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L Bericht über die konstituierende Versammlung der deutschen Gesellschaft für Urologie am 16. September 1906 in Stuttgart.

Die Versammlung wurde durch Herrn Wossidlo-Berlin eröffnet, der Herrn Professor Dr. Oberlaender-Dresden als Ältesten der Anwesenden zum Vorsitzenden vorschlug. Dieser, durch allgemeinen Beifall gewählt, übernahm den Vorsitz.

Anwesend waren die Herren: Baer-Wiesbaden, Berg-Frankfurt a. M., Bernstein-Cassel, Bloch-Berlin, Casper-Berlin, Federer-Teplitz, Frank-Berlin, von Frisch-Wien, Fritz-Wildungen, Goldberg-Wildungen-Cöln, Hock-Prag, J о о ss-München, Kapsammer-Wien, Karo-Berlin, Kaufmann - Frankfurt а. M., Kiel leuthner-München, Kutner-Berlin,A.Le vin -Berlin, H. Le winBerlin, Loewenhardt-Breslau, Lohnstein-Berlin, MankiewiczBerlin. Meyer-Wildungen-Berlin, Mü 11 er-Nürnberg, van NüfsBrückenau, Oberlaender-Dresden, Posner-Berlin, Ries-Stuttgart, Seelig-Königsberg, Si m on-Karlsruhe, Suter-Basel, F. Schlagintweit-München, Schroeder-Aachen, St ein-Stuttgart, Tholeu-Köln, Wildbolz-Bern, Wossidlo-Berlin, Zenzes-Köln.

Der Vorsitzende, Herr Oberlaender, hielt zunächst folgende Ansprache:

Meine Herren!

Nach dem Beschlüsse des Ausschusses der zu gründenden „Deutschen Gesellschaft für Urologie" übernehme ich als ältestes Mitglied desselben den Vorsitz in dieser Versammlung.

Ich danke Ihnen zunächst herzlichst für Ihr Erscheinen, insbesondere heifse ich die Herren aus Österreich-Ungarn und der Schweiz herzlich willkommen und hoffe, dafs ein günstiger Stern, der unser Vorhaben zu gutem Gelingen bringen möge, uns hier zusammengeführt hat.

Unser Plan, eine deutsche urologische Gesellschaft zu gründen, ist nicht neu. Es werden jetzt genau zehn Jahre, ebenfalls bei Gelegenheit einer Naturforscherversammlung zu Prankfurt a. M., als 10—15 Urologen zu einer Sitzung* zusammentraten, um einer solchen Gründung näher zu treten. Indessen blieb es bei dieser einen Sitzung, das Protokoll hierüber habe ich auch lange auibewahrt und es schliesslich eiuem sich dafür interessierenden Herrn übersandt. In den weiteren zehn Jahren ist viel über unsere Gründung gesprochen worden, ohne dafs etwas zur Tat Heranreifendes geschah.

Ich habe nicht nötig, Ihnen hier auseinander zu setzen, wie berechtigt gerade die deutschsprechenden Urologen zur Gründung einer eigenen Gesellschaft sind, da eben von diesen Ländern aus die epochemachenden Entdeckungen, welche die Spezialdisziplin der Urologie schufen, ausgegangen sind. Die französische und amerikanische Nation sind uns schon lange mit der Gründung einer solchen Gesellschaft vorangegangen; um so -richtiger und wichtiger soll es für uns erscheinen, denselben Weg zu betreten und rüstig auf demselben vorwärts zu schreiten. Die Urologie ist unter den medizinischen Spezialfächern die jüngste, ihre wissenschaftlichen Erfolge nichtsdestoweniger sehr beachtenswert, unsere Literatur legt hiervon beredtes Zeugnis ab. Ich erinnere mich wohl noch der Zeit, wo es nur wenige Urologen in Deutschland gab; im Laufe der Jahrzehnte ist es aber, wie Sie wissen werden, durchaus anders geworden. Wir haben uns dabei allmählich und sicher, unabhängig von jeder andern Disziplin, auf eigene Füfse und fest zu stellen gewufst, und diese unsere Stellung soll heute durch unsere Gründung nach aufsen hin dokumentiert werden.

Was wir mit dieser Gründung bezwecken, habe ich nicht nötig, einem der Anwesenden auseinander zu setzen, wir wollen unsere wissenschaftlichen Bestrebungen konzentrieren und durch persönliche Aussprache Meinungen und Erfahrungen austauschen.

Ehe wir in die eigentlichen Verhandlungen eintreten, habe ich als Vorsitzender eine grofse Bitte an Sie zu richten. Es ist bei einer so grofsen Anzahl von Interessenten — und das wärmste Interesse setze ich bei jedem von uns für unseren Gegenstand voraus — selbstverständlich, dafs eine Anzahl divergierender Meinungen über einzelne zu besprechende Punkte existieren. Suchen Sie nun. bitte, auch gegen eine andere augenblickliche innere Überzeugung diese der Mehrheit unterzuordnen, damit wir einen vollen Erfolg unserer Gründung erreichen können. Der Gründungsausschufs, der gestern Abend eine lange Sitzung abhielt, ist Ihnen hierin mit einem glänzenden Beispiel vorangegangen und wir können Ihnen ein fertiges Ganzes präsentieren und werden in den einzelnen Punkten um Ihre Zustimmung bitten.

Von der Hauptstadt des Reiches, derjenigen Stadt, in welcher sich naturgemäfs das wissenschaftliche Streben am ausgesprochensten konzentriert, wo sich alle Adern straffen, um einen Fortschritt zu erreichen, ist diesmal hauptsächlich der Gedanke unserer Gründung ausgegangen. In der urdeutschen Stadt Stuttgart, wo sich süddeutsche Konnivenz mit schwäbischer Eigenart, die deutsche Zähigkeit und Treue glücklich vereint repräsentiert, soll heute die Gründung der Gesellschaft stattfinden. Möge dieses Zusammentreffen von bester Vorbedeutung für das Gedeihen unseres Vorhabens sein!

Herr Wossidlo hiefs ebenfalls die Anwesenden willkommen gab darauf einen kurzen Bericht über die Vorarbeiten des Komitees, das die Einladungen zur konstituierenden Versammlung hatte ergehen lassen. Die Anregung zur Begründung einer Deutschen Gesellschaft für Urologie war von den Herrn Casper, Posner und Wossidlo ausgegangen, denen sich die übrigen Herren, die den Aufruf unterzeichnet hatten, anschlössen. Es waren dies die Herren: Prank-Berlin, v. Frisch-Wien,1 J. Israel-Berlin, Kollmann-Leipzig, Kümmell-Hamburg, R. Kutner-ßerlin, Loowenhardt-Breslau, Lohnstein-Berlin, von Notthafft-München, Oberlaender-Dresden,Ries-Stuttgart, Schlagintweit-München,Wildbolz-Bern, Zuckerkandl-Wien.

Der Aufruf wurde an 260 Kollegen geschickt, von denen man wufste, dafs sie sich vornehmlich mit Urologie beschäftigen. Es erfolgten darauf 158 Zusagen zum Beitritt der zu begründenden Gesellschaft .

Aus dieser für den Anfang recht stattlichen Zahl von Zusagen darf man wohl die Hoffnung auf ein gutes Gedeihen der neu zu gründenden Deutschen urologischen Gesellschaft schöpfen.

Ein von dem vorbereitenden Komitee ausgearbeiteter Statutenentwurf wird zur Beratung vorgelegt und verteilt.

Es erfolgte nunmehr die Beratung der Statuten und Geschäftsordnung, von denen je ein Exemplar diesem Berichte beigefügt werden.

Nach Beratung und Annahme der Statuten und der Geschäftsordnung wurde beschlossen, die erste Versammlung im Jahre 1907 in Wien abzuhalten.

Darauf wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt:

Vorsitzende: топ Frisch-Wien.

Posner-Berlin.
Stellvertretende Vorsitzende: Casper-Berlin.

Zucker к an dl-Wien.
Schriftführer: Kapsammer - Wien.

Wossidlo-Berlin.
Kassenführer: Loewenhardt - Breslau.
Ausschufsmitglieder: Brenner-Linz.

F ran к-Berlin.
Kü m m e 11 - Hamburg.
Lohnst ein-Berlin.
M ankiewicz- Berlin.
Nicolich-Triest.
Ob er laen der-Dresden,
v. Ry dygier-Lemberg.
Stein-Stuttgart.
S chlagintwe it-München.
V о e 1 с к e r- Heidelberg.
Wildbolz-Bern.
Es wurde ferner beschlossen, allen denjenigen Herren, die ihren
Beitritt erklärt hatten, die Statuten zuzuschicken und sie ohne be-
sondere formelle Aufnahme als Mitglieder anzusehen, wenn sie ihr
Einverständnis mit den Statuten erklären.

Nachdem Herr Mankiewicz dem vorbereitenden Komitee und dem Vorsitzenden der Versammlung den Dank der Anwesenden ausgesprochen, schlofs Herr Oberlaender die Sitzung.

II. Satzungen.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie hat den Zweck, die Urologie durch gemeinsame Arbeit ihrer Mitglieder zu fördern.

§2

Sie besteht aus ordentlichen Mitgliedern, Ehrenmitgliedern und korrespondierenden Mitgliedern.

§3.

Die Leitung der Gesellschaft ruht in den Händen des Vorstandes.

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