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Vcrmahlungsfeier des Prinzen von Bearn heranrückte. Diese erlitt indessen einen unerwarteten Aufschub durch den Tod der Königin Johanna, die wenige Wochen nach ihrem Eintritt in Paris schnell dahinstarb. Das ganze vorige Mißtrauen der Calvinisten erwachte auf's Neue bei diesem Todesfall, und es fehlte nicht an Verninthungen, daß sie vergiftet worden scy. Aber da auch die sorgfältigsten Nachforschungen diesen Verdacht nicht bestätigten, und der König sich in seinem Betragen völlig gleich blieb, so legte sich der Sturm in kurzer Zeit wieder.

Coligny befand sich eben damals auf seinem Schloß Chatillon, ganz mit seinen Licblingsentwürfen wegen des niederländischen Krieges beschäftigt. Man sparte keine Winke, ihn von der nahen Gefahr zu unterrichten, und kcin Tag verging, wo er sich nicht von einer Menge warnender Briefe verfolgt sah, die ihn abhalten sollten, am Hofe zu erscheinen. Aber dieser gutgemeinte Eifer seiner Freunde ermüdete nur seine Geduld, ohne seine Uebcrzeugung wankend zu machen. Umsonst sprach man ihm von den Truppen, die der Hof in Poitou versammelte, und die, wie man behauptete, gegen Rochelle bestimmt scyn sollten; er wußte besser, wozu sie bestimmt waren, und versicherte seinen Freunden, daß diese Rüstung auf seinen eigenen Rath vorgenommen werde. Umsonst suchte man ihn auf die Geldanleihen des Königs aufmerksam zu machen, die auf eine große Unternehmung zu deuten schienen; er versicherte, daß diese Unternehmung keine andere scy, als der Krieg in den Niederlanden, dessen Ausbruch heran nahe, und

worüber er bereits alle Maßregeln mit dem Könige getroffen habe. Es war wirklich an dem, daß Karl IX. den Vorstellungen des Admirals nachgegeben, und — war es entweder Wahrheit oder Maske — sich mit England und den protestantischen Fürsten Deutschlands in eine förmliche Verbindung gegen Spanien eingelassen hatte. Alle dergleichen Warnungen verfehlten daher ihren Zweck, und so fest vertraute der Admiral auf die Red' lichkeit des Königs, daß er seine Anhänger ernstlich bat, ihn fortan mit solchen Hinterbringungen zu verschonen.

Er reiste also zurück an den Hof, wo bald darauf im August 157S das Beilager Heinrichs — jetzt Königs von Navarra — mit Margaretha von Valois, unter einem großen Zufluß von Hugenotten und mit könig, lichem Pompe gefeiert ward. Sein Eidam, Teligny, Rohan, Rochefoucauld, alle Haupter der Calvinisten waren dabei zugegen, alle in gleicher Sicherheit mit Coligny, und ohne alle Ahnung der nahe schwebenden Gefahr. Wenige nur erriethen den kommenden Sturm, und suchten in einer zeitigen Flucht ihre Rettung. Ein Edelmann, Namens Langoiran, kam zum Admiral, um Urlaub bei ihm zu nehmen. «Warum denn aber jetzt?« fragte ihn Coligny voll Verwunderung. «Weil man Jhnen zu schön thut,« versetzte Langoiran, «und weil ich mich lieber retten will mit den Thoren, als mit den Verstandigen umkommen.«

Wenn gleich der Ausgang diese Vorhersagungen auf das Schrecklichste gerechtfertigt hat, so bleibt es dennoch unentschieden, in wie weit sie damals gegründet waren. Nach dem Berichte glaubwürdiger Zeugen war die Gefahr damals größer für die Guisen und für die Königin, als für die Rcformirten. Coligny, erzählen uns jene, hatte unvermerkt eine solche Macht über den jungen König erlangt, daß er es wagen durfte, ihm Mißtrauen gegen seine Mutter einzuflößen, und ihn ihrer noch immer fortdauernden Vormundschaft zu entreißen. Er hatte ihn überredet, dem flandrischen Krieg in Person beizuwohnen und selbst die Viktorien zu erkämpfen, welche Katharina nur allzugern ihrem Liebling, dem Herzog von Anjou, gönnte. Bei dem eifersüchtigen und ehrgeizigen Monarchen war dieser Wink nicht verloren, und Katharina überzeugte sich bald, daß ihre Herrschaft über den König zu wanken beginne.

Die Gefahr war dringend, und nur die schnellste Entschlossenheit konnte den drohenden Streich abwenden. Ein Eilbote mußte die Guisen und ihren Anhang schleunig an den Hof zurückrufen, um im Nothfall von ihnen Hülfe zu haben. Sie selbst ergriff den nächsten Augenblick, wo ihr Sohn auf der Jagd allein war, und lockte ihn in ein Schloß, wo sie sich in ein Kabinet mit ihm einschloß, mit aller Gewalt mütterlicher Beredsamkeit über ihn hersiel, und ihm über seinen Abfall von ihr, seinen Undank, seine Unbesonnenheit die bittersten Vorwürfe machte. Jhr Schmerz, ihre Klagen erschütterten ihn; einige drohende Winke, die sie fallen ließ, thaten Wirkung. Sie spielte ihre Rolle mit aller Schauspielerkunst, worin sie Meisterin war, und es gelang ihr, ihn zu einem Geständniß seiner Uebereilung zu bringen. Damit noch nicht zufrieden, riß sie sich von ihm los, spielte die Unversöhnliche, nahm eine abgesonderte Wohnung und ließ einen völligen Bruch befürchten. Der junge König war noch nicht so ganz Herr seiner selbst geworden, um sie beim Wort zu nehmen und sich der jetzt erlangten Freiheit zu erfreuen. Er kannte den großen Anhang der Königin, und seine Furcht malte ihm denselben noch größer ab, als er wirklich seyn mochte. Er fürchtete — vielleicht nicht ganz mit Unrecht — ihre Vorliebe für den Herzog von Anjou und zitterte für Leben und Thron. Von Rathgebern verlassen, und für sich selbst zu schwach, einen kühnen Entschluß zu fassen, eilte er seiner Mutter nach, brach in ihre Zimmer, und fand sie von seinem Bruder, von ihren Höflingen, von den abgesagtesten Feinden der Reformirten umgeben. Er will wissen, was denn das neue Verbrechen scy, dessen man die Hugenotten beschuldigt; er will alle Verbindungen mit ihnen zerreißen, sobald man ihn nur überführt haben werde, daß ihren Gesinnungen zu mißtrauen scy. Man entwirft ihm das schwärzeste Gemälde von ihren Aumassungen, ihren Gewaltthätigkciten, ihren Anschlägen, ihren Drohungen. Er wird überrascht, hingerissen, zum Stillschweigen gebracht, und verläßt seine Mutter mit der Versicherung, inskünftige behutsamer zu verfahren.

Aber mit dieser schwankenden Erklärung konnte sich Katharina noch nicht beruhigen. Dieselbe Schwäche, welche ihr jetzt ein so leichtes Spiel bei dem Könige machte, konnte eben so schnell und noch glücklicher von den Hugenotten benutzt werden, ihn ganz von ihren Fesseln zu befreien. Sie sah ein, daß sie diese gefahrlichen Verbindungen auf eine gewaltsame und unheilbare Weise zertrennen müsse, und dazu brauchte es weiter nichts, als den Empörungsgcist der Hugenotten durch irgend eine schwere Beleidigung aufzuwecken. Vier Tage nach der Vermahlungsfeier Heinrichs von Navarra geschah aus einem Fenster ein Schuß auf Coligny, als er eben vom Lonvre nach seinem Hause zurückkehrte. Eine Kugel zerschmetterte ihm den Zeigefinger der rechten Hand, und eine andere verwundete ihn am linken Arm. Er wies auf das Haus hin, woraus der Schuß geschehen war; man sprengte die Pforten auf, aber der Mörder war schon entsprungen.

Coligny's Schutzgeist, möchte man sagen, hatte nun das Letzte gethan, um diesen großen Mann, durch jenen meuchelmörderischen Angriff gewarnt, seinem Schicksal zu entreißen. Allein, wer entflieht diesem? Oder vielmehr: unterliegt nicht der bessere Mann, wenn man sich gegen ihn Alles, selbst Treulosigkeiten, erlaubt, welche sich zu denken Er unfähig ist, mit größerm Ruhm, als wenn Er solchen Schlingen entgangen wäre?

Coligny fühlte, und seine ganze Partei, wie durch einen elektrischen Schlag, empfand es mit ihm, daß mitten in der tiefsten Friedensstille, da erst seit vier Tagen durch die Vermahlung Heinrichs vvn Navarra mit der Schwester Karls IX. die Parteien der Häuser Valois und Bombon, den Guisen zum Trotz, vordem Brautaltar sich die Hände gereicht zu haben schienen, eine gifthauchende Schlange auf ihn und die Scinigen laure. Es war ihr diesmal nicht, wie sie wollte, gelungen, aus ihrem Hinterhalt in Jhm das Haupt der

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