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ergriffen, klagen über Mattigkeit, Kopfweh, Ziehen in den Gliedern, sind fehl leihbar, zum Zorn geneigt «der ängstlich, schüchtern, ungewöhnlich furchtsam; überhaupt ist ihr ganzes Benehmen verändert; sie find zuweilen sehr geschwätzig, sprechen unaufhörlich über »inen und denselben Gegenstand, oder sie stoßen, ganz gegen ihr« Gewohnheit, unanständige Redensarten, Flüche, Beschwörungen u. dergl. aus. Die Hautaus« dünstung ist entweder ganz unterdrückt, oder die Haut sehr heiß, von Schweiß bedeckt; der Unterleib ist meist verstopft; der Puls sehr veränderlich, meist beschleu» «igt; die Zunge mit einem weißen Schleim bezogen; der Urin anfangs blaß, zitronenfarbig; sie haben Durst; der Appetit ist entweder natürlich oder si« wollen nichts genießen. In allen diesen Symptomen ist aber durchaus nichts Coostantes. Bricht nun die Krankheit wirklich aus, so pflegen die Wöchnerinnen zu Anfange tobsüchtig zu seyn, und sie stellen dann alle Erscheinungen einer mania luribun6«> dar. Sie sprechen und handeln ganz verkehrt, haben durchaus kein« Selbstbestimmbarteit; sie schwatzen verkehrt, un« vernünftig, schimpfen ihre Umgedungen, speien oder schlagen um sich her, oder sie lachen, singen,») wol» lex aus dem Beile springen und haben öfters aus« nehmend viele Kraft, so daß mehrere starke Männer

*) So entband und behandelte der Verf. eine mit Mani» behaftete Wöchnerin in Berlin', welche Virtuosin auf

'dem Klavier war, unaufhörlich spielte sie mit den Händen Klavier mit Begleitung des (Gesanges.

kaum im Stande sind, sie zu halten. Dazu komme» denn meist allerhand krampfhafte Bewegungen in ver. schieden«!, Theilen des Körpers, Verzerrungen de» Gesichts, w.ldes Umhertollen der Augen, Erweiterung der Pupillen, Zittern der Glieder u. dgl. Die Kran, ken zeigen zuweilen eine auffallende Hartnäckigkeit, wollen weder Speisen noch Arzneien zu sich nehmen, ihr Schlaf ist beinahe ganz verschwunden oder doch sehr unruhig; der Athem ist ängstlich, deschleumgt; der Puls zuweilen frequent, zuweilen langsam, übel» Haupt sehr veränderlich; die Lochien sind entweder normal, oder quantitativ und qualitativ »»rändert, zu sparsam, ganz unterdrückt, oder zu reichlich, übel, riechend, «ilerarlig, mißfarben, corrodirend. Die Milchsecretion bleibt meistens unveränderlich, ja die Kranken weiden oft plötzlich, während sie das Kind säugen, von einem Anfall ergriffen. Der Unterleib ist in der Regel verstopft; sie haben zuweilen kolikar. tig« Schmerzen, leiden an Tenesmus und Strangurie so daß unter den fortgesetzten Anstrengungen zu Stuhle zu gehen und den Urin zu entleeren der Kopfschmerz oft eine bedeutende Höhe erlangt. Die Krankheit ift in dieser Form dem acuten delirium der encepnall» tl« sehr ähnlich, doch fehlen die charakteristischen Kenn» zeichen der letzteren. Bei dieser nämlich sind die Zei» chen von Kopfcongestionen sehr deutlich wahrnehmbar? da« Gesicht ist roth aufgetrieben, die Karoliden klop« fen heftig; die Augen roth, sehr lichtscheu, dabei doch meist die Pupille erweitert; die Delirien find heftiger, wüthender, selten intelmittirend; der Kopf» schmelz konstanter; der Puls deutlich entzündlich, nicht so veränderlich, nie retardirt; die Zunge ist fast immer rein und sehr roth; das Gehör oft sehr scharf und fein: der Urin meist dunkelroth u. s. w. Trotz dem allen ist e« nicht zu laugnen, daß das erste Auf» treten der ence^ligliliz, wenn das Fieber noch sehr dunkel ist und wenn die Krankheit kurz nach der Cnt« bindung auftritt, leicht mit der beginnenden tnüm'2 PuerpeiÄruiu verwechselt werden kann. Diese macht nun in der Negel Remissionen und hat einen sehr verschiedenen Verlauf. Cs gibt Beispiele, wo die Manie schon innerhalb ein Paar Stunden villig vorüber ist, doch dauert sie in der Negel einige Wo« che» und selbst Monate. In diesem Falle geht sie dann in der Regel zur Melancholie über, die eben» falls von sehr unbestimmter Dauer ist und zuweilen bis zu einer neuen Conccption anhält. Die Krank« heit hat in der Regel einen intermittirenden Typus, und die Kranken sind nun, die freie Zeit ausgenom» men, finster, mürrisch, in sich verschlossen, lieben die Einsamkeit, nehmen an nichts Theil, bekümmern sich weder um ihre hauslichen Angelegenheiten, noch um ihr Kind, ja zuweilen wollen sie letzteres nicht als das ihrige anerkennen und bekommen einen Haß gegen ihren Gatten. Auch gegen ihren Arzt zeigen sie oft Mißtrauen und Haß. Man muß sie zum Essen und Trinken und zu andern körperlichen Funktionen nöthigen und sie sind oft dem Blödsinne sehr nahe. In der freien Zeit find sie dagegen freundlicher, erin»' nein sich oft der begangenen Thorheiten, und bitten

deshalb um Verzeihung; verlangen ihr Kind zu sehen, liebkosen es und sind ganz vernünftig. Sie sehen in der Regel sehr bleich undangegriffen aus, haben kei» nen gehörigen Appetit, find zur Verstopfung geneigt, klagen über allerhand Sinnestäuschungen und werden magerer.

Ursachen.

§. 375.

Auch hier liegen, wie bei allen Gemüthskrank» hellen, psychische und somatische Ursachen zum Grunde/ die den Ausbruch der Krankheit um so «her begünstigen, je größer die Ablage dazu ist, und es ist nicht zu läugnen, daß da« Wochenbette selbst ein Zemiulum murdi begründet, das dem Entstehen der Krankheit sehr förderlich ist. Die durch vorausgegangene Schwan» gerschaft und Geburt herbeigeführten »lannigfachen Neitzungcn des Gemüths und Korperanstrengungen; die dadurch erzeugte Schwäche und Neitzbarkeit des ganzen Nervensystems machen die Wöchnerin für je, den äußern Einfluß um so empfänglicher, und tonnen unter gewissen Umständen dann leicht in Manie oder Melancholie ausarten. Bei allem dem bleibt uns dennoch die nächste Ursach« der Krankheit sehr dunkel; es ist nicht zu läugnen, daß manche Frauen eine erb» liche Anlage dazu haben, so daß sie in jedem Wo» chenbette davon befallen werden. Andere werden in jeder Schwangerschaft davon ergriffen: ja es gibt seltene Beispiele, wo Frauen nur dann frei davon find, wenn sie schwanger werde«. Diese beiläufigen B<» mtlkungen beweisen um so mehr die Richtigfeit der vorigen Behauptung, daß wir die Natur dieser An« läge und der Krankheit seilst noch nicht genau ken. nen. Einige haben hier eine niet35l2«i5 1ac:ti5 zum Grunde legen wollen, ab«» gewiß mii Unrecht. Die Laktation ist oft nicht nur nicht unterdrückt, sondern der Verfasser hat beobachtet, daß die Krankheit mit» ten im Säugen auebrechen kann. Zu den Gelegen» heitsursachen gehören nun alle diejenigen Momente, die auch aneece Krankheiten de« Wochenbetts herbeiführen können: Gemülhsaffect«, körperliche Reitzun» gen mechanischer oder dynamischer Art, Mißbrauch der narcntica, der ^iriluasa, Diälfehler aller Art, Anomalien der Wochenfunctionen, besonders zu reicher Lochialfluße. Endlich können auch Würmer Veran, lassung dazu werden.

Pro gnose.

§. 376. Si« ist im Ganzen günstig und es ist so viel ausgemacht, daß unter allen Gemüthskrankhei» ten die inunia und inelauciiulia pu erperarlini die beste Prognose zuläßt- Di« Krankheit kann sich oft, besonders unter der Form der Melancholie, meh» lere Monate hinschleppen, aber die Kranken werden doch fast immer geheilt. An und für sich und in H» rer ursprünglich reinen Form wird die Krankheit cM wiß niemals tidtlich. Je kürzere Zeit sie erst gedauert hat,.desto eher kann man Heilung «warten. Ein

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