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schieden. Während Th. Pinches dieses Zeichen Iah, lag, laga lesen will, jedoch auf vielseitigen Widerspruch damit gestofsen ist, schlägt F. H o m m e 11 die Lesung dug vor, der nicht wenige Gelehrte beigetreten sind 2. Die Vertreter dieser beiden Lesarten verteidigen die Identität von Kukukumal und Kudurlagamar.

Anders ist der Vorschlag von F. E. P eis er3, der jede Möglichkeit, hier Kudurlagamar zu lesen, entschieden zurückweist. Er leugnet namentlich, dafs das letzte Zeichen mal zu lesen sei und schlägt dafür bit vor, für das dritte ku, sodann tur, so dafs nach ihm der Name Kudurturbit gelautet haben kann. Diese Hypothese mufs jedoch zurückgewiesen werden. Die genaue Wiedergabe der Namen bei L. W. King sowie die erwähnte Photographie bei C. J. Ball lassen für die letzte Silbe keine andere Lesung als mal zu, und für die Berechtigung, das dritte ku tur zu lesen, fehlen bei Peiser die Beweise. Die Lesart Kukukumal steht zweifellos fest, neben der Variation Kukukukumal. Wie von diesen zwei Namen auf Kudurlagamar zu kommen ist, dafür bestehen die obenerwähnten zwei Versuche. Nimmt man das dritte ku für dug, so ist die Annahme eines Schreibversehens für Kukukukumal nicht mehr unbedingt notwendig, da man alsdann Kudurdugmal neben Kudurduggumal lesen könnte. Dugmal bezw. duggumal wäre alsdann blofse Variante für Lagamar*.

Elam (Db1":») ist erst durch die in den letzten Jahren auf Kosten der französischen Regierung unternommenen Ausgrabungen bekannt worden; bis dahin erlaubten die dürftigen Nachrichten, über die man verfügte, nicht, sich eine richtige Vorstellung von diesem Reiche zu machen. Ursprünglich5 bestand das Reich Elam aus zwei Gebieten, das eigentliche Elam oder Nim(ki), Nimma(ki) und das Gebiet von Susa,

» in PSBA 1896, p. 24.

• Vgl. H. Radau 1. c. p. 32; C. F. Lehmann a. a. O. S. 82. 207 f. 3 Studien zur orientalischen Altertumskunde S. 15.

* H. Radau 1. c. p. 286.

5 P. V. Scheil, Textes elamites-semitiques, 1TM serie, p. ix. 76.

dessen Name Bara'se oder Bara'sim(ki) gewesen zu sein scheint; jedoch umfafste schon früh die Bezeichnung Elana heide Gebiete, dessen Teile nun Elam-Sipar(ki) und Susiana waren. Die Bewohner Elams waren anfänglich Semiten, ihre Sprache semitisch, wie dies die zahlreichen in Susa gefundenen Texte beweisen; es bewahrheitet sich somit die von der negativen Kritik verworfene Aussage 1 Mos. 10, 22, dafs Elam der älteste Sohn des Sem war1.

Elam bezeichnet die äufserste Ausdehnung der Semiten nach Osten; es erklärt sich daraus das Vorkommen in Elam eines nichtsemitischen Stammes, der AnSaniter oder Anzaniter. Mit dem Mächtigwerden dieses Volkes wurde auch die Einteilung Elams eine andere; seine zwei Bestandteile hiefsen fortan Anzan und Susiana. Wann die Anzaniter in das semitische Elam eingedrungen sind, will P. Scheil nicht entscheiden, jedenfalls sehr früh; er rechnet sogar mit der Möglichkeit, dafs die umgekehrte Keihenfolge stattgefunden haben kann, dafs nämlich die Semiten in ihrem Vordringen nach Osten die Anzaniter vielleicht schon vorgefunden haben2. Denn bereits in der ältesten Zeit wechseln semitische und anzanitische Inschriften; wie sich denn auch schon Dungi III.3 rühmt, das Land Anzan verwüstet zu haben. Diese Frage kann erst sachgemäfs beantwortet werden, wenn der versprochene zweite Teil seines epochemachenden Werkes von P. Scheil veröffentlicht ist, da derselbe die elamitisch-anzanitischen Inschriften enthalten wird. Dafs Anzan ein integrierender Bestandteil Elams war, zeigt die Thatsache, dafs das Wort Nim (Elam) wie mit andern elamitischen Provinzen so auch mit Anzan verbunden vorkommt, als Nim Anzan(ki)*.

Gegen 1 Mos. 10, 22 wurde ständig hervorgehoben, dafs die vielen nichtsemitischen Namen aus der Geschichte Elams

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eine semitische Abstammung der Elamiten ausschliefsen. Nach der Veröffentlichung der Scheilschen Texte zeigt es sich, dafs die bisherige Auffassung der Geschichte Elams eine falsche war1. Die Elamiten (Semiten und Anzaniter) standen um das Jahr 30002 unter einem Patesi, der die chaldäische Oberherrschaft anerkannte. Mit 2280 hört nach Scheil die Zeit der Patesi auf; den Elamiten gelingt es nicht blofs, sich unabhängig zu machen, sondern auch einen Grofsstaat zu gründen, der bis an das Mittelmeer sich ausdehnte3. Und zwar war in der Zeit von 3000 bis 2280 die semitische Bevölkerung Elams den Anzanitern erlegen, wie schon der Name des Gründers des elamitischen Grofsreiches, Kudurnanhundi, zeigt. Die Herrschaft der Elamiten (Anzaniter) dauerte bis Chodorlahomor, der von Hammurabi besiegt wurde. Hammurabi unterwarf Elam, wie eine in Susa gefundene Inschrift zeigt*. Das semitische Element ist jetzt schon in Elam so zurückgedrängt, dafs die anzanitische Sprache die vorherrschende ist, und dafs Elam von da an bis zum Siege Assurbanipals der gröfste Feind der semitischen Babylonier ist, mit denen es mit abwechselndem Glücke in fortwährendem Kampfe liegt. Die Elamiten (Anzaniter) verschwinden allmählich aus der Geschichte; aber noch aus der Achämenidenzeit giebt es einzelne offizielle Inschriften in anzanitischer Sprache.

IT. Thadal, König der Völker.

Für Thadal (b"m) wurden vor dem Bekanntwerden der Fragmente Spartoli verschiedene, sehr voneinander abweichende Erklärungsversuche gegeben. Von der Septuaginta, Qocp-yaT.,

1 Mit vollem Rechte beginnt P. Scheil sein Werk mit den Worten: .,Ici commence l'histoire du pays d'EIam" (p. vn).

! P. Scheil ist geneigt, der Ansicht C. F. Lehmanns beizutreten und das Naramsin-Datum um tausend Jahre herunterzurücken (vgl. 1. c. p. xi).

3 Im fünften Abschnitte werde ich die Gründe bringen, die mich bestimmen, die Gründung des elamitischen Grofsreiches auf die Zeit um 2180 anzusetzen.

* P. V. Scheil 1. c. p. 83—85.

ausgehend, brachte F. Finzi1 den Namen in Beziehung mü dar, „dauerhaft" oder „die Festung", und Gula, dem Namen einer babylonischen Göttin. Andere Forscher2 wollten darin die sumerische Bezeichnung Tourgal oder Thurgal, „grofser Häuptling", finden. Gegen diese Ableitung polemisiert J. Halevy3 und kommt zu dem Resultate, dafs es vorderhand nicht möglich ist, über diesen fremden Namen sich klar zu werden; auch E. Schrader* enthält sich bezüglich dieses Namens jeder Vermutung.

Die Sachlage änderte sich, wie das Heldengedicht Spartoli den Namen Tu-ud-hu-la aufwies. Von rein philologischem Standpunkte erklärte E. Schrader5 die Gleichung Tuudhula = bs-n einwandfrei; die Übereinstimmung beider Namen ist eine auffallende und hat allgemein Beifall gefunden. Eine Folge der Auffindung des Namens Tuudhula ist, dafs die Lesart der Septuaginta öotpyoiX als eine ungenaue bezeichnet werden mufs, die wohl so zu erklären ist, dafs den Septuagintaübersetzern der alte babylonische Name unverständlich geworden war.

Wenn die sprachliche Möglichkeit einer Gleichsetzung von Tuudhula und bsin meist zugestanden wird, so ist dies nicht mehr der Fall, sobald es sich darum handelt, in dem Tuudhula des Epos Spartoli die geschichtliche Persönlichkeit zu erkennen, wie sie uns 1 Mos. Kap. 14 vorgeführt wird. Die Einwände, die diesbezüglich gemacht werden6, sind jedoch äufserst geringfügig. Von keinem Belang ist das besonders wichtig sein sollende Fehlen des Königstitels. Da das Epos nur bruchstückweise erhalten ist, und da namentlich Spartoli III. 2, welches den Namen Tuudhula enthält, in sehr schlechtem

1 Ricerche per lo studio dell' Antichita assira p. 205.

2 Siehe bei G. Maspero, Hist. anc. II, 49; F. Vigouroux, La Bible et les dec. modernes I, 495.

3 Recherches bibliques I, 353 s.

* Die Keilinschriften und das Alte Testament S. 137.

5 Über einen altorientalischen Herrschernamen S. 962.

6 Von L. W. King (1. c. I, p. Liii) werden dieselben in zusammenhängender Form vertreten.

Zustande sich befindet, beweist das Fehlen des Königstitels an sich vorderhand nichts. Berücksichtigt man aber die ganze Haltung des Gedichtes, das die Verherrlichung Hammurabis bezweckt, so ist notwendig zu schliefsen, dafs die vorgeführten Personen nicht gewöhnliche Sterbliche sind, sondern solche, die neben Hammurabi und dem Elamiten als Träger weltlicher Macht an dem Kampfe teilnahmen. Die Identifikation wird nicht, wie L. W. King meint, unmöglich dadurch, dafs wir nichts Zusammenhängendes über Tuudhula im Epos erfahren, denn die erhaltenen Bruchstücke reichen dazu aus, um uns einen allgemeinen Blick über den Gang der geschilderten Begebenheiten zu geben. Wenn schliefslich L. W. King sagt, dafs, selbst wenn Tuudhula und bsnn identisch wären, damit noch nicht bewiesen wäre, dafs dieser bs-in derjenige von 1 Mos. Kap. 14 sei, so richtet sich diese Behauptung von selbst. Der Name Tuudhula kann allerdings von vielen getragen worden sein. Die geschichtliche Lage jedoch, wie sie durch die Herrschaft der Elamiten und die siegreiche Erhebung Hammurabis gegeben ist, zwingt zur Annahme, dafs Tuudhula nur der 1 Mos. Kap. 14 erwähnte König b:nn sein kann. Eine politische Konstellation mit diesen vier Königen und mit diesem Wechsel des Trägers der Macht kann nur einmal eintreffen.

-[bn wird von der Vulgata mit „rex gentium" übersetzt, was keinen klaren Sinn giebt, auch die Septuaginta hat iövüiv. Mit Rücksicht auf diese Ubersetzungen wurde vor einiger Zeit der Vorschlag gemacht 1, *jb» mit sar kissati zu übersetzen2. Dadurch wurde der einzige Herrscher be

1 F. E. Peiser, Studien zur oriental. Altertumskunde S. 14.

2 Die Gleichung sar kiäSati == König von Mesopotamien ist die Lieblingstheorie H. Wincklers und wird in seinen Werken bis zur Ermüdung vorgeführt. Wenn F. E. Peiser a. a. O. sagt, dafs diese Theorie weiterer Stützen entraten kann, so ist das eine etwas optimistische Ansicht. Es könnte äar kissati gleich §ar kiS sein, „König von Kisch", und die später festgehaltenen Ansprüche auf den Machtbereich der Könige von Kisch bedeuten. Vgl. H. Radau, Early Babylonian History p. 126. 164; W. Mufs-Arnolt a. a. O. S. 454.

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