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in Lösungen verwendet, so kann man ähnliche Resultate, wie beim Retzen mit der Scholz schen Phosphorsäureätze erhalten, wenn auch die Erfolge, welche bei Parallelversuchen an der k. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, sowie am k. u. k. militär- geographischen Institut erzielt wurden, zugunsten der Phosphorsäure ausfielen. Da die Verwendung der Kieselfluorverbindung durch Auflassen des Scholzschen Patentes frei geworden sein soll, so kann jeder sich dessen bedienen oder eigene Retzmixturen mittels dieser oder anderer freigegebenen Chemikalien zusammenstellen und zur Algraphie verwenden. Aber wenn auch die Rezeptur der „ Retze“ beliebig geändert wird, so ist das Verfahren dennoch nicht das (wie wir es kurz nennen wollen) „ elektrolytische“ von Strecker. Die oben erwähnte Bemerkung Silbermanns entspricht somit nicht den Tatsachen, sie ist unrichtig und irreführend.

Und nun zur Theorie des vorzüglichen Scholz schen algraphiSchen Verfahrens:

Meistens spricht man in der Fachliteratur beim algraphischen Prozeß, daß die verschiedenen „Retzflüssigkeiten“ das Aluminiummetall an der betreffenden freiliegenden Stelle „ oxydieren“ und daß dieses Oxydationsprodukt beim Feuchten der Platte Wasser aufsaugt und festhält, fette Farbe aber abstößt. Diese Erklärung kann man in ihrer Allgemeinheit gelten lassen; man darf aber nicht glauben, daß beim Scholzschen algraphischen Prozeß mit Phosphorsäure „ Aluminiumoxyd“ entsteht, sondern es entsteht „ Aluminiumphosphat“, was Scholz selbst in seiner Patentbeschreibung erwähnt, aber in der Fachliteratur nicht genügend beachtet wurde. Für einen patentrechtlichen Streitfall war es von Wichtigkeit, zu entscheiden, ob die Menge des Aluminiumphosphates selbst nach dem Drucke großer Auflagen und Wischen der Aluminiumplatte deutlich chemischanalytisch nachweisbar ist oder nicht.

Die von mir vorgenommene chemische Untersuchung!) von algraphischen Platten, welche mit Phosphorsäure geätzt waren, hatten den Druck einer Auflage von vielen hundert Exemplaren in der Schnellpresse ausgehalten; trotz des Waschens mit Wasser, Wischens und leichten Abreibens mit Baumwolle ergaben sich deutlich nachweisbare Mengen von Phosphorsäure in Form eines wasserunlöslichen, äußerst dünnen Niederschlages von Fluminiumphosphat. Diese Schicht von Aluminiumphosphat ist trotz ihrer Dünnheit fest genug, um Wasser bei den in der Algraphie üblichen Druckmethoden zu halten und das Annehmen oder Ausbreiten der fetten Farbe zu verhüten. Man muß also bei der Scholz schen algraphischen Methode mittels Phosphorsäure von der Bildung einer Schicht von wasserunlöslichem, aber wasseranziehendem Aluminiumphosphat (nicht von einer Oxydschicht im allgemeinen) sprechen, und dieser Schicht kommt die entscheidende Funktion bei diesem Druckverfahren von Aluminiumplatten zu.

1) Der Gang der chemischen Analyse war: Behandeln der Platte mit warmer, verdünnter Salzsäure bis zum Verschwinden des algraphischen Bildes, Eindampfen im Wasserbade, wiederholtes Erwärmen mit konzentrierter Salpetersäure zur Verjagung der Salzsäure, Erwärmen des Rückstandes auf 120 Grad C., Rufnehmen des Rückstandes mit wenig Salpetersäure und Prüfen des Filtrates mit Molybdänsäure-Reagens; es ergab sich eine sehr deutliche unzweifelhafte Phosphorsäure-Reaktion.

Erzielung gleichmäßig schwarzer Töne auf Gaslichtpapieren. Von Dr. Georg Hauberriß er in München.

Die sogen. Gaslichtpapiere haben in den letzten Jahren eine derartige Verbreitung gefunden, daß sie für Kontaktdrucke das Bromsilberpapier verdrängt haben, da eine eigentliche Dunkelkammer mit rotem Licht wegfällt und die Entwicklung bei derselben Lichtquelle vorgenommen werden kann, welche zum Belichten des Papieres unter dem Negativ benutzt wird. Aber auch ein Nachteil haftet den Gaslichtpapieren an: daß sehr häufig an Stelle der gewünschten rein schwarzen Töne braune und noch mehr grünliche und lehmige Töne erhalten werden; dieser Fehler tritt um so stärker auf, je mehr Bilder in einer Entwicklerflüssigkeit hervorgerufen werden.

Um das Erzielen von schwarzen Tönen zu einem sicheren zu machen, ohne den Entwickler häufig wechseln zu müssen, habe ich Versuche angestellt, um einerseits die Ursachen der Mißtöne festzustellen, anderseits um vielleicht Mittel zu finden, diese Ursachen zu beseitigen.

flle nachstehenden Versuche wurden mit dem bekannten Tulapapier durchgeführt; zu jeder Versuchsreihe wurden nur Papiere von ein und derselben Emulsion verwendet, und wurden alle Versuchskopien von dem gleichen Negativ hergestellt.

Versuchsreihe A. Um die Wirkung von Bromkali in frischem ungebrauchten Entwickler festzustellen, wurden sechs Tulakopien in Edinol-Spezialentwickler (10 ccm auf 90 ccm Wasser, 10 ccm 30prozentige Pottaschelösung), welcher für jede einzelne Tulakopie frisch angesetzt wurde, hervorgerufen, dem steigende Mengen Bromkalilösung 1: 10 – 0, 4, 8, 16, 32, 64 Tropfen – zugesetzt wurden. Während bei dem Entwickler ohne Bromkali und mit nur 4 Tropfen Bromkalilösung ein reines Schwarz erzielt wurde, zeigte sich bei stärkerem Bromkalizusatz ein deutlicher grünlicher Ton. Versuchsreihe B. Bei dieser wurden in ein und derselben Entwicklerlösung (wie oben, aber ohne Bromkali) hintereinander 25 Bilder auf Tulapapier entwickelt; der Ton war bei den ersten vier Bildern rein schwarz und ging bei den folgenden Bildern allmählich in den unschönen grünlichen über. Versuchsreihe C war eine Wiederholung der Versuchsreihe R, aber mit Metolhydrochinon-Entwickler, und war das Versuchsergebnis ähnlich wie bei R. Versuchsreihe D war eine Wiederholung der Versuchsreihe B mit Metolhydrochinon-Entwickler mit ähnlichem Versuchsergebnis. Vergleicht man die Resultate der verschiedenen Versuchsreihen, so ergibt sich, daß man für rein schwarze Töne nach der Hervorrufung von vier Bildern einen frischen Entwickler nehmen soll, obwohl man ohne Rücksicht auf den schwarzen Ton mit einem sehr geringen Quantum Entwickler 25 und noch mehr Bilder mit allen Einzelheiten hervorrufen könnte. Eing Ursache für den mißfarbigen Ton ist zweifellos der Bromkaligehalt, wie sich aus den Versuchsreihen A und C ergibt. Durch Rnalyse wurde nun festgestellt, daß der Bromkaligehalt im Edinol-Spezialentwickler, in welchem 25 Tulakopien 9 × 12 cm hervorgerufen wurden, und im Metolhydrochinon-Entwickler, in welchem die gleiche Zahl Bilder entwickelt wurden, nur um 0,2l bezw. 0,19 g zunahm. Da aber 64 Tropfen zehnprozentiger Bromkalilösung ziemlich genau 5,5 ccm und mithin 0,55 g festem Bromkali entsprechen und da ferner der grüne bei Versuch A 6 mit 64 Tropfen Bromkali erhaltene Ton trotz des fast dreimal höheren Bromgehaltes lange nicht so häßlich war, wie bei den letzten Bildern der Versuchsreihen C und D, sondern etwa gleich war mit dem zehnten Bilde (mit einem ungefähren Bromkaligehalt von 0,08 g), so ergibt sich, daß der Bromkaligehalt allein nicht die Hauptursache des Mißtones sein kann. Da auch die Kraft des Entwicklers nur wenig durch das Entwickeln von 25 Bildern geschwächt war, so war es nicht unwahrscheinlich, durch Zusätze zum Entwickler eine größere Anzahl von Kopien mit rein schwarzem Ton hervorrufen zu können. Nach verschiedenen Versuchen fand ich eine solche Substanz im dreibasisch phosphorsauren Natron; stellt man davon eine zehnprozentige Lösung her und setzt davon fünf Tropfen vor der Entwicklung eines neuen Bildes dem Entwickler zu, so kann man mit 10 ccm konzentriertem Edinolentwickler hintereinander mit Leichtigkeit 25 Bilder auf Tula- oder einem anderen Gaslichtpapier 9 × 12 hervorrufen. Der Zusatz von dreibasisch phosphorsaurem Natron hat zur Folge, daß alle 25 Bilder einen schönen schwarzen Ton erhalten und daß die Entwicklungsdauer immer gleich bleibt. Man kann sogar die Entwicklungsdauer als Maßstab für die Menge des zuzusetzenden phosphorsauren Natrons nehmen; geht (bei richtiger Belichtungszeit) die Entwicklungszeit rascher vor sich, so kann man das nächste Mal den Zusatz weglassen, geht sie zu langsam vor sich, so kann man den Zusatz auf 10 Tropfen steigern. Wichtig ist, daß man reines dreibasisch phosphorsaures Natron verwendet, da das gewöhnliche Natriumphosphat diese Wirkung nicht ausübt.

Es ist selbstverständlich, daß der beschriebene Zusatz von dreibasisch phosphorsaurem Natron mit mehr oder weniger günstigem Erfolge auch bei anderen für Entwicklungspapiere erprobten Vorschriften angewendet werden kann; eine allgemein gültige Vorschrift läßt sich jedoch nicht angeben, da bei einzelnen Entwicklerrezepten schon ein Zusatz von drei Tropfen der phosphorsauren Natronlösung genügt, während bei anderen eine weit größere Menge erforderlich ist.

Ueber Doppeldruck.
Von A. C. Angerer in Wien.

Wohl auf keinem technischen Gebiete wirken Erfindungen so anregend, als in der Reproduktionstechnik, wo jede Neuerung, die zunächst dem einen Verfahren zugute kommt, dann auch gewöhnlich eine Vervollkommnung der übrigen Methoden im Gefolge hat.

Die von Karl Kliè zur Erleichterung des Schnellpressentiefdruckes eingeführte Rasterheliogravüre – unter dem Namen Rembrandt-Heliogravüre, Mezzotintogravüre, Intagliodruck bekannt – hat z. B. der Papier- und Farbenfabrikation die sehr schätzenswerte Anregung gegeben, auch für den Buchdruck Materialien zu erzeugen, welche ebensolche künstlerische Wirkungen bieten.

Man ist nachgerade des ewigen Glanzes des gestrichenen Papieres müde geworden und will nicht mehr beim Betrachten eines Bildes durch den Reflex von Papier und Farbe geblendet werden.

Die Einführung des matten Kunstdruckpapieres, wie es jetzt in den Handel gebracht wird, und ebenso der für diese Papiergattung nötigen ITlattfarben hat sofort dem Doppeldruck – auch Duplexautotypie oder Autotypie mit photographischer Tonplatte genannt – zu einem sehr bedeutenden Fortschritt verholfen. Das künstlerische so satt und doch nicht derb wirkende ITlattschwarz oder Mattbraun der Tiefen, wie es bisher nur der Heliogravüre eigen war, wirkt, namentlich in Verbindung mit einem Tonunterdruck, so vorzüglich fein und künstlerisch vornehm, daß man vor kurzem wohl noch nicht gedacht hätte, auch auf der Buchdruckpresse solche Resultate erreichen zu können. Der Doppeldruck läßt sich aber auch beim Vierfarben-Buchdruck mit Erfolg anwenden. Wenn jeder Farbe eine Tonplatte vorangeht, wird in den Mitteltönen das weiße Papier derart verdeckt, daß fast gar keine Linientechnik zu bemerken ist. Der Druck gewinnt durch diese Unterlegung an Weichheit der Wirkung in den Uebergängen und auch an Kraft in den Tiefen. Freilich erhöhen sich durch die Verwendung von Tonplatten auch die Kosten, aber es kommen ja doch Fälle vor, wo sich Kunstverleger nicht mehr mit dem bloßen Drei- oder Vierfarbendruck begnügen wollen und auch im Buchdruck nach außergewöhnlichen Reproduktionen verlangen. Nach dieser Art ist z. B. das dem vorliegenden Jahrgang dieses Jahrbuches beigeheftete Farbenbild der Firma C. Angerer & Göschl, und zwar in sieben Platten hergestellt.

Neue Apparate für Photochemie.
Von Fritz Köhler in Leipzig.

Johann Plotnikow konstruierte einen Lichtthermostat für Untersuchungen von Reaktionen bei konstantem, monochromatischem Lichte und konstanter Temperatur, welcher in der „Zeitschrift f. phys. Chem.“ 1907, Bd. 58, S. 214, beschrieben ist und sich besonders für die Untersuchungen eignet, bei welchen die Lichtabsorption sehr gering ist. Im Reaktionsgefäß A (Fig. 69) befindet sich (unten) ein Glasschwimmer s, als Isolierung der Reaktionsflüssigkeit gegen Luft. A ist vom Glasmantel umgeben, in dessen unteres Ansatzrohr fließt das Wasser des Thermostaten F hinein, fließt aus a aus und wird mittels der Pumpe P wieder zum Thermostaten F gehoben. Das Wasser kann mittels Farbstoffs so gefärbt sein, daß es nur Strahlen von irgend einer Wellenlänge der Uviollampe durchläßt. Der Zufluß wird mittels des Ventils v reguliert. Im LT sind acht solcher

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