schwefelsaurem Kalium, welches nach folgender Gleichung in alkoholischer Losung entstehen soll:

2 (Q, H6NOH) + S2 07 Ks = 2 (C0 H5NOSO3 K) + H2 O.

Hiergegen wendet sich Sonntag (Arb. a. d. Kaiserl. Gesundheitsamte, Bd. XV, 299), welcher auf Grund seiner Untersuchungen zu der Annahme kommt, daß das Chinosol ein Gemenge aus Oxychinolinsulfat und Kaliumsulfat darstellt, in welchem die beiden erwähnten Körper auch nicht einmal in molekularen Mengen enthalten sind.

Ebenso fand auch Brahm (Ztschr. f. physiol. Chemie, 28, 448), daß Chinosol weder eine Ätherschwefelsäure noch eine Sulfosäure des Chinolins ist, sondern ein Gemenge aus o-Oxychinolinsulfat mit Kaliumsulfat, und zwar aus folgenden Beobachtungen: 1. Während Sulfosäuren und Ätherschwefelsäuren gegen Alkali sehr widerstandsfähige Verbindungen sind, gelingt es, aus einer wässerigen Chinosollösung schon nach Zusatz eines schwachen Alkali (CO, Na2 oder CO, H Na) mittels Chloroform Oxychinolin abzutrennen. 2. Sulfosäuren und Ätherschwefelsäuren werden durch Chlorbaryum nicht gefällt, in einer wässerigen Chinosollösung dagegen entsteht auf Zusatz von Chlorbaryum ein reichlicher Niederschlag von Baryumsulfat. 3. Wäscht man Chinosol mit Alkohol, so hinterbleibt Kaliumsulfat. Aus dem alkoholischen Filtrat scheidet sich beim Verdunsten Oxychinolinsulfat in schönen Nadeln aus. 4. Läßt man eine konzentrierte Chinosollösung auf dem Uhrglase verdunsten, so erkennt man unter dem Mikroskop sofort Kaliumsulfatkrystalle.

Vorstehende Reaktionen konnten nun auch mit der isolierten gelben Substanz erhalten werden.

Zu einem etwas anderen Resultat hinsichtlich der Zusammensetzung des Chinosols kommt Fernau (Ztschr. d. Allg. Österr. Apotheker-Vereins, 1905, 13). Er bestimmte den Oxychinolingehalt, die Schwefelsäure und das Kaliumsulfat und äußert sich dahin, daß Chinosol offenbar ein Gemisch aus 92.7% oxychinolinsulfosaurem Kali + H2O und 7.7% Oxychinolinsulfosäure, C9H0NOSO8H, sei.

Da nach Sonntag (loc. cit.) Chinosol durch Alkohol quantitativ in Oxychinolinsulfat und Kaliumsulfat zerlegt wird, mußte sich in dem alkoholunlöslichen Pulver das Kaliumsulfat befinden. Es wurden erhalten: wasserlösliches Salz = 1.268%, darin SO3 = 0.613%, berechnet auf S04K2 = 1.333%.

Ebenso mußte der alkohollösliche, dunkle Rückstand die Oxychinolinverbindung enthalten. Er wurde mit heißem Wasser ausgezogen. Die Lösung war intensiv gelb gefärbt, trübte sich beim Erkalten und wurde beim Erwärmen wieder klar. Sie roch aromatisch safranartig. Mit Eisenchlorid wurde die Lösung dunkelgrün gefärbt, mit Baryumchlorid und Bleiacetat traten Fällungen ein. Um das Oxychinolin selbst noch nachzuweisen, wurde die wässerige Ivösung eingeengt, alkalisch gemacht und mit Wasserdampf abdestilliert. Das Destillat wurde mit Chloroform ausgeschüttelt. Nach dem Verdunsten des Chloroforms hinterblieb ein geringer Rückstand, der aus glasglänzenden, teilweise bis zu 10mm langen Nadeln bestand. Er löste sich kaum in Wasser, leicht in Alkohol, die alkoholische Lösung färbte sich mit Eisenchlorid intensiv grün. Schmelzpunkt ca. 70° C. Das Pikrat bestand aus gelben Prismen; wegen zu geringer Substanzmenge konnte jedoch der Schmelzpunkt nicht bestimmt werden.

In der Voraussetzung, daß das Chinosol aus molekularen Mengen, wie oben erwähnt, hergestellt wäre und l/2 Molekül H2O, wie meistens angenommen wird, enthielte, würden sich aus der gefundenen Menge SO4K» berechnen: — 174 : 548 = 1.333 : x — 4.20% Chinosol. Da jedoch nach Sonntags Untersuchungen eine wechselnde Zusammensetzung des Chinosols anzunehmen ist, kann die berechnete Chinosolzahl nur einen annähernd genauen Wert vorstellen. Die von den Fabrikanten empfohlene Methode der Bestimmung des Oxychinolingehaltes soll übrigens so unsicher sein, daß sie für die Entscheidung über die Zusammensetzung des Präparates nicht in Frage kommen kann.

Endlich wurde noch zum Nachweis, daß ein Teil der Schwefelsäure in organischer Bindung vorhanden' ist, ein aliquoter Teil der Stifte mit alkoholischer Kalilauge verseift und mit etwas Sodasalpeter verascht, ein anderer Teil aber ohne Alkali verascht und in beiden Aschen die Schwefelsäure bestimmt. SO, (Gesamt) = 1,603%, SOs (in der Reinasche) = 0.627%.

Der nach dem Ausziehen des Oxychinolinsulfates verbliebene pechartige dunkle Rückstand besaß einen Geruch, der an Tumenol oder Thiol erinnerte. In Wasser schien er unlöslich zu sein, er war wenig löslich in Äther, leichter in Alkohol, Benzol oder Schwefelkohlenstoff. Er hinterließ beim Veraschen keinen Rückstand, enthielt jedoch Schwefelsäure in organischer Bindung.

Eine Verseifung mit alkoholischer Kalilauge wurde auf Zusatz von H2O klar, trübte sich aber wieder beim Ansäuern. Die saure Flüssigkeit wurde mit Benzol geschüttelt, ein Teil der Substanz ging mit brauner Farbe in Lösung, ein anderer Teil schied sich ungelöst pechartig ab. Beide Teile enthielten Schwefel in organischer Bindung. Der benzolunlösliche Teil löste sich in Wasser und Alkohol auf. Eine Probe Tumenolum venale, welches bekanntlich auch in H2O unlöslich ist, wurde in derselben Weise behandelt und verhielt sich ähnlich.

Nach vorstehenden Untersuchungen sind die Estorschen Vaginalstifte aus Kakaobutter unter Zusatz von Talkum angefertigt und enthalten an wirksamen Bestandteilen Chinosol und einen bituminösen, sulfurierten, dem Tumenol ähnlichen Körper.

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Verkauf dieser Vaginalstifte seitens einer Drogen- und Kolonialwarenhandlung einen Verstoß gegen die Verordnung betreffend den Verkehr mit Arzneimitteln bedeutet.

28. Fascolsalbe. ')

Von J. Kochs.

In der „Therapie der Gegenwart", 1905, 492 berichtete Dr. P. Htith über eine neue Salbe, Unguentum Fascoli; er empfiehlt sie wegen ihrer

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fäulniswidrigen, austrocknenden und sekretionsbeschränkenden Eigenschaften zur Anwendung bei Hautkrankheiten und in der Gynäkologie (vgl. auch Apotheker-Zeitung, 1905, 919). Den wesentlichen Bestandteil soll das bituminöse Mineral Fascol ausmachen, das eine gewisse Verwandtschaft zum Ichthyol sowohl in bezug auf seine Herkunft als auch hinsichtlich seiner Wirkung besitzen soll.

Fascolsalbe wird von der chem.-pharm. Fabrik Otto Hütter-Köln a. Rhein, dargestellt. Preis für 50 g in Porzellaukruke 3 M. Unter dem Namen Fascol-Haemorrhoidal-Kapseln bringt genannte Firma außerdem die Salbe in Gelatinekapseln in den Handel. Preis für 23 Stück, ä ca. 1.25 g Inhalt, in Blechschachteln 2.30 M.

Je eine Probe dieser Packungen wurde dem Pharmazeutischen Institut zur Untersuchung übersandt. Der Inhalt der Kapseln unterschied sich äußerlich nicht von dem in der Kruke, er war nur etwas weicher.

Die Fascolsalbe stellte eine graugrünliche Masse vor von der Konsistenz einer weichen Paste mit einem schwachen eigentümlichen Geruche. Der Feinheitsgrad der nicht fettartigen Bestandteile ließ sehr zu wünschen übrig, beim Verreiben zwischen den Fingern fühlte sich die Salbe ziemlich sandig an; jedenfalls war sie von einer Beschaffenheit, wie sie vorschriftsmäßig angeriebene Salben in den Apotheken wohl kaum aufweisen dürften.

Zunächst wurde ein Teil der Salbe im Soxhletschen Extraktionsapparat mittels Äther behandelt und das Ätherextrakt mit Wasser im Scheidetrichter ausgeschüttelt. Beim Eindampfen der wässerigen Flüssigkeit hinterblieb ein weißer, krystallinischer Rückstand, der folgende Reaktionen gab: Die wässerige Lösung, mit wenig Eisenchlorid versetzt, wurde violett gefärbt; auf Zusatz von Brombromkalium entstand ein dichter gelber Niederschlag; mit überschüssiger Natronlauge und Chloroform erwärmt entstand eine schöne Rotfärbung, die durch Säurezusatz aufgehoben wurde. Der krystallinische Rückstand bestand mithin aus Resorcin. Die im Scheidetrichter verbliebene fettartige Substanz (32.(59%) war von gelbbrauner Farbe, roch erwärmt nach Wollfett, besaß die Verseifungszahl = 109.4 und gab die für Wollfett typischen Reaktionen nach Liebermann und Hager-Salkowski. Kohlenwasserstoffe wie Vaselin oder Paraffin waren nicht zugegen.

Um den Gehalt an Bitumen festzustellen, wurde der im Soxhlet verbliebene pulverförmige Rückstand, wie es z. B. auch mit Asphaltgesteinen geschieht, am Rückflußkühler mit Benzol ausgekocht, dieses dann abfiltriert und durch Destillation entfernt. Der geringe Rückstand betrug nur 0.81 °/0, er war gelbbraun und klebrig. Schwefel war in ihm nur in sehr geringen Spuren nachweisbar.

Das von der Benzolauskochung verbliebene Pulver war von gelblichgrauer Farbe. Bis auf einen geringen Anteil organischer Substanz (ca. 2%), die unter dem Mikroskop z. T. als Blattfragmente erkannt wurde, löste sich das Pulver unter starker Kohlensäureentwickelung in Salzsäure auf. Die Lösung wurde auf Zusatz von Eisenchlorid dunkelblaugrün gefärbt (Gallussäure). Neben etwas Wismut war in der Hauptsache Kalk vorhanden, ferner etwas Kieselsäure, Eisen und weniglos

J. Kochs. Fascolsalbe. — Fleur de Cologne.

Magnesia. Der Wismutgehalt, berechnet als basisch gallussaures Wismut, Dermatol, betrug 6.25%, während von Kalk, berechnet als kohlensaurer Kalk, 45.36% gefunden wurden.

Der Wassergehalt, durch Destillation mit Xylol ermittelt, betrug

etwa 0.7%.

Unguentum Fascoli ist demnach eine Salbe, welche neben 33% Wollfett etwa 6% Dermatol, etwa 2% Blattpulver, etwas Resorcin und im übrigen eine körnige, hauptsächlich aus Calciumkarbonat bestehende Mineralsubstanz enthalten dürfte. Der Gehalt an benzollöslichem Bitumen ist nur sehr gering. Da anscheinend von Seiten des Darstellers auf die bituminöse Substanz großer Wert gelegt wird, wäre es wohl auf alle Fälle richtiger, wenn an Stelle des Rohgesteins das isolierte Bitumen verwendet würde, wie es ja bei Ichthyol und ähnlichen Präparaten geschieht.

29. Fleur de Cologne.l)

Von J. Kochs.

Der nämlichen Firma, Otto Hütt er in Köln a. Rh., welche die Fascolsalbe in den Handel bringt (vgl. die vorherstehende Arbeit), entstammt auch das Haarstärkemittel „Fleur de Cologne".

Eine Originalflasche dieses Mittels Nr. 1 wurde dem Pharmazeutischen Institut zur Untersuchung übersandt. Inhalt 170 ccm, Preis 2 M. 50 Pf.

Zur dauernden Beseitigung der Schuppen und zur Verhütung von Haarausfall ist laut Gebrauchsanweisung in der ersten Woche täglich eine Einreibung der Kopfhaut mit 5—8 g Fleur de Cologne zu machen, später genügt zeitweise eine Einreibung.

Fleur de Cologne stellt eine gelblich-grüne, alkoholische Flüssigkeit dar von saurer Reaktion, vorwiegend nach Pfefferminz riechend.

Wurde der Alkohol verjagt, so krystallisierte aus dem wässerigen Rückstand ein Körper in nadelförmigen Krystallen aus, der sich leicht in Alkohol und in Äther löste, beim Erhitzen auch allmählich in Wasser. Der Schmelzpunkt betrug 156° C. Die Lösung wurde mit Eisenchlorid blauviolett gefärbt. Der Körper bestand aus Salizylsäure.

Zur gewichtsanalytischen Bestimmung wurde die Lösung vor dem Verjagen des Alkohols alkalisch gemacht, nach dem Erkalten mit verdünnter Schwefelsäure wieder angesäuert und mit Äther-Petroläther ausgeschüttelt. Es wurden 1.70% ermittelt.

Beim Auflösen des Trockenrückstandes durch Auskochen mit Wasser hinterblieb ein geringer grüner Bodensatz, der sich in Alkohol leicht auflöste. Er wurde mittels Spektroskop als aus Chlorophyll bestehend ermittelt. Eine Prüfung auf Glyzerin verlief negativ. Asche war nur in Spuren vorhanden, sie bestand aus Chloriden und Karbonaten von Alkalien.

Es ergab sich folgende Zusammensetzung, ausgedrückt in Gewichtsprozenten:

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Das Haarstärkungsmittel Fleur de Cologne ist eine rund 2°/0 Salizylsäure enthaltende Lösung in gleichen Teilen Spiritus und Wasser, die mit Chlorophyll aufgefärbt und vornehmlich mit Pfefferminzöl parfümiert ist. (Nach Angabe des Fabrikanten sollen Kräuterabkochungen Verwendung finden.)

30. Fromosasprudel.')
Von J. Kochs.

Dieses Mittel wird von der Fromosa-Gesellschaft G. m. b. H.Berlin W., 62, Lutherstraße 48/49, vertrieben und soll laut Broschüre „Der Weg zum Glück" von Leon Comte de Cerise gegen alle möglichen Leiden anwendbar sein und Wunder wirken. Der Sprudel wird als Nervenstärkungsmittel empfohlen, ferner bei Halskatarrh, Schnupfen, Rheuma, Nervosität, Erschlaffung der Haut, Ohnmacht, Erbrechen, Fußschweiß, Frostbeulen, Schuppenbildung u. 8. f. Das Mittel ist für 25 Pf., 50 Pf. und 1 M. erhältlich.

In einer flachen, eckigen Flasche zu 125 ccm befand sich eine klare, wasserhelle Flüssigkeit von alkalischer Reaktion, die einen Geruch nach

Alkohol und Menthol besitzt.

Spezifisches Gewicht 0.9810

In 100 ccm der Flüssigkeit waren enthalten:

Alkohol 17.820 g

Extrakt 0.872 „

Asche 0.770 „

Der alkalische wässerige Rückstand der Alkoholdestillation wurde mit Salzsäure titriert, wobei Kohlensäure entwich. Gehalt an Natriumbikarbonat = 0.83 g. Neben Na und CO2 wurden in der Asche geringe Mengen SO3 und Ca nachgewiesen.

Wurde Fromosa etwas angesäuert, so entstand eine Opaleszenz, die auf Znsatz von Alkohol oder beim Kochen mit Natronlauge wieder verschwindet.

Beim Eindampfen schieden sich nach dem Verjagen des Alkohols einige Tröpfchen einer öligen Flüssigkeit ab, die sich durch Konsistenz und Geruch beim Veraschen als ein Harz erwiesen.

Fromosasprudel scheint somit in der Hauptsache ein mit gewöhnlichem Wasser und etwa 22 Volumprozente haltendem Alkohol hergestellter, verdünnter Spiritus zu sein, der etwa 0.8% Natriumbikarbonat und geringe Mengen Menthol und einer harzartigen Substanz enthält.

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