Page images
PDF

Demosthenes

Rede

für die Krone.

Mit Einleitung und Anmerkungen

von

Friedrich Jacobs.

Leipzig,
in der Dyk'schen Buchhandlung.

18 3 3.

[graphic]
[graphic][merged small]

Nach dem Frieden (01. 108, 2.), durchweichender heilige Krieg beendigt, die Verheerung von Phokis gerechtfertigt, und der siegreiche König von Makedonien in den Rath der Amphiktyonen eingeführt war, hatte einige Iahre hindurch äußere Ruhe in Griechenland geherrscht; die innere Bewegung aber war von der einen Seite durch das Bestreben die gewonnene Macht zu befestigen und zu erweitern, von der andern durch ein nur allzu begründetes Mistrauen, durch die Hoffnung der Wiedererlangung des Verlornen, und die Notwendigkeit der Vertheidigung des noch bestehenden Besitzes ununterbrochen angeregt. Ieder Schritt, den die eine oder die andere Partei nach ihrem Ziele hin that, bot der entgegengesetzten einen Vorwand zu feindseliger Aufregung; und so lange bei dieser Stimmung der leiseste Hauch hinreichte, die unter der Asche schlummernde Flamme zum Ausbruche zu bringen, konnte der Plan, der den König nach Persien zog, nicht zur Ausführung kommen ^). Der Heerd des

^ U Dieser Plan hatte sich ohne Zweifel erst in dem Fortgänge glücklicher Kriege entwickelt, die zur Befestigung de« makedonischen Thrones unternommen worden waren. Angeregt war er schon frü

A*

Mistrauens war Athen. Nun war es zwar nie, wie einige Redner behaupteten, Philippus Absicht Athen zu vernichten 2), wohl aber den Einfluß zu schwächen, den es durch seine Lage am Meer und in der Mitte der repuvlicanischen Staaten unstreitig besaß. Wie er dieses Ziel eine Reihe von Iahren hindurch in den Augen hatte, ist bei den vorigen Reden nachgewiesen worden. Seine Absicht blieb nicht unbemerkt; aber bei der unermüdlichen Thätigkeit, durch die Philippus die geschwächte und getheilte Kraft Athens bald nach dieser, bald nach jener Seite zog, sah dieser Staat sich schon durch seine Verfassung im Nachtheil, so daß selbst die glücklichen Erfolge einzelner seiner Unternehmungen den Fortgang der autokratischen Macht seines Gegners nur wenig und nicht auf die Dauer hemmen konnten. Die politische Thätigkeit, welche Demosthenes auch seiner Seits während dieses Zeitraums auf der Rednerbühne und bei Gesandtschaften den Rüstungen des Königes entgegensetzte, erfüllt uns mit Bewunderung für ihn, zugleich aber auch mit Wehmuth über die Wege des unvermeidlichen Schicksals, welches an Einem Tage das Loos der hellenischen Staaten zur Entscheidung brachte, und diese Entscheidung vielleicht durch eben die Mittel beschleunigte, die sie abwehren sollten^). Philippus hatte sich allerdings genöthigt gesehn, die Eroberung der Städte am Bosporus aufzugeben; seine Besatzungen waren aus Euböa vertrieben worden; beides war das Werk Athens, und Demosthenes Verdienst; ein neuer Friede wird geschlossen ^), und Philippus scheint nach einer kurzen Heerfahrt gegen nördliche Barbaren in seinem Reiche zu ruhn, als, aufsein Anstiften vielleicht, ein neuer heiliger Krieg ihn Dl. 110, 2. an die Spitze eines amphiktyonischen Heeres stellt, und zum zweitenmale in das Innere von Griechenland führt. Als Haupt des Bundes, als Vertheidiger des göttlichen Rechtes und Rächer des an dem Archäischen Felde begangenen Raubes, dringt er durch die pylischen Pässe nach Lokris vor, und nimmt unerwarteter Weise von Elatea Besitz. Plötzlich erhebt sich Athen zur Abwehr der nahenden Gefahr; abertrotz des Bundes mit Theben und andern Städten, trotz des glückli

her. Das Unternehmen des jüngern Cyrus und ble gelungenen Versuche der Spartaner unter Agesilaus hatten die innere Schwäche der persischen Macht allzudeutlich offenbart, um nicht den Gedanken an einen Angriff kühnerer Art zu nähren, in welchem Isokrates ein Mittel der Vereinigung der miehelligen Staaten von Hella« sah. Eine solche Vereinigung wünschte auch Philippus zu eignem Northeil und seit er in den Bund der amphiktyonischen Staaten getreten war, scheint sie da« Ziel seiner Politik gewesen zu seyn.

2) Als ihm Einige nach dem Siege bei Chäronea harte Züchtigung Athens anriethen, sagte er: Es würde wohl ungereimt seyn, wenn ein Mann, der Alles um de« Ruhmes willen gethan und gelitten hat, den Schauplatz de« Ruhmes zerstiren wollte, (plutorell. 5. II. p. 178. 4.) Sein ganzes Verfahren stimmte mit diesem Ausspruche überem.

5) In dieser Beziehung kann Polybiue Ausspruch (XVII. 14, 13.) gelten, daß Athen seinem hartnäckigen Streben gegen Philipp«« die größten Unfälle und die Niederlage bei Chäronea verdankte.

4) Während Philipp»« (01. 110, 1.) Selnmbria und Perinthus belagerte, trug Demosthenes darauf an, ihm den Krieg zu erklären, die Säulen des vorigen Friedens umzustürzen und Schiffe auszurüsten (Philochorus b. Dionys von H. Lpi»t. »6 Hmm»e. o. II. 1°. VI. p. 4?l. I>I>iIue!wri rr»FM. e<1 »ilieü« p. 75. f. Nergl' Di« d « r 16, 77.). In der That ging auch Hülfe unter Chares Anführung ab, ward aber nicht aufgenommen; dann unter Phokion mit bessern> Erfolg (Plutarch Vit. I>I>ue. e. 14), worauf nach Diodor im nächsten Jahre (0>. 110, 3.) ein neuer Friede geschlossen wurde. S. VVillie»!>Ki S. 227. f.

« PreviousContinue »