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Vvrbericht.

^ein andrer Bewegungsgrund/ als Amtspflicht und «V Schuldigkeit, würde wohl vermögend gewesen seyn, mir gegenwärtige Schrift abzudringen. Die Liebe zur Wahrheit aber, ohne die ich keine Pflichten kenne, und der ich bisher noch allezeit mein eigenes zeitliches Jnteres. se mit Freuden aufgeopfert habe/ hat auch hier meine Feder geleitet.

Ich weis wohl, daß diese Arbeit vielen Leuten nicht anstehen wird, welche gewohnt find, ihre von Jugend auf eingesogenen und gleichsam anererbten Vorurtheile für unstreitige Wahrheiten zu halten, und die sich niemal daS Herz genommen haben, auch nur die geringste Prüfung anzustellen, ob das, was sie für richtig und gewiß annehmen, auch auf richtigen und ungezweifelten Gründen beruhet. Solche Leute bekehren zu wollen, bin ich gar weit entfernet: weil ich es immer für eine Thorheit halte, unmögliche oder beynahe unmögliche Dinge zu'unternehmen; und weil ich keinen Beruf zum Mirsckelwirken, welche? noch das einzige Mittel wäre, dergleichen Leute zu bekehren, bey mir verspüre. Ich bin schon zu frieden und reichlich belohnet, wenn ich mW nur schmeicheln darf, die un

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Vsrbericht. v,,^"-' ,

Dartheyijche und unbefangene Welt überzeuget zu haben, daß das churbaterische Sponsaliengesetz keine Frucht der Uebereilung, wie manche Leute schreyen, sondern einer reifen Ueberlegung ist, daß eö nicht auS dem verhaßten V0I0 üo^judeo, sondern aus sehr dringenden und auf die Wohlfarth des Staats sich gründenden Betrachtungen geflossen, und daß es sich mit solchen Gründen rechtfertigen läßt, die, weil sie der Natur der Sachen angemessen sind/ «immermehr überwerfen werden können.

Daher habe ich auch für unnöthig gehalten, einen Haufen von Privatautoritäten, Eruditionen und Marionen einzupfropfen, womit unsre neuen Eruditionalisten, nach dem Beyspiele der alten Juristen, ihre Werke so weydlich auszuspicken pflegen. In meinen Augen gilt ein'einziger richtiger Vernunftschlnß mehr, als 1000 Autoritäten. Und Kennern und Liebhabern der Wahrheit ist wenig daran gelegen, ob das, was ich sage, auch andre vor mir gesaget haben, sondern ob ich das, was ich sage) aus ungezweifelten Gründen beweise. Hiervon mag nun die Wahrhett liebende Welt urtheile».'

Erster i

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Erster Einwurf.

^iewshl die weltlichen Fürsten und Staaten bex dem Lhe* wcsen ein großes Interesse haben, so heilsam und rühmlich auch ihre Absichten zu dessen guter Einrichtung sex» mögen; so ist doch zu bedenken, daß sie in diesem Stücke keine gesetzgebende Macht haben, als welche der Rirche nur allein zusteht, weil die Ehe von Christo JEsu zu einem Gacrament des neuen Gesetzes erhoben worden, dessen Form und Bestimmung ein bloßes Werk der Kirche, oder der geistlichen Macht ist. "'

^ Antwort.' ^

Allerdings sind die Fürsten und weltlichen Staaten bey dem Ehewesen allzusehr intereßirt; denn die rechtmäßigen Ehen, als die Quellen der Bevölkerung und Generationen, sind die erste und vornehmste Stütze der bürgerlichen Gesellschaften. Kein Gegenstand verdient die Aufmerksamkeit der Regenten mehr als dieser: und sie können, ohne ihre wesentlichen Pflichten zu verletzen, denselben nicht außer Augen setzen/ noch ihn andern überlasse». Hier hat auch weder Ge

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iVvhnheit, Verjährung noch ?nvLeFmm statt: weil Dinge, die mit der Ruhe und Wohlfarth, ja gar mit der Erhaltung des Staats in einer so genauen Verbindung stehen, niemal willkührlich feyn, und an* dem unabhängig überlassen werden können, die für die Erhaltung und Wohlfarth des Staats von Amtswegen nicht zu sorgen haben.

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/ "Die Kirche zieht den ehlosen Stand, der doch ganz gewiß kein Sacrament ist, dem ehkichen vor, und verbindet uns, diesen Satz als einen Glaubensartikel (s) anzunehmen. Sie sieht hierbey, nach dem Beyspiele des Apostels, auf die Vollkommenheit einzelner Menschen in ihrem sittlichen Zustande. Der weltliche Staat aber betrachtet sie in ihrem Zusammenhang mit der bürgerlichen Gesellschaft, und « kann ans diesem Gesichtspunkte die Erleichterung und Fruchtbarkeit der Ehen nicht änderst als für ein fouveraines Mittel zu feiner Erhaltung, Blüthe und Stärke ansehen. Kirche und Staat widersprechen sich hier einander nicht, sondern beyder Endzweck ist auf die Glückseligkeit und Vollkommenheit der Menschen gerichtet, doch ein seder in seiner Sphäre. Die Kirche hat nur für die Sanctification der Ehen zu sorgen, und solche Bedingnisse damit zu verknüpfen, wie sie es für gut befindet: denn das sind bloö geistliche Handlungen, über welche keine weltliche Macht zu gebiethen hat. Die Beförderung der Ehen aber, ihre Vermehrung und gute Einrichtung durch bürgerliche Gesetze, liegi blos allein dem weltlichen Staate od, der am meisten dabey intereßirt ist. So haben noch immer alle gesittete Völker zu allen Feiten, und in allen Wektgegenden gedacht, und gehandelt. Diese Begriffe fließen auch aus der Natur der Sache selbst, die sich zwar durch scholastische Worttändeleyen verwirren, aber doch aus keinem gesunden Verstande gänzlich verdringen lassen. Man widerspricht daher der gesunden Vernunft «nd allen Begriffen von bürgerlicher Gesellschaft, wenn man die weltlichen Regenten von aller Theilnehmung an den Ehen ausschließen will, die ihnen das Recht d« Ratur selbst, als eine schwere Pflicht auferleget.

leget. Man bauet auf impliccmte Notionen, und nimmt Dinge für richtig an/ welche der Natur der Sache widersprechen. Wir werde» dieses in der Folge sonnenklar zeigen.

Je mehr man die Ehen erschweret/ und ihnen Hindernisse i« den Weg leget, destomehr verlieret der weltliche Staat dabey. Die weitwendigen und kostbaren Probatorialproccsse in Sponsaliensachen, die noch kostbarer« Appellationen an auswärtige geistliche Tribunalie», an die Nunciaturen, und an die römische (üurism, sind solche Erschwerungen, wodurch die Ehen allzulange verzögert, und der streitende» Tbeile Geldmittel öfters gänzlich absorbiret werden; so daß sie am Ende eines langwierigen ProcesseS weder die Civil Satisfaction leisten, noch auch an einige Verehelichung mehr gedenken können, sondern sich viel* mehr entschließen, ihre fleischlichen Begierden auf eine sündliche Weise zu befriedigen, und unnütze Bürger des Staats zu werden. Und beu diesen landverderblichen Anstalten foll ein Landsregent gleichgültig seyn, und die Remedur von andern (vieleicht vergeblich) erwarten? Er soll dem Uebel nicht aus eigner Macht durch Gesetze steuren dürfen?

(») Oouc. Irickeul. seil'. 24. äs rekorm. m«r. O:m. lo.

Zweyter Einwurf.

wenn es demnach an guter Einrichtung des Ehwesens hier und da mangelt, ss muß die geistliche Macht ersuchet werden, daß sie dem Mangel abhelfen und gute Verordnungen dagegen machen möchte, wozu sie sich zum Besten des Staats allezeit willfahrig bezeigen wi^d. Wie man dann hier und da heilsame bischöfliche Verordnungen findet, vermöge deren die heimlichen Eheversprechen für nichtig erkläret, und die darüber erhobenen Rechtshandel 5 Krume zuöicii abgewiesen werden.

Antwort.

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