jüngern Plinius, dessen Vaterstadt Como war, gewesen seyn, und er soll sich ein kleines Landhaus daselbst gebaut haben. Sin dem Abhang eines schrofen Felsen steht jezt ein prachtiges, geschmal'volles Gebäude, zu welchem man von dem Ufer sehr steil hinaufsteigt. Ein herrlicher Anblik! Wasserreiche Bache stürzen sich auf beiden Seiten in donnernden Cataracten herab, oder rauschen in sanften Modulationen über die Klippen. Eine Cascade wühlt sich durch einen gewölbten Gang unter dem Gebaude selbst, rauscht und fluchet in den Grotten, drangt sich durch die weiter oder enger angebrachten Canäle, scheidet sich in verschiedene kleinere Wasserfälle, und tönt ein wunderbares Concert in den vielfachsten und verschiedenartigsten Akkorden; das Echo mischt seine dnmpfe Begleitung in diese seltsame Musik. In hundertfachen Schlangenwendungen kreißen die Wasser um die Klippen, und bilden Jnselchen, welche durch kleine Brücken und Gallerien miteinander verblinden sind. Wie in einem Labyrinth irrst dn in diesen bezauberten Felsengarten. Jezt rauscht das Wasser über deinem Haupte, und zerschlägt sich in wirbelnden Staub, jezt sammelt es sich zu deinen Füßen, bricht sich in kleinere Casca, den, oder schlängelt sich im engen Bette durch die Gärten. Mit jedem Schritt, welchen du thusi, ändert sich die Aussicht auf dem schönen See. Doch das seltenste Spiel der Natur umfaßt daS Gebäude selbst. In seiner Mitte ist ein Teich, oder vielmehr ein Ocean sn mlMaturs auf vesiem Lande. Die Quelle, welche ihn füllt, fließt periodisch; sieigt und fällt nach bestimmten Gesezen. An einer genauem Beobachtung dieser Ebbe und Fluch ist ein Maasstab angebracht. Kunst und Natur wetteifern gleichfam auf diesem Punkte um den Preiß ihrer Kraft; denn die Quelle selbst ist ohne alle Verzierung, so wie sie die Natur aus ihrem Schooße goß, und das Landhaus mit den schönsten Produkten der Kunst geschmükt.- In die Mauer der Halle ist die Stelle aus einem Brief des Plinius an seinen Freund Licinius gehanen: ?ong «ritur In monte, per ssxa äecurrit, exci'rttMr cosrisriuncula ma»u tscts: idi vsulnl'^m retentns in I^srium Iscum äeciäit. lin^ns miru nstnrs: ter in tiie statis anctibus sc: 6iminutionibus cres> cit äeorescitque. Oerriitur :ci vslsm, et summa vuluvtste äevrekenäitnr. ^ux> t» recumbis et vesceris; stqne etism ex ivso fönte (nsm est friZiäissimns) r,kZtäs; interim ille certis äimensiscme momentis vel subtrakitur vel sssurzzit. 8i äiutius «Kserves, utrumczus iterum sc tertio vi» 6e«s. ?Iin. Lp. 1^. IV, 3«.

') Es entspringt da auf einem Berge eine Quelle, die über Felsklippcn Herabrinnt, und von einem kleinen künstlichen Speisesaal aufgenommen wird, wo sie ein wenig verweilt und dann in den Larischen See fließt. Diese Quelle hat ein? ganz besondere Eigenschaft an sich. Sie nimmt dreimal de,' Tags periodisch ab und zu. Man sieht dieß sehr deutlich, und kann et mit dem größten Vergnügen beobachten. Man legt sich an die Quelle hin / und speist, trinkt such wohl aus der Quelle selbst, denn sie ist sehr frisch; indessen verliert sie sich und steigt wieder empor, beides in bestimmten und abgemessenen Zeitpunkten. Sezt man die Beobachtung fort, so kann man dieselbe Erscheinung zum zweiten und drittenmal sehen.

Bei dieser Gelegenheit muß ich die Bemerkung machen; — wie kam der Mann, welcher 'aus dieser Quelle trank, und in einer so verkraus ten Feindschaft mit der Natur lebte, auf die Märtyrer Liste? Flavius behauptet, daß Ti, tns, der Schüler von Paulus, diesen berühmten Historiker auf Cr et« bekehrt habe, wo er gerade beschäftigt war, auf den Befehl Tra, jans einen Jupirerstempel zu bauen. Nachher soll er sogar in seiner Vaterstadt zum Märtyrer gemacht worden seyn. Der Bischof Esquilinus in seinem Heiligenregister erzahlt, daß Titus nach Candia gekommen, wo er das Christenthuin ohne sonderlichen Erfolg gepredigt habe, so daß er sich endlich genöthigt sah, seine Au flucht zu einem Mirakel zu nehmen. Er bete« mit Jmibrunst, stürzte hierauf das Bild der Diana um, und verwandelte es in Staub. Da diese Gottheit auf der Jnsel am andächtigsten verehrt wurde, so erweichte dieses Wunder die harten Herzen der eigensinnigen Jnsulaner, und fünfhundert derselben bekehrten sich auf der Stelle. Au gleicher Zeit gieng Titus an dem Tempel vorbei, welchen Plinins bauen ließ, verfluchte ihn, und zerstörte den Bau, welcher

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