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„Dünken dich, mcin zarter Knabe,
Schon des Mädchens Worte furchtbar? —
Sieh den Franken! — willst du Schutz nicht
Unter meinem Mantel suchen?" —

„„Unverhohlen, was begehrst du?
Eh' ich solche Schmach erdulde,
Will ich jede That begehen,
Gehen selber dann zu Grunde!"" —

„Dieser kommt im Glanz der Waffen
Und vertrauet seiner Iugend;
Bist ein Spanier du, beweis es, —
Nieder mit dem stolzen Buben!" —

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„„Nicht ihr, Franken, gebt den Tod mir
Nicht um Sühne muß ich bluten,
Weil ich Spaniens Boden schmückte
Mit dem ihm verfall'nen Purpur.

Nein, ich trag' in meinem Herzen
Schweigsam schon die Todeswunde;
Meine Herrin hat gerichtet,
Meine Stunde hat gerufen!"" —

Also sang er vor der Fronte,
Als die Augen ihm verbunden;
Auf den Wink des Führers sank er,
In dem Herzen sieben Kugeln.

Nächtliche Fahrt.

^n Purpur pranget der Abend, Der Landwind hebet schon an;

Zur Lustfahrt ladet der Fischer

Dich, Mädchen, in seinen Kahn. —

Noch heißer begehr' ich selbander
Mit dir zu fahren, als du.

Gieb voll das Segel dem Winde,

Es kommt zu steuern mir zu. —

Du steuerst zu kühn, o Mädchen,
Hinaus in das offene Meer;

Du trauest dem leichten Fahrzeug
Bei hohen Wellen zu sehr. —

Mißtrauen sollt' ich dem Fahrzeug?

Ich habe dazu nicht Grund, Die einst ich deiner Treue

Getrauet in böser Stund'. —

Unsinnige, wende das Ruder!

Du bringest uns Beide in Noth; Schon treiben der Wind und die Wellen

Ihr Spiel mit dem schwachen Boot.

Laß treiben den Wind und die Wellen
Mit diesen Brettern ihr Spiel;

Hinweg mit Rudern und Segel,
Hinweg! ich bin am Ziel.

Wie du mich einst, so hab' ich

Dich heut' zu verderben berückt;

Mach' Frieden mit dem Himmel,

Denn siehe, der Dolch ist gezückt.

Du zitterst, verworsner Betrüger,
Vor dieses Messers Schein?

Verrathene Treue schneidet

Noch schärfer in's Herz hinein.

Und manche betrogene Buhle
Härmt stille zu Tode sich:

Ich weiß nur, mich rächend, zu sterben,
Weh' über dich und mich! —

Der Iüngling rang die Hände,
Der eigenen Schuld bewußt;

Sie stieß den Dolch in das Herz ihm,
Und dann in die eigene Brust.

Es trieb ein Wrack an das Ufer
Bei wiederkehrender Fluth,

Es lagen darauf zwei Leichen,
Gebadet in ihrem Blut.

Die Sterbende.

Reläute schallt vom Thurm herab,
Es ruft der Tod, es gähnt ein Grab.
Ihr sünd'gen Menschen, zum Gebet!
Ein gleiches Loos bevor euch steht.

Im Sterben liegt ein schönes Weib,
Sie weint um ihren jungen Leib,
Sie weint um ihre sünd'ge Lust,
Sie ringt die Hände, sie schlägt ihre Brust.

Es harrt des Ausgangs ihr Gemahl,
Blickt starr und kalt auf ihre Qual;
Sie windet sich in dieser Stund'
Zu seinen Füßen, sie öffnet den Mund:

Vergieb mir, Gott, in deiner Huld,
Vergieb, Gemahl, mir meine Schuld;

t Ich klag' es an in bitt'rer Reu',

Weh' mir! ich brach geschwor'ne Treu'. —

„Vertrauen ist Vertrauen werth,

Und machst du mir kund, wie du mich entehrt,
So mach' ich dir kund in deiner Noth,
Du stirbst am Gift, das ich dir bot."

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