zeichnen sich die neuen Farbstoffe auch noch durch ein auffallend gutes Egalisirungsvermögen aus.

Durch ein besonderes, nur ihnen eigenthümliches Verhalten gegen Metallsalze ausgezeichnet, bilden sie eine neue Gruppe von Farbstoffen, welche von anderen bekannten scharf unterschieden ist. Es gelingt nämlich, mit Hülfe des gleichzeitigen Zusatzes von verschiedenen Metallsalzen, z. B. Alaun, Kupfersulfat, chromsaurem Kali u. dergl., zur Färbeflotte oder zur Druckfarbe oder durch die nachherige Einwirkung von Beizen mit ein und demselben Farbstoff eine Reihe der verschiedenartigsten, gleichmässig echten, im Ueberschein besonders prachtvoll leuchtenden Nuancen herzustellen, deren Ton sich von Cochenilleroth über Bordeaux, Prune und Violett bis ins tiefste Schwarz erstreckt.

Demnach kann man von einer bestimmten Nuance eines Farbstoffes dieser Gruppe nicht sprechen; die neuen Farben erhielten wegen der Vielfältigkeit und Wandelbarkeit der damit erzielbaren Farbtöne den Namen „Chromotrope".

Das eben geschilderte eigenthümliche Verhalten bei der oben hervorgehobenen nachherigen Einwirkung von Beizen, welches besonders bei Anwendung von Chrombeize hervortritt, charakterisirt die vorliegenden Farbstoffe als eigene Gruppe und unterscheidet sie scharf von den seither bekannten Farben.

Färbt man nämlich die in Rede stehenden Farbstoffe nicht so, wie vorhin angegeben, sondern nach der bei Beizenfarbstoffen allgemein üblichen Methode — also auf Wollstoffe, welche mit Metallbeizen vorbehandelt sind, z. B. mit Alaun oder Chromverbindungen, wie dies besonders in den beiden Patenten Nr. 49979 und Nr. 49 872, welche die einzigen bemerkenswerthen, zur Zeit bekannten Beizenazofarbstoffe beschreiben, die sich vom Dioxynaphtalin oder dessen Sulfosäuren ableiten, vorgeschrieben ist — so erhält man ganz unbrauchbare Resultate. Färbt man andererseits die Farbstoffe eben erwähnter Patente mit chromsaurem Kali auf die Weise, wie die Farben der vorliegenden Patentschrift gefärbt werden müssen, um ein Blauschwarz zu erzielen, so ist ein vollständiger Misserfolg das Resultat: man erhält an Stelle der blauvioletten bis blauen Töne werthlose, schmutzig braune Nuancen.

Da ausserdem die übrigen wenigen angewendeten beizen ziehenden Azofarbstoffe mit Beizen Färbungen liefern, welche sich von den sauren Färbungen in der Nuance nur wenig (vergl. u. A. Lehne, Färberztg. 1890/91, S. 145), hauptsächlich nur durch grössere Echtheit unterscheiden, während mit den neuen Farbstoffen dagegen nicht nur diese Echtheit erreicht, sondern auch noch mit jeder Beize eine von der sauren Färbung vollständig verschiedene Nuance erzielt wird, so können die Chromotrope nicht kurzweg mit den bisher bekannten Beizenazofarbstoffen, die Dioxynaphtalinderivate mit inbegriffen, in eine Reihe gestellt werden. Allerdings bilden sie, wie diese, auf der

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Braunroth

Braun

Schwarz-
braun mit
Kurernlanz
Schwarz mit
Kupferelanz
Schwarz mit
Kupferelanz
Schwarz mit
Kurerelanz

Schwarz
Rothbraun
mit Metall-
elanz
Rothbraun
mit Metall-
elanz

Roth -au
Rothbraun

Rothbraun

Schwarz mit
Kurernlanz

tiriin-
Kchwarz mit
Kupfernlanz

Gelbroth
Carminroth

Fuchsinroth

Violettroth

Carminroth

Fucheinroth
Roth violett

Gelbroth

Gelbroth

Carminroth
Gelbroth
Gelbroth

llothviolett

Fuchiinroth

Gelbroth
Carminroth

Flhsinroth

Roth

Roth

B'uchsiuroth
Flhsinroth

Gelbroth

Gelbroth

Carminroth
Gelbroth
Gelbroteli

Roth violett

Flhiinroth

Oranneroth
Weinroth

Weinroth

Gelbroth

Gelbroth

Fuchsinroth
Rothviolett

Weinroth

Weinroth

l DunkelI clminroth

Violettroth

Carminroth

Weinroth

Weinroth

Violettroth
Violettroth

Violett

Tiefreinauau

Marineauau

Blau-ln
Blau-ln

Violett

Violett

Rothviolett
Violett

Violett

Tief-
murineblnu

Il-auvioli'U

Gelbroth
Roth

Fuchsinroth

Roth violett

Carminroth

Violettroth
Weinroth

Weinroth

Weinroth

Carmoisin-
roth

Violett

Gelbroth

Rothviolett

Flhsinroth

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Schwarz

Rothbrauii

Schwarz
Braun-
schwarz

Rothbrauii

Rothbrauii

Grün-
schwarz mit
Kupferglanz

Schwarz

Grün-
schwarz mit
Metallglanz

Blauschwarz

Schwarz mit
Goldglanz

Schwarz

Grauschwarz

G rausch warz
Griinschwarz

Tiefroth

Violottroth
Violettroth
Ponceauroth

Ponceauroth

Gelbroth

Furhsimoth
Fuchsinroth
Puclisinroth

Carminroth
Fuchsinroth

Garminroth

Puclisinroth

Fuchsinroth

Blairviolett

Violett blau

Violettblau

Violettblau

Violett
Puclisinroth

Tiefroth

Violettroth
Violettroth
Ponceauroth

Gelbroth

Gelbroth

Gelbroth
Weinroth

Puclisinroth

Carminroth
Fuchsinroth

Carminroth

Fuchsinroth

Fuchsinroth

Blauviolett

Reinblau

Violettblau

Violettblau

Violett
Fuchsinroth

FucliKinrotli

Weinroth

Rothviolett
Gelbroth

Rothviolett

Gelbroth

| Dunkel\ rothbraun Gclbroth

Violett

Carminroth
Gelbroth

Carminroth

Gelbroth
Fuchsinroth

Rothviolett
Weinroth
Weinroth

Roth violett

Weinroth
Roth

Mnrini'hleu

Tiefblau-
violett

Grün
Violett

Violett

Rothviolett

Violett
Violettroth
Rothviolett

Violett
Violett

Violett

Violett

Tiefblau

Grünblau

Tiefblau

Tiefblau

Reinblau

Reinblau
Violett

Fuclminroth
Violettroth

Fuchsinroth
Gelbroth

Gelbroth

Gelbroth

Gelbroth
Fuchsinroth
Fuchsinroth

Carminroth
Fuchsinroth

Carminroth
Fuchsinroth
Fuchsinroth

Blauviolett

Tiefblau-
violett

Violett

Blanviolett

Blauviolett
Fuchsinroth

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Faser mit Metallsalzen Farblacke, aber unter ganz anderen Bedingungen und mit ganz anderem Effect.

Offenbar ist dieses besondere Verhalten durch die Peristellung der beiden Hydroxylgruppen in der Muttersubstanz der Chromotropsäure bedingt; dieser kommt mit aller Wahrscheinlichkeit nachfolgende Constitution zu:

OH OH

AA

S03W x/ N/ NSO3H

Die dargelegten besonderen Eigenschaften der Chromotrope sind an keiner anderen seither bekannten Dioxynaphtalinsulfosäure oder an keinem der Farbstoffe, die sich davon ableiten, nachgewiesen. Die technische Bedeutung der neuen Farbstoffgruppe gipfelt in der Thatsache, dass sie die ersten künstlichen Farbstoffe in sich schliesst, mit welchen die Schönheit des Blauholzschwarz vollkommen erreicht wird; ausserdem haben die mit den Chromotropen erhaltenen Färbungen vor den Blauholztönen noch den Vorzug der Säureechtheit voraus.

Das Verfahren zur Gewinnung der neuen Farbstoffe besteht darin, dass man eine äquivalente Menge einer Diazo- oder Tetrazoverbindung auf eine alkalisch gehaltene oder mit Natriumacetat versetzte Lösung der oben erwähnten Dioxynaphtalindisulfosäure einwirken lässt.

Beispiel: Man diazotirt 9,3 Thle. Anilin auf gewöhnliche Weise und lässt die Diazobenzolchloridlösung dann bei 0 bis 5° C. in eine ca. 15 bis 20proc. Lösung von 40Thln. dioxynaphtalindisulfosaurem Natron und 15 Thln. Soda einlaufen. Die Combination tritt sofort ein und ist nach kurzer Zeit beendigt. Der Farbstoff fällt zum grössten Theil krystallinisch aus und wird nach bekanntem Verfahren gewonnen und gereinigt.

Die Eigenschaften und das Verhalten der beanspruchten Farbstoffe sind in beigefügter Tabelle (S. 688 u. 689) übersichtlich zusammengestellt.

Patentanspruch: Verfahren zur Darstellung von neuen Azofarbstoffen, welche die Eigenschaft von Säurefarbstoffen und echten Beizenfarbstoffen in sich vereinigen, darin bestehend, dass man die Diazo- bezw. Tetrazoverbindungen nachstehender Basen auf diejenige Dioxynaphtalindisulfosäure einwirken lässt, welche entsteht, wenn man die Naphtolsultondisulfosäure des Patentes Nr. 56058 mit Aetzalkalien verschmilzt.

Unter den oben erwähnten Basen sind verstanden:

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Nr. 69155. Cl. 22. Verfahren zur Erzeugung von Trisund Tetrazofarbstoffen auf der Faser mittelst Disazofarbstoffen der Congogruppe aus Derivaten von Naphtylamin

Bulfosäuren.

Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co. in Elberfeld.

Zusatz zum Patente Nr. 65262 vom 15. September 1891.

Vom 28. Februar 1892.

In dem Hauptpatente Nr. 65262 haben wir ein Verfahren zur Erzeugung von Azofarbstoffen auf der Faser beschrieben, welches darin besteht, dass Baumwolle, welche mit den Farbstoffen aus 1 Mol. einer Tetrazoverbindung und 2 Mol. der Cleve'schen a-Naphtylaminp-monosulfosäuren (/3,y, »j,ö), oder aus 1 Mol. einer Tetrazoverbindung, 1 Mol. einer der drei Cleve'schen a-Naphtylamin-p-monosulfosäuren und 1 Mol. eines Phenols, Amins, Amidophenols bezw. deren Sulfooder Carbonsäuren vorgefärbt ist, nach einander mit sauren Lösungen von Nitriten und alkalischen bezw. essigsauren Bädern von Phenolen, Aminen, Amidophenolen, deren Sulfo- oder Carbonsäuren behandelt wird.

Wir haben nun gefunden, dass sich in dem genannten Verfahren unter Erzielung desselben technischen Effectes an Stelle der Cleve'schen a-Naphtylaminsulfosäuren gewisse äthoxylirte Naphtylaminmonosulfosäuren verwenden lassen, und zwar diejenigen, welche aus ß-Naphtol-/3-monosulfosäure (2.6) bezw. ß-Naphtol-ö-monosulfosäure (2.7) durch Aethyliren, durch weiteres Nitriren der so entstandenen Aethoxynaphtalinsulfosäuren und Reduciren der gebildeten Aethoxymononitronaphtalinsulfosäuren gewonnen werden. Diese beiden äthoxylirten Naphtylamiusulfosäuren, welche wir als:

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